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Ein Däne in Thanjavur

Verantwortlicher Autor: Prof Dr Peter Schroeder Thanjavur, 07.03.2026, 19:12 Uhr
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Die "europäische" wirkende Skulptur “ im Brihadeeswarar-Tempel
Die "europäische" wirkende Skulptur “ im Brihadeeswarar-Tempel   Bild: Schroeder

Thanjavur [ENA] Wer ihn sehen will, muss ihn suchen. Und selbst, wer ihn gefunden hat, weiß immer noch nicht, wer er ist. Es geht um die Statue eines „Dänen“ im Brihadeeswarar-Tempel im südindischen Thanjavur. Thanjavur ist heute eine Stadt mit etwa 250.000 Einwohnern im Mündungsdelta des Kaveri-Flusses.

Der Ort liegt und 300 km südlich von Chennai (bis 1996 Madras) in der Provinz Tamil Nadu. Vom 9.-11. Jahrhundert, dem Zeitraum, der für den Dänen eine Rolle spielt, war Thanjavur die Hauptstadt des Chola-Reiches, des bedeutendsten Königreiches in Südindien während des Mittelalters. Der gefeierte Savia-Tempel, auch Brihadeeswarar und Daksinameru genannt, ist ein, wenn nicht das großartigste Bauwerk des Chola-Kaisers Rajaraja (985- 1012 n.Chr.) und wurde von ihm selbst in seinem 19. Regierungsjahr (1009-1010 n.Chr.) eingeweiht und zunächst nach ihm Rajesvera Perucudaiyer benannt.

Er gilt als der ambitionierteste aus Granit erbaute Tempel und als „Meilenstein in der Entwicklung der Baukunst in Südindien“. Sein Vimana, sein horizontal mehrfach gestufter Turm ober halb des Heiligtums Garbhagriha, dem innersten Heiligtum eines indischen Tempels, wird als „Prüfstein der gesamten indischen Architektur“ angesehen.Der Tempel befindet sich in einem weitläufigen inneren Prakara, der sich von Ost nach West über 241Meter und von Nord nach Süd über 122 Meter erstreckt. Der Tempelkomplex folgt dem klassischen Grundriss eines südindischen Shiva-Tempels mit einer zentralen Achse, die vom Gopuram, dem Eingangstor über den Nandi-Pavillon zum Vimana, dem Hauptturm führt.

An diesem finden sich lebensgroßen ikonografische Darstellungen in den Wandnischen der Göttinnen und Götter mit den Namen Durga, Lakshmi, Sarasvati und Bhikshatana, Virabhadra, Kalantaka, Natesa, Ardhanarisvara sowie Alingana-Formen von Shiva. Wenn der Besucher und auch die Besucherin sich von der Hälfte des Rundganges ermattet auf einen Vorsprung des Subrahmanya-Schreins setzt und die bloßen Füße, die Schuhe befinden sich in einem Stoffbeutel am Eingangstor zur Verwahrung, ausstreckt und seinen Blick über die Nordwand des Vimana schweifen lässt, erblickt er im linken unteren Drittel eine ungewöhnliche Figur, die sogar nicht in die Umgebung der Durga, Lakshmi, Sarasvati oder Bhikshatana passen mag:

einen rundgesichtigen, glattrasierten Mann, der die Arme verschränkt hat, auf dem Kopf einem Hut mit Krempe. Er ist so natürlich in die Umgebung eingefügt, dass man unwillkürlich denkt, er sei zur Chola-Zeit, also um 1010 n. Chr., in die Umgebung eingefügt worden. Gleichzeitig fragt man sich, welche Europäer sich zu dieser Zeit in dieser Region aufgehalten haben könnten, um als Vorbild zu dienen. Wahrscheinlicher ist jedoch die Angabe, dass die Figur während der Nayak-Periode im 17. Jahrhundert hinzugefügt wurde.

König Thirumalai Nayak, der der gleichnamigen Periode ihren Namen gab, regierte von 1623 bis 1659 im ebenfalls in Südindien gelegenen Madurai. Sein größtes Bauwerk ist der Thirumalai Nayak Palast und liess ihn als großen Förderer von Kunst und Architektur in die Geschichte eingehe, wobei dieser Palast indo-islamische, drawidische und europäischen Architekturstile vereinigt.

Zurück zum Dänen im Brihadeeswarar-Tempel. Eine Theorie zu ihm besagt, dass die Figur während der erwähnten Nayak-Dynastie installiert wurde. Sie soll Roland Crappè darstellen. Der, Holländer, war wiederum Handelsdirektor der neu gegründeten Dänischen Ostindien-Kompanie und befand sich an Bord der Øresund, des ersten Schiffes einer kleinen dänischen Armada vier Schiffen. Nach einer strapaziösen 18-monatigen Seereise um Afrika kaperte Crappè in den Gewässern zwischen Indien und Sri Lanka einige portugiesische Schiffe, was zu heftigen Vergeltungsmaßnahmen führte. Die portugiesische Marine versenkte die Øresund und hängte den Großteil ihrer Besatzung. Kapitän Crappè gelang zusammen mit 12 Überlebenden dank eines lokalen Fischers die Flucht.

Zurück zum Dänen im Brihadeeswarar-Tempel. Eine Theorie zu ihm besagt, dass die Figur während der erwähnten Nayak-Dynastie installiert wurde. Sie soll Roland Crappè darstellen. Der, Holländer, war wiederum Handelsdirektor der neu gegründeten Dänischen Ostindien-Kompanie und befand sich an Bord der Øresund, des ersten Schiffes einer kleinen dänischen Armada vier Schiffen. Nach einer strapaziösen 18-monatigen Seereise um Afrika kaperte Crappè in den Gewässern zwischen Indien und Sri Lanka einige portugiesische Schiffe, was zu heftigen Vergeltungsmaßnahmen führte. Die portugiesische Marine versenkte die Øresund und hängte den Großteil ihrer Besatzung. Kapitän Crappè gelang zusammen mit 12 Überlebenden dank eines lokalen Fischers die Flucht.

Sie landeten in Thanjavur, wo Crappè schließlich den Herrscher Raghunatha Nayak traf. Die Dänen konnten einen Handelsstützpunkt nahe Tharangampadi (Tranquebar) nördlich von Thanjavur errichten, der zwischen 1620 und 1845 eine dänische Kolonie repräsentierte. Eine zweite Theorie besagt, dass der ursprüngliche Bildhauer die zukünftigen Herrscher von Thanjavur vorhergesehen habe. Während der Karnatischen Kriege, in denen Briten und Franzosen um die Vorherrschaft in Indien stritten, hatten die Franzosen die Stadt zunächst besetzt, ehe England 1773 die Region besetzte, die bis zur indischen Unabhängigkeit 1847 unter britischer Kolonialverwaltung stand.

Zu guter Letzt besagt eine allerdings nicht bewiesene Theorie, dass die Figur den Venezianer Marco Polo darstellen soll. Während seiner zweijährigen Rückreise über den Indischen Ozean von China nach Hause soll Marco Polo im Jahr 1292 an der Koromandelküste Indiens an. Er soll das Königreich der Tamil Pandyas in der Nähe von Tanjore, dem heutigen Thanjavur, betreten haben. Wer nun wem für den Mann, der dem Brihadeeswarar-Tempel auch den englischen Namen „Danish Hat Temple“ gab, Modell gestanden hat, muss wohl offen bleiben. Der Däne, der auch ein Holländer gewesen sein könnte, gibt Gelegenheit, die wechselvolle Geschichte Indiens, insbesondere die der Provinz Tamil Nadu, Revue passieren zu lassen.

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