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Osteuropa-Experte befürchtet Krieg in der Ukraine

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman St. Petersburg, 23.12.2021, 19:42 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Politik +++ Bericht 14338x gelesen
Soldat in Kampfstellung.
Soldat in Kampfstellung.  Bild: Dariusz Sankowski. https://pixabay.com.

St. Petersburg [ENA] Thomas Röper, Publizist und Osteuropaexperte äußert sich in der Online-Sendung "Tacheles" vom 10.12.2021 sehr besorgt über das Kriegsrisiko im Konflikt zwischen der Ukraine, NATO und Russland: "Ich vermute tatsächlich, es wird da zum Krieg kommen. Also inzwischen bin ich da sehr pessimistisch." (1)

Im Interview mit Robert Stein von NuoFlix in der Online-Sendung Tacheles #75 "Die Ebbe vor der Wut" bringt der Autor, Medienanalytiker und Russlandkenner Thomas Röper eine andere Perspektive auf die Hintergründe der sehr angespannten Lage in der Ostukraine an der Grenze zu Russland ins Gespräch ein, die dem westlichen Mediennarrativ widerspricht. Röper selbst lebt in St. Petersburg und spricht fließend Russisch. Er betreibt die deutschsprachige Online-Nachrichtenplattform "Anti-Spiegel". Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit seien das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und Politik und Wirtschaft. Der Anti-Spiegel verstehe sich als Gegengewicht und Korrektiv.

Thomas Röper konstatiert, dass die Berichterstattung des deutschen "Spiegel" sich um 180 Grad gewandelt habe. Denn bisher war es angeblich so, dass der Westen stets Russland vorwarf, sich nicht an das Minsker Abkommen zu halten und so auch seine Außenpolitik begründete. Das impliziert, dass das Abkommen als sinnvoll erachtet wurde. Doch nun bemerkt Röper, dass der "Spiegel" das Bild, welches der Westen bis dato vom Minsker Abkommen vermittelt hatte, unerwartet korrigiert. Das Abkommen sei der Ukraine von Russland aufgezwungen worden, zitiert Röper den Spiegel, es sei "böse", paraphrasiert er den Ton, in welchem der "Spiegel" nun also von dem Abkommen spricht. (2)

Das Interview bringt ein Detail im Zusammenhang mit einem neuen Treffen zwischen Ukraine, Russland, Frankreich und Deutschland zur Lösung des Ukraine-Konflikts im Normandie-Format ans Tageslicht, über welches in den westlichen Medien gar nicht berichtet wurde. Dazu heißt es im Interview: "Deutschland, Russland, Ukraine und Frankreich wollten dringend ein neues Treffen im Normandie-Format. Dann haben sie sich auch getroffen: Deutschland, Frankreich und die Ukraine. Der Russe ist nicht gekommen. Haben sich in Brüssel getroffen, vor die Presse gestellt und gesagt: Wie böse, dass die Russen nicht kommen! Wir wollen so gerne reden, Normandie-Format, Frieden suchen, bla. Und da ist den Russen der Kragen geplatzt!" (3)

Weiter führt Röper aus: "Die Russen haben dann etwas getan, was sie sonst nie gemacht haben. Sie haben die Diplomaten-Korrespondenz veröffentlicht. Weil vor diesem Abkommen, haben die Deutschen und Franzosen mit dem russischen Außenministerium hin und her geschrieben, nach dem Motto: Lass uns treffen. Aber die Deutschen und die Franzosen haben in ihrem Briefwechsel leider gesagt, dass sie sich an das Minsker Abkommen nicht mehr halten wollen. Und da hat der Russe gesagt: Wozu soll ich dann kommen? Dann gibts nichts zu besprechen. Also offensichtlich wird das Abkommen jetzt in Müll geschmissen!" (4)

Röper vergleicht das Verhalten der USA und der NATO in Bezug auf die Ukraine mit dem Georgien-Krieg von 2008. Man will, so die Interpretation Röpers, die Ukraine zum Kriegmachen "scharf machen", durch Versprechen, man werde ihre Integrität schützen, militärtechnisch und durch angekündigte harte Sanktionen gegen Russland (im Falle eines Russischen Eingreifens), aber selber werde man keine Truppen in die Ukraine schicken. Dort seien bereits aufgeheizte radikale Nationalisten, die bereit seien, den Donbass anzugreifen. Über das Ziel der Amerikaner meint Röper: "Selbst mit den Russen kämpfen - Atomkrieg - ich glaube nicht, dass sie das wollen. So klingt auch die Nato: Ukraine ist kein NATO-Mitglied, müssen wir nicht beschützen." (5)

"Aber sie hätten alles, was sie brauchen: Russland wäre beschäftigt mit Krieg, der wird teuer! Sie hätten eine riesige Medienkampagne gegen die Russen. Sie haben einen Grund für neue Sanktionen. Also im Grunde genommen - die Amerikaner gewinnen! Es kostet sie nicht viel. Die Ukraine geht vor die Hunde - ist den Amis Wurst, Georgien war ihnen auch Wurst. Du hast dort 120.000 Soldaten stehen. Das gibt viele Tote. Das wird hässlich!"(6) "Im amerikanischen Fernsehen werden Karten gezeigt, wie die Truppen aus der Krim, aus Russland und aus Weißrussland über die Ukraine herfallen. Die Vermutung von Analysten ist, der Russische [sic. Gegen]angriff dürfte Ende Januar kommen."(7)

Was Sanktionen für Deutschland sicher bedeuten werden, kann man auf FAZ-online nachlesen: "Deutschlands neue Außenministerin Annalena Baerbock äußerte sich in Brüssel zunächst nicht öffentlich zu der Debatte. Sie hatte am Vorabend im ZDF-„heute journal“ deutlich gemacht, dass es im Fall eines russischen Angriffs auf die Ukraine ein Betriebsverbot für die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland geben wird. Es sei zwischen den USA und der vorherigen Bundesregierung besprochen worden, „dass bei weiteren Eskalationen diese Pipeline so nicht weiter ans Netz gehen könnte“, sagte sie."(8)

Danach schildert Röper seine Prognose, wie die westlichen Medien ihrer Bevölkerung den Krieg vermitteln werden, den die Ukraine in naher Zukunft begonnen haben wird. "Und sie werden wie bei Georgien den ukrainischen Angriff komplett verschweigen, aber einschalten die Berichterstattung, wenn die Russen zur Verteidigung des Donbass kommen. Ich vermute, dass es das ist. Also es sieht für mich sehr danach!" (9) Zum Krieg in Georgien sagt der Publizist an anderer Stelle im Gespräch, dass die westlichen Medien den eigentlichen Angriff, der nicht von Russland ausging, gänzlich ausgeblendet hätten.

(1) https://www.anti-spiegel.ru/2021/tacheles-75-ist-online/ oder https://nuoflix.de/die-ebbe-vor-der-wut--tacheles-75, Zeit: 36:34. (2) ebd., Zeit: 53:00. (3) ebd., Zeit: 53:00. https://kiew.diplo.de/ua-de/aktuelles/-/2496302. (4) ebd., Zeit: 54:00 und https://www.anti-spiegel.ru/2021/kein-wort-in-den-medien-der-westen-hat-das-minsker-abkommen-beerdigt/. https://www.mid.ru/ru/detail-material-page/1786268/?lang=en. (5) ebd., Zeit: 42:00. (6) ebd., Zeit: 42:00. (7) ebd., Zeit: 1:18:00. (8) https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-eu-bereitet-sich-auf-russischen-angriff-vor-17682021.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE. (9) wie (1), Zeit: 43:00.

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