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Catawiki Auktion – Konkurrenz für Ebay ? 09.06.2024

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Amsterdam, 09.06.2024, 15:28 Uhr
Kommentar: +++ Special interest +++ Bericht 2449x gelesen
Online kann man quasi alles verkaufen
Online kann man quasi alles verkaufen  Bild: Stefan Schweihofer / Pixabay.de

Amsterdam [ENA] Viele Onlineverkäufer in Deutschland kennen diese Plattform noch gar nicht, denn der Sitz ist in Amsterdam, Niederlande. Jedoch ist Catawiki durchaus eine nennenswerte Auktionsplattform, die jedoch völlig anders funktioniert als Ebay, und auch deutlich teurer ist.

Heute möchte ich mal als langjähriger Nutzer der Catawiki Auktionsplattform und auch Ebay ein paar Worte darüber verlieren, denn leider sind meine Eindrücke unterschiedlicher Art. Catawiki, das ist eine niederländische Auktionsplattform, die im Unterschied zu Ebay Auktionen von Händlern und Privatpersonen aus der ganzen Welt beheimatet. Dadurch hat der Kunde eine noch größere Auswahl auf Produkte und eben auch auf seltene Dinge, die bei Ebay nicht zu finden sind. Denn bei Catawiki werden im Vergleich zu Ebay auch sehr viele hochpreisige wertige Gegenstände wie Schmuck, Diamanten, Autos, Antikes u.ä. angeboten. Aber es ist nicht so einfach, bei Catawiki Verkäufer zu werden.

Alle Produkte, die man anbieten will, werden vorher von einem Experten geprüft und der entscheidet, ob die dann zur Auktion zugelassen werden. Ist das der Fall, wird das Produkt einer Kategorie zugeordnet und mit vielen anderen Produkten der Kategorie eingestellt. Das bedeutet, es kann sein, daß ein Produkt gerade nicht angeboten werden kann, weil zu wenig weitere Produkte aus dieser Kategorie angeboten werden bzw. weil gerade eine Kategorie online ist. Theoretisch können sie als Verkäufer den Preis bestimmen und wie bei Ebay ein Mindestgebot festlegen, allerdings ist ein Schätzwert des Produktes bereits für mögliche Käufer zur Orientierung hinterlegt, wenn der Verkäufer also verkaufen will, sollte er sich darunter bewegen.

Nach einem Kauf ist es erst einmal wie bei Ebay. Sie bekommen eine Aufstellung der/des gekauften Artikels und die Kosten, die zu überweisen sind. Und da gibt es dramatische Unterschiede zu Ebay. Denn durch die Tatsache, das sehr viele internationale Verkäufer bei Catawiki unterwegs sind, sind schnell Versandkosten von 20 – 40 Euro fällig, häufig aber über 10 Euro, selbst innerhalb Deutschlands. Im Vergleich zu Ebay kann hier der Verkäufer frei die Kosten bestimmen und wird nicht wie bei Ebay in seine Grenzen gewiesen, wenn er utopische Kosten einträgt. Aber das ist nicht alles: Seit einiger Zeit hat Catawiki einen sogenannten Käuferschutz, wohl ähnlich dem von Ebay, eingeführt.

Aber nicht gratis wie bei Ebay, sondern mit einem kräftigen Aufschlag auf die Ware. Und das ist nicht das einzigste, was aufgeschlagen wird. Ein aktuelles Beispiel: Ich bestelle eine Vase, die ich für 70 Euro ersteigere. Dazu kommen die Käuferschutzprovision in Höhe von 9 % des Kaufpreises zuzüglich 3 Euro. Catawiki nennt das allen Ernstens eine geringe Gebühr, im Verhältnis zum Auktionspreis unverschämt. Nach eigenen Angaben ist diese Gebühr immer 9 % + 3 Euro, unabhängig vom Kaufpreis. Aber damit nicht genug. Zusätzlich werden bei Paypal – Zahlung, was sicherlich häufig genutzt wird, nochmals 1.5 % + 0.56 Cent bei dem Beispiel von 70 Euro fällig.

Wer jetzt denkt, endlich am Ende zu sein, der täuscht sich gewaltig: Denn der Verkäufer will ja auch noch seinen Versand bezahlt haben, da werden in diesem Fall nochmals 15 Euro fällig. Das bedeutet in meinem konkreten Fall: Aus 70 Euro Auktionsgewinn werden am Ende eine Zahlsumme von 96.27 Euro. Und das muß man beachten, das ist eine gefährliche Hürde bei Catawiki, günstig an Waren zu kommen. Die Versandkosten können vorab eingesehen werden, aber die ganzen Aufschläge werden ja erst am Ende berechnet, wer denkt denn schon daran, bei einem Auktionsgewinn von 1000 Euro nochmal über 100 Euro Gebühren dazurechnen zu müssen ?

Wofür werden diese hohen Gebühren von 9 % + 3 Euro verwendet ? Nach der Information der Webseite für die Haltung des hohen Qualitätsstandards, für die Experten und für Zahlungssicherheit. Ach so, ich als Kunde zahle also quasi die Personalkosten der Experten, das mein Geld auch da ankommt wo es hinsoll und die Arbeiten an der Plattform, also wieder Personal. Ist doch toll. Wenn das Ebay machen würde, hätten die innerhalb von kürzester Zeit einen dramatischen Kundeneinbruch. Denn wie Käufer und private Verkäufer von Ebay wissen: Es gab ja schon einmal die Gebühreneinführung nach Jahren der kostenfreien Einstellungen, das kam bei den Kunden gar nicht gut an und schließlich wurde das Ganze wieder eingestampft.

Heutzutage sind für Privatkunden das Einstellen und Verkaufen kostenlos. Und das ist gut so, denn inzwischen greift ja das Finanzamt auf die Daten zu und will die Privatkunden mit Steuernachzahlungen wegen klammer Kassen zur Kasse bitten. Aber zurück zu Catawiki. Die Probleme fangen jetzt erst an. Neben der Gebührengeschichte gibt es nämlich noch andere Hürden. Beispielsweise kaufen sie beim gleichen Verkäufer am gleichen Tag 2unterschiedliche Produkte. Jedes hat Versandkosten von 25 Euro, weil es z. B. aus Spanien geliefert wird. Jeder normale Käufer würde jetzt denken, klar, die Sachen passen beide in eine Sendung, also insgesamt 25 Euro Versand. Falsch gedacht.

Offensichtlich ist es, selbst wenn der Verkäufer bei der Auktion verspricht, nur einmal Versandkosten, so, das die Sendungen aus Catawikiinternen Gründen 2x mit Versandkosten belegt werden und der Käufer plötzlich 50 Euro bezahlen soll. Selbst erlebt, als ich den Verkäufer kontaktierte, schrieb dieser mir, das hätte Catawiki so auf der Rechnung an ihn veranschlagt, er könne dagegen nix machen. Zweiter Fall. Sie haben oder bekommen einen Gutschein von Catawiki, den sie aus Kulanz, auf einer Messe oder aus einer Aktion heraus erhalten haben. Dieser verspricht einen gewissen Kostenabzug vom Auktionspreis, der natürlich nicht kleiner sein darf als der Abzugsbetrag.

Doch das garantiert noch lange keine Einlösung, denn obwohl dazu auf dem Gutschein keine Angaben gemacht werden, gibt es plötzlich einen Mindestauktionsbetrag, den sie erreichen müssen oder eine Kategorie ist für den Gutschein nicht zulässig. Das erfahren sie aber erst wenn die den Gutschein verwenden – wenn sie Glück haben; meist wird der Grund der Ablehnung nicht angezeigt. Jetzt könnte man denken, okay, die haben ja einen Kundendienst. Ja wenn sie in Amsterdam anrufen wollen. Aber natürlich können sie über ein Kontaktformular ihr Problem schildern. Ich sage ihnen gleich, mit Deutsch kommen sie dort, obwohl viele deutsche Käufer und Verkäufer die Plattform verwenden, nicht weiter.

Das habe ich mehrfach erfahren müssen. Zu Beginn kommt immer die lapidare automatische Antwort, man würde innerhalb von 2 Tagen eine Nachricht bekommen. Doch dann dauert es trotz Nachfrage nach 3 Tagen trotzdem eine Woche, bis man Achtung: Eine Email erhält, in der Catawiki mitteilt, sie hätten mein Anliegen nicht verstanden, dabei war das ganz klar. Aber was sie können: Jeden Tag eine Mahnung über eine Zahlungsaufforderung senden, obwohl ja der Fall erst einmal geklärt werden muß. Und wenn sie auf die Mahnungen nicht reagieren, dann geht es nach einer Woche so weiter: Sie bekommen eine Email, bei der ihnen angedroht wird, das die Auktion storniert wird.

Sie hätten aber dann die Käuferprovision in jedem Fall zu zahlen. Keine Ahnung, was die damit meinen, ich habe einfach nicht mehr reagiert und die Auktion, um die es bei mir ging, ist heute noch nach fast 3 Wochen, offen. Zwischenzeitlich hatte ich über Internet die Kontaktdaten des Verkäufers herausbekommen, weil es ein belgischer Händler war, und diesen direkt über die Probleme informiert. Aber auch dieser hat sich weder gemeldet noch die Auktion storniert oder Catawiki zur Problemlösung kontaktiert. So what.

Fazit: Catawiki ist eine Auktionsplattform, in der sie insbesondere durch weltweite Händler Dinge ersteigern können, an die sie normalerweise nicht kommen. Aber sie haben hohe Handlingskosten, ausserhalb von Europa ja auch noch Zollgebühren, die insgesamt das Produkt deutlich verteuern. Wer also diese ganzen Preisaufschläge in Kauf nimmt und der Kundenservice egal ist, der kann dort uneingeschränkt kaufen oder auch verkaufen. Denn bei Problemen hat der Kundenservice wenig mit einem Ebay Kundenservice, der wirklich einer ist, zu tun.

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