Donnerstag, 08.10.2026 23:56 Uhr

Frankfurter Buchmesse 2026 (Auswahl)

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt am Main, 08.10.2026, 22:08 Uhr
Fachartikel: +++ Politik +++ Bericht 250x gelesen
Frankfurter Buchmesse 2026, Messegelände
Frankfurter Buchmesse 2026, Messegelände   Bild: Kurt Lehberger

Frankfurt am Main [ENA] Demokratie verteidigen – aber wie? Mittwoch, 7.10.2026, 11.00-12.00 Uhr, Dialogue Stage, Foyer Halle 4.0. Mit: Jill Lepore (Historikerin, Essayistin, Pulitzer Preis 2026), Christina Morina (Historikerin), Thea Dorn (Moderation) Sprache: Englisch. Veranstalter ist der PEN Berlin.

Die Sprecherin des PEN Berlin, Thea Dorn, eröffnet das Thema. Die linken als auch die rechten Parteien fordern die „echte Demokratie“ oder sie formulieren das Ziel „Zurück zur Demokratie“. Die rechten Parteien sehen allerdings das „Zurück zur Demokratie“ eher als Mittel zu mehr Diktatur. Die Demokratie beruht auf der unabdingbaren, kompromisslosen Anerkennung der Menschenrechte für alle. Jill Lepore ist Historikerin, Journalistin und Professorin für Amerikanischen Geschichte an der Harvard Universität. Sie erhielt 2026 den Pulitzer Preis für das Buch: We the People: A History of the U.S. Constitution. Deutscher Buchtitel: „We the People: Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung“.

Christina Morina ist Professorin für Geschichte in Bielefeld. Neustes Buch: „Das amerikanische Beben: Erfahrungen und Konsequenzen für die deutsche Demokratie“. Morina gewann den Deutschen Sachbuchpreises 2024. Hier folgen Auszüge aus dem von Thea Dorn moderiertem Gespräch. Die gegenwärtigen Krisen sind bedrohlich. Die Demokratie wird oft mit Füßen getreten. Die Regierungen z.B. in den USA führen angebliche Notstände an, um die demokratischen Werte abzuschwächen und einen harten Prozesse zur Behebung des Notstands umzusetzen. Ein Beispiel dafür ist die Migrationspolitik von Trump. Das sind Anzeichen von den erodierenden Institutionen.

Nach den katastrophalen Erfahrungen in der deutschen Geschichte haben wir nach 1945 die demokratischen Institutionen wieder aufgebaut. Die Fragilität der Demokratie ist aber immer vorhanden, das wissen wir heute angesichts der Erfolge der rechten Partei umso mehr. In USA war es unbestritten, dass alle Menschen von Geburt an gleich sind. Das ist in der Verfassung festgeschrieben und von Jefferson ausformuliert. Das ist die Idee, die in den USA vorherrscht. Die Idee fand die Verbreitung in Büchern und Zeitungen. Die „Declaration of Independence“ im Jahre 1776 war ein Versprechen. Die Umsetzung ist ein langer Prozess.

Der Fortschritt bestand in den sicheren Regierungen, die von dem Volk gewählt wurden. Das Land wurde durch das Volk regiert, nicht durch einen Diktator oder einen König. Die Pressefreiheit und die Verbreitung der Meinungen wurden durch Zeitungen für 1 penny ermöglicht. Mit dem Internet (www.-Seiten ab 1990) entstand ein Ungleichgewicht in der Informationsverbreitung. Die Rolle des Grundgesetzes ist in Deutschland bedeutend. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Bereits in den 1930er Jahren hat Karl Loewenstein, ein Rechtsgelehrter, die Grundrechte für Männer, Frauen und Kinder eingefordert. Loewenstein entwarf 1937 das Modell der „militant democracy“, der wehrhaften Demokratie.

Das Grundgesetz und die Gerichte sind und bleiben wesentlich für die Erhaltung der Demokratie. In den USA gab es lokal organisierte Initiativen zur Diskussion über politische Themen. Das waren wichtige Elemente der Graswurzeldemokratie, der Demokratie von unten. Mitbestimmung und Problemlösungen waren für die Akzeptanz der Regierung entscheidend. Heute, im Internet-Zeitalter, gibt es „Town halls“ online. Das ist keine Debatte zwischen den Menschen. Im Chat kommen dann garstige Kommentare von Teilnehmern, die nicht weiterführen.

In Deutschland sei das Konzept der „Bürgersprechstunde“ nicht sehr hilfreich gewesen. Das ist zu klinisch, als würde man zum Arzt gehen… Die Tür zu Tür Kampagnen in den Wahlkämpfen, z.B. in den USA haben zu dem direkten Meinungsaustausch beigetragen, das ist hilfreich. Die Nachbarschaftshilfe ist in USA ein beliebtes Konzept. Die Religion ist in USA tief verwurzelt. Die Kreuzzüge in der McCarthy Ära oder der Wokismus heute (Wachsam bleiben im Hinblick auf Diskriminierungen), sind religionsähnliche Phänomene, obwohl die USA ein säkularisiertes Land sind.

Heute haben Studenten*innen Angst zu demonstrieren, da sie befürchten müssen, dass durch Gesichtserkennung, ihre Teilnahme aufgezeichnet wird und sie später keinen Job finden, da sie demonstriert haben. In Deutschland steht das C in der CDU für christliche Werte z.B. Liebe Deinen Nächsten, z.B. Deinen Nachbarn. Das sind für die Demokratie wichtige Werte. Die wehrhafte Demokratie ist die Form, in der die Zivilgesellschaft die Werte verteidigen muss. Wir brauchen eine offene und freie Debatte, Toleranz, Presse- und Meinungsfreiheit.

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