Dienstag, 16.12.2025 12:33 Uhr

Cleopatra und der Stand Nr. 7

Verantwortlicher Autor: Prof.Dr. Peter Schroeder Kitzbühel, 02.12.2025, 17:38 Uhr
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Weihnachtsmarkt Kitzbühel - noch ist die Krippe leer
Weihnachtsmarkt Kitzbühel - noch ist die Krippe leer  Bild: Schroeder

Kitzbühel [ENA] So ein Weihnachtsmarktbesuch ist eine multisensorische Erfahrung, der die Sinne anspricht und die Magie der Weihnachtszeit greifbar macht. Idealerweise ist der Tag sonnig, die Nacht klar und frostig. Für die Haut dagegen kann der Besuch Stress bedeuten,

wenn die Beanspruchung durch Kälte und Wind zu- und die hautschützende Talgproduktion der niedrigen Temperaturen wegen abnimmt. Da kommt der Stand Nr. 7 „Stutenmilch & Naturprodukte“ auf dem Christkindlmarkt in Kitzbühel gerade recht und den Besuchern fällt möglicherweise Cleopatra ein, die als letzter Pharao der makedonisch-griechischen Ptolemäern von 51 v. Chr. bis 30 v. Chr. über Ägypten herrschte. Cleopatra ist für ihre berühmten Liebesaffären mit zwei der mächtigsten Führer Roms bekannt: Julius Cäsar und Marcus Antonius, aber auch, und das soll hier Thema sein, für ihre Bäder in Esel- und/oder Stutenmilch.

Zeitzeugen sind sich, der Überlieferung nach, allerdings nicht ganz einig, ob es nicht doch ausschließlich Eselsmilch gewesen sei, und Cleopatra nur in Ausnahmefälle auf die Milch von Stuten zurückgegriffen habe. Weiteren Berichten zufolge badete sie in einer Mischung aus beiden. Andererseits scheint es jedoch so, dass es keinen authentischen antiken Text gibt, der bestätigt, dass Cleopatra überhaupt in Eselsmilch gebadet haben soll. Historiker vermuten einen modernen Mythos, der aus dem berühmten Film „Cleopatra” von 1963 mit Elizabeth Taylor entstanden sein soll. Dagegen sind in medizinischen Schriften, die aus der Antike überliefert wurden,

sechs Fragmente griechischer Prosa von Cleopatra (mit der Einschränkung, dass es sich um eine Namensvetterin handeln könne) erhalten geblieben. Vier davon stammen angeblich aus ihrem Werk namens „Kosmetik” und werden von Galen von Pergamon (129–210 n. Chr.) zitiert. Die beiden anderen Fragmente, von denen eines von Aetius und das andere von Paulus von Ägina zitiert wird, sollen ebenfalls aus diesem Werk stammen. Aetius behauptet, dass die von ihm zitierte Autorin Cleopatra VII. Philopator Philopatris, so ihr vollständiger Name, sei. Seither gilt sie als „Königin der Dermatologie.

Anwendung fanden diese Konzepte bei Poppaea Sabina, der zweiten Frau des römischen Kaisers Nero, die Plinius der Ältere in Eselsmilch baden ließ und der nicht vergaß, zu erwähnen, dass für die jeweilige Wannenfüllung der hochherrschaftlichen Damen die Milch von 500 Eselinnen vonnöten war, was, wie es sich wissenschaftlich gehört, unter anderen vom römischen Senator und Historiker Cassius Dio bestätigt wurde.

In der Jetztzeit wäre es wahrscheinlich auch für Königinnen schwierig, entsprechende Mengen an Milch zu erhalten, vom Aufschrei von Naturschützer*Innen und Veganer*Innen ganz zu schweigen. Die Population europäischer Esel, vor 5000 Jahren domestiziert und in der Vergangenheit unverzichtbar in der Landwirtschaft, ging bis vor 40 Jahren deutlich zurück. Sie verloren ihren Arbeitsplatz als genügsame Last- und Zugtiere. Heute dagegen stehen Esel als Milchvieh wieder hoch im Kurs. Vielerorts wurden Eselsgestüte gegründet. Der älteste derartige Betrieb findet sich seit 1995 in Frankreich am Fuße der Pyrenäen.

Der Eselbauer Olivier Campardou kaufte Esel, lernte Seife herzustellen und seine Körperpflege- und Kosmetik-Linien wurden ein internationaler Erfolg. Der Preis für einen Liter Eselsmilch ist mit knapp 200€ hoch. Die Eselinnen geben im Durchschnitt 1-2 Liter Milch pro Tag. Da scheinen Pferde die deutlich geeigneteren Milchlieferanten zu sein. Die Milchleistung der Stute zählt zum „Hochleistungssport”.

In den sechs Monaten, in denen das Fohlen üblicherweise bei der Stute verbleibt, kann sie bei ca. 600 kg Eigengewicht insgesamt zwischen 2.500 und 3.000 kg Milch produzieren, wobei die Milchmenge nicht jeden Tag gleich hoch ist. Nach dem Absetzen des Fohlens versiegt die Milchproduktion der Stute, da der Reiz durch das Fohlen nicht mehr vorhanden ist. Stutenmilch wird, anders als Kuhmilch, in Europa zumeist nicht in flüssiger Form angeboten. Daher sei zum Geschmack nur so viel gesagt: Nicht nur die Menge variiert von Tag zu Tag, sondern auch der Gehalt an wertvollen Inhaltstoffen wie Energie, Eiweiß, Vitaminen, Mineralien- und Spurenelementen. Im Prinzip seien die Inhaltsstoffe immer gleich, lediglich die Fütterung würde Sensorik und

Geschmack leicht verändern, so sagen Stutenmilchbauern. Stutenmilch schmeckt süß und wässrig, was damit zusammenhängt, dass der Geschmack von Kuhmilch vertraut ist und diese einen höheren Trockensubstanzgehalt hat, wo durch der „wässrige“ Geschmack der Stutenmilch erklärt ist. Ebenso ist der Fettgehalt der Kuhmilch höher. Stutenmilch schmeckt süßer durch den höheren Gehalt an Milchzucker.

Priorität beim Melken hat das Fohlen. Während des Melkens hat jedes Fohlen Sicht- und Körperkontakt zu seiner Mutter und nur Stuten, die ein Fohlen bei sich haben, können gemolken werden. Das Melken beginnt erst, wenn das Fohlen mindestens vier Wochen alt ist. Gemolken wird nur die Milch, die nach dem Trinken des Fohlens übrig bleibt. Das Melken erfolgt ein- bis dreimal täglich. Nach jedem Melkvorgang wird die Milch sofort eingefroren. Nur so lässt sich die Haltbarkeit garantieren. In manchen Betrieben wird die gekühlte Milch in Portionsbeutel verpackt und schockgefroren und kann nach Erhitzung im Wasserbad getrunken werden. Andere verarbeiten die Milch zu Pulver, Kapseln oder Naturkosmetik.

Allen Zubereitungsformen gemeinsam sind die für die Hautgeneration notwendigen Mineralstoffe und Vitamine. Vitamine schützen die Haut vor freien Radikalen, die eine Hautalterung verursachen. Die Kombination aus Milchfett, Milchsäure und B-Vitaminen hilft Feuchtigkeit zu speichern und vermittelt eine glattere Haut. Anwendungsgebiete finden sich in der Säuglings- und Frühgeborenenernährung, mit der Indikation einer hypoallergenen Nahrung, Hauterkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden oder rheumatischen Beschwerden. Für den therapeutischen Nutzen sind Inhaltsstoffe wie Cholin, Vitamin C, E und D, Lecithin, Zink sowie die Vitamine B6 und B12 verantwortlich. Diese wirken einzeln oder gemeinsam antioxidativ und erhalten so das Zellschutzsystem.

Cleopatras Wunsch war nicht nur eine zarte, faltenfreie Haut, sondern auch die Umsetzung dieser Idee. Sie pflegte ihre Haut vermutlich mit einem Bad in saurer Milch, die von Natur aus Milchsäure enthält, eine natürlich vorkommende AHA (α-Hydroxysäure). Darauf folgten zahlreiche weitere Ansätze zur Hautpflege. Erst im 19. Jahrhundert erkannte Ferdinand Ritter von Hebra, der Vater der modernen Dermatologie, die kosmetische und dermatologische Bedeutung chemischer Peelings. Er verwendete Kombinationen aus Jod, Blei, Crotonöl und sogar Salzsäure als Peelingmittel. Später beschrieben die deutschen Dermatologen Saalfeld und Unna die Wirkung von Phenol bei der Behandlung von Sommersprossen, Falten und Aknenarben.

Unna leistete zudem Pionierarbeit auf dem Gebiet der Salicylsäure, die später als β-Hydroxysäure identifiziert wurde und eine weitere wichtige Gruppe von Peelingmitteln darstellt. Diese frühen Lösungen ebneten den Weg für moderne Peelingmittel wie Trichloressigsäure und AHA, die heute vor allem für oberflächliche Peelings eingesetzt werden. Chemische Peelings haben sich seit den Milchbädern im alten Ägypten stark weiterentwickelt. Heutzutage stehen geschulten Ärzten zielgerichtete Behandlungen zur Verfügung. Die Schönheit der Haut hängt nicht mehr ab von einem Bad in einer Wanne voller saurer Milch.

Stutenmilch wird weltweit von etwa 30 Millionen Menschen konsumiert. In Ländern Asiens und Osteuropas dient sie vor allem als Grundlage für fermentierte Produkte wie Koumiss, Airag oder Chigee. Dabei handelt es sich um alkoholische Getränke, die durch die Kultivierung von Bakterien und laktosefermentierenden Hefen entstehen. In den westlichen Ländern wächst das Interesse an Pferde- (Equus caballus) und Eselsmilch (Equus asinus) für den menschlichen Verzehr sowie für medizinische und kosmetische Produkte. Dies liegt an ihrer besonderen Zusammensetzung, Hypoallergenität und nutrazeutischen Eigenschaften.

Die Verwendung dieser Milch als Lebensmittel bietet eine realistische Perspektive für ausgewogene Ernährungsweisen, insbesondere für Säuglinge und ältere Menschen. Der Autor dankt der Firma Bio Stutenmilch & Naturprodukte KG in 8443 Gleinstätten/Österreich, Betreiberin des Standes Nr.7 auf dem Christkindlmarkt in Kitzbühel, für die fachliche Beratung bei der Stutenmilcherzeugung und der Herstellung entsprechender Präparate.

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