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Anstieg der Strompreise

Verantwortlicher Autor: Jochen Behr Berlin, 09.03.2026, 23:51 Uhr
Fachartikel: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 3942x gelesen

Berlin [ENA] Gründe für den Anstieg der Strompreise in Deutschland seit dem Atomausstieg. Der Atomausstieg in Deutschland wurde im April 2023 abgeschlossen, als die letzten drei Kernkraftwerke abgeschaltet wurden. Entgegen mancher Behauptungen ist der Ausstieg jedoch nicht der primäre Grund für steigende Strompreise. Die Preise haben sich seit 2010 insgesamt verdoppelt, woran liegt das?

Vor allem wegen der Energiewende, Investitionen in erneuerbare Energien, Netzausbau und steigende Kosten für fossile Brennstoffe ist das zurückzuführen. Der starke Anstieg ab 2021/2022 war hauptsächlich durch externe Faktoren bedingt: den Ukraine-Krieg, explodierende Gaspreise und massive Ausfälle französischer Kernkraftwerke (aufgrund von Wartungen und Korrosion). Diese führten zu einem Preishöchststand im August 2022 mit bis zu 46,5 Cent/kWh im Großhandel.

Tatsächlich sind die Strompreise seit dem Atomausstieg gesunken: Der Großhandelsdurchschnittspreis fiel von 9,55 Cent/kWh 2023 auf 7,95 Cent/kWh 2024 (ein Rückgang um 16,8 %). Für Haushalte lagen die Preise Anfang 2026 bei durchschnittlich 37,2 Cent/kWh – niedriger als die Höchstwerte von 47 Cent/kWh in 2023, aber immer noch über dem Vorkrisenniveau von vor 2021. Studien zeigen, dass ein Weiterbetrieb der AKWs die Preise 2023/2024 nur um 1–8 % gesenkt hätte, da der Ausstieg den Markt kaum beeinflusste. Stattdessen dämpfen erneuerbare Energien die Preise langfristig, da sie keine Brennstoffkosten haben und zunehmend wettbewerbsfähig sind.

Import von Atomstrom: Ja, Deutschland importiert Strom aus Nachbarländern, darunter Atomstrom (aus Kernkraft). Dies geschieht über den europäischen Strommarkt, wo der günstigste verfügbare Strom gehandelt wird. Der Großteil des importierten Atomstroms stammt aus Frankreich, gefolgt von Schweiz, Niederlanden, Belgien, Schweden und Tschechien. - *Mengen*: Im Jahr 2024 wurden 18,3 Terawattstunden (TWh) Atomstrom importiert – ein Rekordwert, dreimal so viel wie vor zehn Jahren. Das entspricht etwa 4 % des deutschen Stromverbrauchs (ca. 500 TWh/Jahr). Für 2023 lagen die Importe bei 11,7 TWh, für 2025 bei schätzungsweise 17–18 TWh (basierend auf Trends). - Gesamte Stromimporte: 2024 wurden 81,7 TWh importiert (gegenüber 55,4 TWh Exporten).

Nettoimport von 26,3 TWh: Für 2025 betrug der Nettoimportüberschuss 18,3 TWh. Gründe sind niedrigere Produktionskosten im Ausland (z. B. durch günstigen Wasserkraft- oder Atomstrom) und höhere CO₂-Preise in Deutschland. Vergleich zu regenerativen Energien: Die erneuerbaren Energien (Wind, Solar, Wasser, Biomasse) dominieren den deutschen Strommix bei weitem und übersteigen die importierten Atomstrommengen um ein Vielfaches:

- *Produktion aus Erneuerbaren in Deutschland*: 2024 lagen sie bei 254,9 TWh (59 % der Gesamterzeugung), 2025 bei ca. 278 TWh (62 %). Der Anteil steigt kontinuierlich – 2024 war der deutsche Strommix so sauber wie nie zuvor, mit Rekorden bei Solar (63,3 TWh) und Wind (111,9 TWh onshore). - *Vergleich*: Der importierte Atomstrom (18,3 TWh 2024) macht nur ca. 7 % der inländischen Erneuerbaren-Produktion aus. Erneuerbare decken über 60 % des Verbrauchs, während importierter Atomstrom nur 4 % ausmacht.

- Auch der gesamte Nettoimport (26,3 TWh 2024) enthält einen hohen Anteil Erneuerbarer (ca. 53 % der Importe), vergleichbar mit dem deutschen Mix. Zusammenfassend: Der Atomausstieg hat die Preise nicht stark getrieben, Importe von Atomstrom sind relevant, aber gering im Vergleich zu den eigenen Erneuerbaren, die den Übergang zur klimafreundlichen Energie vorantreiben.

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