Jewiki – reichhaltige jüdische Wikipedia-Schatztruhe
CH – Biel/Bienne (BE) [ENA] Nur noch selten stehen sie in den Gestellen altehrwürdiger Bibliotheken, schwergewichtige Bücher in gediegener Ausführung mit goldbeschichteten Blättern, festem Einband, aufwendig gestalteten Illustrationen und Autorenvermerken. Vor Jahrzehnten herausgegebene enzyklopädische Reihen umfassten nicht selten Dutzende von Bände. Die Nachschlagewerke renommierter Verlage wurden gar jährlich nachgeführt bzw. ergänzt.
Bereits fünfzehn Jahre lang gibt es täglich neue Triebe im enzyklopädischen Monsterwerk „Jewiki“. Doch mit dem deutsch-schweizerischen Autor, Publizisten und Schriftsteller Dr. Michael Kühntopf wirkt ausgerechnet ein Mann an der enzyklopädischen Erarbeitung, Festigung, Vertiefung und Vervollständigung jüdischen Fachwissens, dessen Kompetenz sich nicht im diplomatischen Laborieren erschöpft, sondern in der fast schon gnadenlos offen anmutenden Angriffigkeit des Forschers, den Dingen auf die Spur zu gehen, statt sie im Kontext schönzureden.
Dies hat 2017 zu einer in den Medien mittelschwer ausgeschlachteten Krawall-Berichterstattung geführt, die sich auf die libertär orientierte Person einschiesst, statt das Fehlen seiner Berührungsängste zur karikierten "Schmuddelecke" der „Alternative für Deutschland“ (AfD) als positives Merkmal eines Pioniers zu betrachten, der scheulos Kontakt zu allen Seiten pflegen muss, damit er seinem Lebenswerk einen ausgewogenen Schliff verleihen kann.
Wie so viele Idealisten, arbeitet Kühntopf Tag und Nacht für Gottes Lohn, getrieben von der Sehnsucht nach Klärung der Zusammenhänge im Leben des jüdischen Volkes von der Antike bis heute. Als studierter Religionswissenschaftler, u.a. an der Hebräischen Universität, weiss er um die Unbill falsifizierter Perzeptionen. Daher geht er sämtlichen Quellen auf den Grund, derer er habhaft werden kann, sogar bei Talmudgelehrten, bei denen lediglich ein Vorname bekannt ist. Mit den Tannaiten und Amoräern ist er fast schon per Du, doch auch die jüngste Geschichte des Zionismus und der israelischen Staatswerdung faszinieren ihn.
Über den Früh-Zionisten Nathan Birnbaum und die Palästinafrage dissertierte er 1990 und es folgten weitere Veröffentlichungen in diesem Themenumfeld, u.a. „Israel geht vor Zion“ in der Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte oder „Nathan Birnbaums Einstellung(en) zum jüdischen Staat bzw. zum Staat der Juden – oder: Welche Farbe hat denn nun eigentlich ein Chamäleon?“ in Samuel Salzborns Sammelband zum Thema Zionismus (2015).
Wer soll dem rastlosen, unentwegt Artikel produzierenden Gelehrten je das Wasser reichen, sollte er aus purer Erschöpfung das Bedürfnis nach einer tatkräftigen Nachfolge verspüren? Die universitäre Welt scheint für solcherlei Herkulesaufgaben kraft der Komplexität ihres Wesens alles andere als geeignet. So wird denn – das steht zu befürchten – eines Tages „Jewiki“ ein gewaltiges Stückwerk bleiben, jahrzehntelang eingefroren auf einer digitalen Plattform, insgesamt aber ein Markstein des jüdischen Langzeitgedächtnisses, um das einen die Völker so beneiden. Nicht zuletzt in der akribischen Erinnerung liegt drum die Vitalität des drangsalierten, stets zu neuen Ufern aufbrechenden Judentums.




















































