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Bethlehem

Verantwortlicher Autor: Theo Goumas Bethlehem, 23.03.2023, 11:06 Uhr
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Geburtskirche
Geburtskirche  Bild: Theo Goumas

Bethlehem [ENA] Für gläubige Christen ist eine Reise nach Israel und dem Westjordanland ein Muss. Aber auch wer nicht Gläubig ist, wird eine Reise dahin sehr interessant finden. Bethlehem als Geburtsort Jesu steht natürlich ganz hoch auf der Liste der zu besuchenden Orten. Ein Bericht für Individualtouristen.

Bethlehem ist eine wichtige historische Stadt im Westjordanland, etwa 10 km südlich von Jerusalem. Bethlehem, oder beit lechem, bedeutet auf Hebräisch „Haus des Brotes“. Während der Weihnachts- und Osterzeit pilgern Christen aus aller Welt zur Geburtskirche, um den Ort zu sehen, an dem Jesus geboren wurde. Rachels Grab befindet sich am nördlichen Eingang, außerhalb der Mauer von Bethlehem und ist eine wichtige jüdische heilige Stätte. Im Alten Testament wird Bethlehem als die Stadt genannt, aus der David stammte und in der er zum ersten König von Israel gekrönt wurde. Egal, ob Sie sich für die Geschichte, die Religion oder die Kultur der Stadt interessieren, es ist auf jeden Fall ein faszinierender Ort, den Sie besuchen sollten.

Die früheste Erwähnung von Bethlehem stammt aus dem Jahr 1400 v. Chr., und zwar auf Tontafeln, die aus diplomatischer Korrespondenz aus dem alten Ägypten bestehen. Die frühe christliche Tradition besagt, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde. Ein Vers spricht von der Prophezeiung, dass der Messias in Bethlehem geboren werden würde. Im Neuen Testament gibt es zwei verschiedene Berichte über die Geburt Jesu: Im Lukasevangelium lebten die Eltern Jesu in Nazareth und reisten nach Bethlehem, wo Jesus geboren wurde, und kehrten dann nach Nazareth zurück. Im Matthäus-Evangelium erfährt König Herodes, dass in Bethlehem ein König der Juden geboren wurde, und befiehlt die Ermordung aller Jungen unter zwei Jahren, das Massaker an den Unschuldigen.

Von einem Engel des Herrn gewarnt, flieht Joseph mit seiner Familie nach Ägypten, um das Leben des Jesuskindes zu retten. Abgesehen von diesen bekannteren Geschichten hat Bethlehem auch historische Verbindungen zu vielen anderen Epochen und Völkern im Laufe der Geschichte. Die Orte der Geburt und des Massakers kann man heute besuchen und nicht selten sieht man gläubige Christen, wie sie zu Boden fallen und weinen. Da diese Plätze sehr gut besucht sind, sollte man sich als Individualtourist viel Zeit nehmen, um den richtigen Augenblick zu finden, wo weniger los ist, sonst steckt man inmitten einer oder mehrerer Reisegruppen fest, was recht ungemütlich sein kann.

Wenn Bethlehem auf der Liste der zu besuchenden Orten steht, sollte man sich als Individualtourist auf einiges gefasst machen. Israel hat nur zwei Flughäfen, einen in Tel Aviv und einen in Eilat. Visum wird nach der Landung für 90 Tage ausgestellt. Mittlerweile geschieht das am Automaten. Wenn sich an den Automaten am Gang an dem man rausgekommen ist, lange Schlangen gebildet haben, probieren Sie einfach den Gang daneben. Wenn Sie das Visum erhalten haben, passieren Sie eine Kontrolle, wo Sie es herzeigen müssen. Wenn Sie ein Visum vom letzten Besuch, der nicht länger als 90 Tage zurückliegt, haben, können Sie sich das An- und Ausstellen sparen. Auch die anschließende Kontrolle können Sie umgehen.

Wer aber kein Visum hat, der muss nach Erhalt dessen zum Schalter, Reisepass und frisch erstandenes Visum vorzeigen und einige Fragen beantworten. Diese wären ob Sie schon mal da waren, wohin Sie gehen, aus welchen Grund sie da sind, wie lange Sie bleiben. Danach folgen weitere Kontrollen, ehe es zu den Gepäckbändern geht. Wenn man da durch ist, sollte der erste Gang zum Geldautomaten erfolgen und der zweite zum Touristenschalter daneben, denn dort kauft man sich eine aufladbare Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Die 5 Schekel für die Karte muss man Bar entrichten, das Aufladen (empfohlen werden 100 Schekel, weil es nicht überall möglich ist die Karte aufzuladen) geht auch mit Kreditkarte.

Da in Israel und Westjordanland nur Bares Wahres ist, sollte man so viel Geld wie möglich abheben oder an der Wechselstube umtauschen. Mit der Revolut Metal (https://revolut.com/referral/theodozqwa - Link kopieren und einfügen, falls er nicht geht) hat das Abheben nichts gekostet. Ansonsten gilt, fürs Abheben immer einen Automaten bei einer Bank aufsuchen und keinen, den man in Einkaufszentren oder auf der Straße findet, benutzen, denn die Verlangen heftige Gebühren. Kreditkarten werden zwar akzeptiert, aber viele Läden und Restaurants verlangen eine Gebühr um die 2,5%. Ausländische Währungen, wie US-Dollar und Euro werden auch angenommen und im besten Fall bekommt man das Wechselgeld in der gleichen Währung.

Vom Flughafen Tel Aviv geht's mit dem Zug nach Jerusalem. Tagsüber fährt alle halbe Stunde ein Zug. Die Fahrt dauert 20 Minuten, es ist bloß eine Station und kostet 18 Schekel, zahlbar mit der zuvor erstandenen Karte. In Jerusalem angekommen, hat man ein paar Möglichkeiten. Diese wären: ein Israelischer Taxifahrer, der einen bis zu einem Checkpoint bringt, aber nicht nach Bethlehem rein darf, da die Stadt unter palästinensischer Kontrolle liegt, oder einen palästinensischen Fahrer finden (viel Glück und Spaß dabei), der einen bis ans Hotel fährt oder man nimmt den Stadtbus, was die bessere Variante ist.

Je nach Tag und Uhrzeit gibt es verschiedene Optionen, aber fast immer mit Umsteigen. Nur der 163er Bus fährt bis zum Checkpoint 300, aber nicht rein nach Bethlehem. Da gerade um den Bahnhof gebaut wird, ist es schwierig die entsprechende Haltestelle zu finden. Google Maps und Rome2Rio helfen mit den Busverbindungen weiter. Google Maps erwähnt den 163er nicht, Rome2Rio dagegen schon. Samstags fahren tagsüber keine israelischen Stadtbusse und freitags ist der Fahrplan ausgedünnt. Da sollte man schauen, dass man zum Damaskus Tor kommt und von dort einen der palästinensischen Busse nimmt, die dann, wie der 231er, rein nach Bethlehem fahren, ansonsten heißt es am Checkpoint aussteigen und zu Fuß über die „Grenze“.

Wenn man am Checkpoint 300 ausgestiegen ist, geht man durch eine Schleuse, danach durch einen langen Korridor und einer zweiten Schleuse. Auf palästinensischer Seite stehen Taxifahrer, die einen sofort anfallen und diverse Geschichten erzählen, wie z.B. es ist sehr weit bis ins Zentrum, man kann nicht zu Fuß dahin, Google sagt es wären 2km, aber in Wahrheit sind es 7, man braucht über eine Stunde zu Fuß, usw. Außerdem bieten sie für die Fahrt zur Unterkunft, auch kleine Touren über die Sehenswürdigkeiten, die etwas außerhalb liegen, zu horrenden Preisen an und wenn man abweisend reagiert, gehen sie mit dem Preis runter. Die Wahrheit ist, man kann es laufen, es sind nur 2km, aber der Weg ist hügelig.

In Bethlehem gibt es von Gasthäusern bis hin zu teuren Hotels alles was man sich wünscht. Man kann neben der Geburtskirche wohnen oder weiter weg. Manche Häuser rechnen in Euro, USD, Schekel oder auch Jordanische Dinnar ab. Da es Moscheen und Kirchen in der Stadt gibt, sollte man Ohrenstöpsel dabei haben, wenn man schlafen möchte, sonst weckt einen der Muezzin im Morgengrauen und 2 Stunden später das Kirchengeläut auf. Eine richtige Reisezeit gibt es nicht wirklich, weil immer Hochbetrieb herrscht. Man kann jedoch Weihnachten und Ostern meiden und den heißen Sommer sollte man sich auch schenken, zumal es im Sommer auch zu Wasserknappheit und Stromausfällen kommen kann.

Zum Einkaufen gibt es sehr viele Läden, die alles Mögliche verkaufen, nur sollte man bereit sein hart zu verhandeln, wenn man nicht aufs Ohr gelegt werden möchte. Shisha-Raucher werden große Augen machen, denn hier gibt es frischen Tabak, 250gr zu ca. 9 Euro, der lose verkauft wird und wunderbar duftet. Wenn der Magen knurrt, kann man das Restaurant Afteem an der kleinen Straße die vom Manger Platz runterführt und Google sie nicht kennt, ansteuern. In den verschiedenen Reiseführern wird das Restaurant hochgelobt und soll das beste für lokale Küche sein. Schlecht ist es nicht. Die Auswahl ist eher mager und so manches Gericht kommt vom Laden nebenan. Schauen Sie mal wohin der Kellner nach der Bestellung geht. Sie werden sich wundern.

Afteem ist ein wunderschönes, familiengeführtes Restaurant und kann an manchen Tagen bzw. Uhrzeiten, sehr geschäftlich sein. Das Essen schmeckt, liegt im mittleren Preissegment, kann vom Laden nebenan stammen und bezahlt wird in Bar. Der alter Herr an der nicht vorhandenen Kasse, schaut sich die Zettel mit der Bestellung an, rechnet den Preis am Taschenrechner, nimmt das Geld, wirft es in eine Schublade und gibt Wechselgeld raus. Ganz wie in alten Zeiten. Auch hier gilt die goldene Devise: am besten schmeckt's, da wo die Einheimischen essen. Und davon gibt es einige Orte. Überall gibt es Hummus, Falafel, Gemüse, Reis, Hähnchen, Pitabrot, etc. Fischliebhaber schauen in die Röhre, denn es wird nirgends angeboten.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Geburtskirche Jesu, die Kirche der Heiligen Katharina direkt daneben, wo die Knochen der getöteten Kinder gebracht worden sein sollen, Milk Grotto eine Straße weiter, die Omar Moschee am Manger Platz direkt gegenüber der Geburtskirche, The Walled Off Hotel von Banksy, mit Museum und Galerie direkt an der Mauer, das Aida Flüchtlingscamp, die Mauer, die die Israelis errichtet haben und voller Graffiti ist, diverse Kirchen, Moscheen, der Markt im Zentrum, u.v.m. Da die Stadt auf Hügeln gebaut ist, sollte man einigermaßen fit sein. Das Grab von Rachel liegt außerhalb der Mauer und ist schwer zu erreichen. Am besten man geht zu Fuß durch den Checkpoint 300 und nimmt den 163er Bus und genauso zurück.

Die Stadt ist für hiesige Verhältnisse mit knappen 30.000 Einwohnern, ziemlich groß und auf mehrere Hügel verteilt. Da es keine Stadtbusse gibt, braucht man ein Auto, ein (elektrisches) Fahrrad, Taxi oder man ist gut zu Fuß. Die Architektur ist wunderschön und unterscheidet sich stark von der Israels. Man merkt sofort, dass man in einem arabischen Land ist. Man spricht Arabisch, das Essen ist arabisch, die Leute sind locker drauf und gehen freundschaftlich und hilfsbereit miteinander um, sehr viele sprechen Englisch, da es die erste Fremdsprache in der Schule ist und es das ganze Jahr über ausländische Touristen aus aller Herren Länder gibt.

Auch aus sportlicher Sicht hat Bethlehem etwas zu bieten. Einmal im Jahr, so gegen Mitte März, findet der hiesige Marathon statt: https://palestinemarathon.org/. Es kommen Läufer aus vielen Ländern und es herrscht eine festliche Stimmung. Darüber in einem anderen Artikel mehr. Von Bethlehem aus kann man andere Orte im Westjordanland besuchen und wenn man nicht mit einer Reisegruppe unterwegs ist, kann es etwas schwer sein sie zu erreichen. Auch darüber in Kürze mehr. Zur Bilderstrecke: http://theo.en-a.eu/galerie/bethlehem_1-11920/ (ggf. den ganzen Link kopieren und einfügen)

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