Dienstag, 12.11.2019 12:07 Uhr

Erinnerungskultur: 80 Jahre nach der "Kristallnacht"

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Zürich, 09.11.2019, 12:51 Uhr
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Zürich [ENA] Der 16-jährige Walter Strauss hat Angst: draussen tobt der Mob. Er ist alleine in der Berliner Wohnung, hat die Tür mit einem massiven Schrank verbarrikadiert. Es ist der Abend des 9. November 1938. Ein Datum, das als "Reichspogromnacht" in die Geschichtsbücher eingehen wird. Es war die organisierte Gewalt gegen jüdische Menschen und Einrichtungen, damals der vorläufige Höhepunkt auf dem Weg in die Schoah.

Strauss hat die Kristallnacht überlebt, 1939 gelang ihm die Flucht ins schweizerische Baden, wo er im letzten Frühling verstarb. Seine Tochter Anita Winter gründete 2014 die Gamaraal Foundation (Link www.gamaraal.com), eine Stiftung mit dem Ziel, bedürftigen Holocaust-Überlebenden finanziell zu unterstützen und die Bildung zum Holocaust und Genozidprävention langfristig zu födern. Im Leitbild der Stiftung formuliert es Anita Winter so: "Die Gewissheit, dass unter uns bedürftig Holocaust-Überlebende sind, ist erschütternd und bedenklich." Darum lässt die Stiftung den bedürftigen Überlebenden jeweils an den jüdischen Feiertagen Rosh Hashana, Hanukkah und Pessach eine finanzielle Zuwendung zukommen.

Im vergangenen Jahr erhielt die Gamaraal Foundation, zusammen mit dem Institut für Zeitgeschichte der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, den renommierten Dr. Kurt Bigler-Preis. Dies für die gemeinsam konzipierte Wanderausstellung mit dem Titel "The Last Swiss Holocaust Survivors" (Link: www.last-swiss-holocaust-survivors.ch). Erstmalig gastierte die Ausstellung - zum Anlass der Übernahme des Präsidiums im International Holocaust Remembrance Alliance, durch die Schweiz - im März 2017, in der Schweizer Botschaft in Berlin. Seither wurde sie auf drei Kontinenten von Genf und Zürich, über Washington, D.C. bis nach Singapur, gezeigt.

Die Erinnerung an die Schrecken des Holocausts zu erhalten und das Wissen um dieses Menschheitsverbrechen an die künftigen Generationen zu vermitteln, investiert die Gamaraal Foundation in die "pädagogische Auseinandersetzung". Sie tut dies durch die Organisation von Referaten durch Überlebende, aber auch in Berichten und Interviews. An der Uni Basel beteiligte sie sich im Frühjahressemester 2019, zusammen mit dem Zürcher Institut für Zeitgeschichte der ETH Zürich, an einem Forschungsseminar zum Thema mündliche Überlieferung der Schoah innerhalb der jüdischen Geschichte in der Schweiz. Die Teilnehmer werden geschult, um mit den letzten Zeitzeugen Interviews durchzuführen, und so zur Erhaltung des Wissens über den Holocaust beizutragen.

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