Dienstag, 11.08.2020 09:25 Uhr

Ist der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) noch zu retten?

Verantwortlicher Autor: Klaus Köhnen Berlin/Bundesweit, 19.12.2019, 08:27 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Special interest +++ Bericht 6773x gelesen
Symbolbild
Symbolbild  Bild: Klaus Köhnen

Berlin/Bundesweit [ENA] Seit mehreren Wochen gibt es Diskussionen um die Person des derzeitigen Präsidenten Hartmut Ziebs. Am 6. Dezember gab es eine Sitzung des Präsidialrats in Braunschweig. Aus Sicht der überwiegenden Mehrheit der Mitglieder ist das Vertrauensverhältnis zum Präsidenten nachhaltig erschüttert.

Die Diskussion um die Position von Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), sorgt in vielen Bereichen des deutschen Feuerwehrwesens für Verunsicherungen. Da bisher niemand genauere Informationen, ausgenommen den sehr einseitigen Erklärungen des Verbandes der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen (VdF), hatte, haben sich die Vizepräsidenten entschlossen ihre Sicht der Dinge ebenfalls öffentlich darzustellen. In den Reihen der Feuerwehren auf den nachgeordneten Ebenen wurde der DFV bisher nur als Zusammenschluss der Landesverbände wahrgenommen. Ein wirklicher Bezug zur Arbeit des Verbandes war so gut wie kaum vorhanden.

Der DFV war und ist für die Arbeit der Feuerwehren ein wichtiger Vertreter bei Politik und Industrie. Hier werden die notwendigen Weichen gestellt. Dies zeigt, dass die Feuerwehren auf einen starken handlungsfähigen Verband auf Bundesebene angewiesen sind. Wenn es, wie nun geschehen, zu Differenzen in den Gremien kommt sollte es möglich sein, dies zeitnah und ohne persönliche Angriffe zu lösen. Leider kommt es, im Rahmen dieser Situation besonders in den sogenannten „sozialen Medien“, zu persönlichen Angriffen gegen die beteiligten Personen. In dem Streit geht es um die Frage, ob es „Verfehlungen“ des Präsidenten gab.

In dem Streit geht es um die Frage, ob es „Verfehlungen“ des Präsidenten gab. Fünf Vizepräsidenten haben in einer Sitzung am 10. November 2019 dem Präsidenten des DFV das Vertrauen entzogen und beschlossen die Gründe hierfür nicht öffentlich zu diskutieren. Es sollte vielmehr eine Verbandsinterne Klärung erreicht werden. Diese Beschlüsse wurden auf den Seiten der verschiedenen Landesfeuerwehrverbände dargelegt. Leider führte das Ansinnen die Gründe in den satzungsgemäß zuständigen Gremien klären zu wollen, nicht zum erhofften Erfolg. Dies führte zu einer unglaublichen Kampagne gegen die Vizepräsidenten, die allerdings überwiegend nur von einem Mitgliedsverband lanciert wurden.

Der Präsident des LFV Rheinland-Pfalz Frank Hachemer wandte sich nunmehr in einem offenen Brief an die Mitglieder und an die Öffentlichkeit. Hierin werden die Punkte, die zur Rücktrittsforderung führten, aufgelistet. Ziebs selbst, so Hachemer, habe den Vorwurf geschürt, dass es rechtsradikale Gesinnung in den Landesverbänden gebe. Ziebs sprach einem Interview mit der „Lausitzer Rundschau“ davon, dass der Geschäftsführer des LFV Rheinland-Pfalz, geäußert habe: „Wenn ihr Geld braucht, wendet euch an die AfD.“ Dieser Satz wurde vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen, so Hachemer in seinem Schreiben. Zum Vorwurf, dass er Präsident werden wolle, schreibt Hachemer: „Ich möchte nicht Präsident des DFV werden. Es geht nicht um Macht.“

Auszug aus den Gründen

Die Bundesgeschäftsführerin Müjgan Percin habe sich nicht aktiv beworben, sondern sei abgeworben worden. Dies habe Sie auf einer Sitzung des Präsidiums selber so geäußert.Außerdem sei sie ohne Zustimmung des Präsidiums eingestellt worden. Da zwei Frauen für diese Position zur Wahl standen ist auch der Vorwurf der „Frauenfeindlichkeit“ nicht haltbar. Der stellvertretende Geschäftsführer Rudolf Römer sei „faktisch“ entlassen worden. Dies ebenfalls ohne Beschluss des Gremiums. Ein Personalkonzept, das das Präsidium mehrfach eingefordert habe, sei bisher nicht vorgelegt worden.

Weitere Vorwürfe betreffen das Deutsche Feuerwehrmuseum das sich in Fulda befindet. Die Stadt Fulda und das Land Hessen haben Projekte entwickelt, die das Museum weiter aufwerten sollen. Gespräche mit der Senatsverwaltung wurden ohne Wissen des Präsidiums geführt. Ebenso unterblieb die Information der LFV und wurde erst im Juni 2019 nachgeholt. Auch die sogenannte „Brüssel Frage“ sei nicht geklärt. Diese Stelle, so die Vizepräsidenten, wurde seit Jahren gefordert, um in Brüssel die Deutschen Feuerwehren vertreten zu können. Dafür stellten LFV und die Bundesländer Gelder zur Verfügung. Die Vertragsunterzeichnung hierzu wurde im Feuerwehr-Jahrbuch 2018 auch Medienwirksam dargestellt.

Besetzt wurde aber dann eine Stelle, die die Normen-Entwicklung in für die Feuerwehr wichtigen Fragen beobachtet und in Stuttgart angesiedelt ist. Dieser Vertrag wurde dem Präsidium nicht vorgelegt. Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes hat zwischenzeitlich seinen Rücktritt zum 31. Dezember 2019 erklärt. Über die Lage des Verbandes und die Neubesetzung des Amtes wird eine Delegiertenversammlung am 4. April 2020 in Erfurt beraten und entscheiden. Hier wollen sich auch die Vizepräsidenten dem Votum der Delegierten stellen und, für die jeweils verbleibende Amtszeit, um Vertrauen werben. Ob sich einer der Vizepräsidenten zur Wahl zum Präsidenten stellt, ist noch nicht bekannt.

Sicher ist, dass dieses Gezerre und die gegenseitigen Vorwürfe zu einem Vertrauensverlust geführt haben. Es, so sind sich viele Insider einig, wird lange dauern das Ansehen des DFV wieder herzustellen. Besonders im Hinblick auf die bevorstehende Feuerwehrmesse „Interschutz“ in Hannover befürchten Verantwortliche einen Imageverlust. Ob der parallel geplante Deutsche Feuerwehrtag stattfindet, steht noch nicht fest.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.