Montag, 03.08.2020 17:19 Uhr

Gedanken zu Angelus Silesius

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 10.07.2020, 13:36 Uhr
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Wien [ENA] Die Mystik ist auch heute wieder ein großes Thema. Gerade die Reisemöglichkeiten der Nachkriegszeit haben im Westen einen Boom bei Mystiksuchenden ausgelöst. Die Sehnsuchtsorte vieler Religionshungriger waren oft buddhistische oder hinduistische Länder, in denen noch lebendige mystische Traditionen vermutet wurden. "Erleuchtungstourist*innen" reisten in Scharen in Ashrams, Yogazentren oder Meditations-Tempeln.

In Indien oder Asien wollten sie im Schnellkurs Erleuchtung lernen. Wenn das mit der Erleuchtung nicht so schnell klappte, wurden viele auf das nächste Leben verwiesen. Nicht viel anders war es vielleicht im 17.Jahrhundert zur Zeit Angelus Silesius, einer der wenigen, der es wahrscheinlich wirklich zu einem hohen Grad an mystischer Erfahrung gebracht hatte. Geboren 1624 in Breslau als Johannes Scheffler, studierte er in Straßburg Staatsrecht und Medizin. 1652 convertierte er zum Katholizismus und nahm den Namen Angelus an. In seiner Rechtfertigungsschrift kritisierte er insbesonderes die "freventliche Verwerfung der Mystik, die der Christen höchste Weisheit sei" und im dogmatischen Protestantismus sah er eine "Abgötterei der Vernunft"

Martin Luther nannte er einen "Luzifer, der statt himmlischen Lichts nur höllische Finsternis gebracht hatte."Angelus Silesius verschenkte sein ganzes Vermögen an Arme oder wohltätige Stiftungen und behandelte als Arzt mittellose Kranke unentgeltlich. Seine Schriften wie der "Cherubinische Wandersmann" sind eindringliche, gottverliebte, schönste Lyrik und zeugen von großer innerer Glückseligkeit. Er widmete sie dem Leser "zur Entzündung seines Herzens in göttlicher Liebe." Für Angelus und allen Mystiker*innen gibt es eben nichs Schöneres und Wichtigeres auf dieser Welt, als von Gottesliebe durchdrungen und erglüht zu sein. Nur dafür lohnt es sich zu kämpfen und so stellte er sich bedingungslos in den Dienst der Gegenreformation Schlesiens.

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