Biogas in Deutschland: Zahlen, Fakten und Perspektiven
Rom/Freising [ENA] Freising, 10. März 2026 – Spätestens seit dem Inkrafttreten des Gebäudemodernisierungsgesetzes ist Biogas ein zentrales Thema in der Energiewende. Die Frage, welche Rolle Biogas heute und in Zukunft spielen kann, beschäftigt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Wie viele Anlagen sind in Deutschland tatsächlich in Betrieb und wie viel Leistung bringen sie? Der Fachverband Biogas e.V. hat dazu aktuelle
Branchenzahlen vorgelegt, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut IEE erhoben wurden. Die Basis bilden Daten aus dem Marktstammdatenregister, die mit den EEG-Bewegungsdaten kombiniert und ausgewertet wurden. Dadurch sind die Zahlen in diesem Jahr deutlich präziser und umfassender als zuvor. Ende 2025 waren in Deutschland insgesamt 9.315 Biogasanlagen zur Vor-Ort-Verstromung und 290 Anlagen zur Biomethan-Aufbereitung in Betrieb. Das ergibt eine Gesamtzahl von 9.605 Anlagen. Die installierte elektrische Leistung der Vor-Ort-Verstromungsanlagen beträgt 6.816 Megawatt (MW), die Bemessungsleistung liegt bei 3.316 MW. Die Differenz von 3.500 MW steht für Überbauung und Flexibilisierung, ein wichtiger Faktor für die bedarfsgerechte
Stromerzeugung. Thomas Karle, Präsident des Fachverbandes Biogas, betont die positive Entwicklung: „Die steigende Flexibilität der Anlagen zeigt, dass Biogas eine immer bedeutendere Rolle für die Stabilität des Stromnetzes spielt. Das ist sowohl politisch als auch gesellschaftlich gewünscht.“ „Wir müssen allerdings aufpassen, dass wir diese Vorreiterrolle nicht leichtfertig auf’s Spiel setzen“, mahnt Vizepräsident Christoph Spurk. Es sei schwer nachzuvollziehen, dass in den vergangen 4 Jahren fast alle EU-Staaten eine Biogas- und Biomethanstrategie entwickelt hätten, um ihre Volkswirtschaften nachhaltiger und resilienter zu machen - und sich der Technologieführer Deutschland diesem europäischen Prozess völlig verweigere.
„Das schadet unserem Industriezweig“, sagt Spurk, und ergänzt: „Wir reden hier immerhin von einem Gesamtumsatz in Höhe von 8 Mrd. Euro – inklusive wachsendem Auslandmarkt sogar von 9,6 Milliarden.“ 67.300 Arbeitsplätze, v.a. im ländlichen Raum, hängen direkt oder indirekt an der Biogasnutzung.Verbandspräsident Karle resümiert: „Mit dieser neuen Datenbasis können wir nun sehr konk-ret beziffern, welchen Beitrag Biogasanlagen leisten. Dieses Potenzial gilt es, so sinnvoll wie möglich einzusetzen und so gut wie möglich auszubauen.“Im Jahr 2025 wurden insgesamt 29 Terawattstunden (TWh) Biogasstrom erzeugt. Das entspricht dem Strombedarf von 8,8 Millionen Haushalten. Doch Biogas liefert mehr als nur Strom: Die bei der Stromproduktion anfallende
Wärme betrug 32,3 TWh, davon konnten laut Umfrage 18,7 TWh außerhalb der Biogasanlage genutzt werden – etwa in Wohngebäuden, öffentlichen Einrichtungen und Industriebetrieben. Diese Wärmemenge reicht, um den Jahresbedarf von 1,4 Millionen Haushalten zu decken. Karle weist darauf hin, dass das Potenzial von Biogaswärme oft unterschätzt wird: „Jede Kilowattstunde Biogaswärme ersetzt eine Kilowattstunde Erdöl und reduziert den Erdgasbedarf.“ Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Biogas nicht nur heute eine tragende Säule der Energiewende ist, sondern auch zukünftig eine entscheidende Rolle für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung spielen kann.




















































