Donnerstag, 05.12.2019 23:53 Uhr

Budapest im (Klima)Wandel

Verantwortlicher Autor: Helge Lindau Budapest, 13.11.2019, 22:15 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Politik +++ Bericht 3756x gelesen
Eva Macskasy (Aktivisten) FFF-Ungarn
Eva Macskasy (Aktivisten) FFF-Ungarn  Bild: Helge Lindau

Budapest [ENA] Die Luft wird dick in Budapest. Doch nicht nur wegen der vielen alten Autos, die die Straßen verstopfen und die Luft verpesten, sondern auch wegen der Fridays for Future Bewegung, die Zunehmend an Bedeutung gewinnt und immer mehr Schüler und Studenten hinter sich versammeln kann.

Frau von der Leyen hat gerade in Brüssel angeküngt, dass sie an einem europäischen Gesetzt arbeiten will, das die Europäische Union bis zum Jahr 2050 klimaneutral machen soll. Ein frommer Wunsch! Denn gerade in Ländern wie Polen oder Ungarn, wo es einfach angesagt ist den Klimawandel als eine aus Brüssel kommende Verschwörung abzutun, wird diese Ankündigung den Verantwortlichen nicht einmal Sorgenfalten auf die Stirn zaubern.

Die ungarische Regierung ist geübt darin, Empfehlungen und Anordnungen aus Brüssel einfach zu ignorieren und sich selbst als das ewige Opfer darzustellen. Sei es in der Flüchtlingspolitik oder in der Beschneidung der Pressefreiheit. So auch im leugnen des Klimawandels. Dieser Habitus färbt sich auch schon seit Jahren auf die ungarische Bevölkerung selbst ab, die täglich über die ungarischen Medien desinformiert wird. Es wird die Meinung kolportiert, dass Ungarn ein sehr kleines Land ist und allein schon deswegen nichts gegen den Klimawandel machen könne, der im Grunde auch gar nicht nachgewiesen ist.

Wichtiger wäre es, so der allgegenwärtige Tenor, die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen, so dass Ungarn aus seiner Position, eines der ärmsten Ländern in der Europäischen Union zu sein, herauskommt. Vorgegebenes Ziel ist es das BIP zu steigern. Koste es was es wolle; und sei es auf Kosten des Klimas und der Natur. Es fehlt bei den Menschen die Einsicht dafür, dass ein höhres BIP keinem mehr nütz, wenn die Grundlagen für das Leben an sich nicht mehr da sind.

Doch in Ungarn wächst auch die Einsicht, dass es nur eine Zukunft geben kann, wenn der Klimawandel aufgehalten wird. Es sind, wie überall auf der Welt, die jungen Menschen, die Schüler und Studenten, die sich für ihre Zukunft stark machen. So gründeten sie auch Anfang diesen Jahres die "Fridays for Future - Bewegung Ungarn". Was als kleine Gruppe von Aktivist*innen begann, ist nun eine landesweite Bewegung geworden. Immer mehr junge Menschen erkennen, dass es nun an ihnen ist, für eine sichere und lebenswerte Zukunft zu kämpfen.

"Bei unserer ersten Aktion, am 22. Februar waren wir lediglich eine kleine Gruppe von 25 Aktivisten*innen die für den Klimaschutz auf die Straße ging.", sagt Eva Macskasy (Bild oben) Biologiestudentin und Mitorganisatorin von FFF-Budapest. "Bei der nächsten Demo waren es dann 400 Teilnehmer. So steigerte sich die Anzahl der Schüler*innen, die auf die Straße gingen, auf bis zu 8000 Menschen, während des 'Global Climate Strikes' ." so die selbstbewußte 20-Jährige.

Andere Medien berichten sogar, dass während des Streikes am 27. September, etwa 14000 Menschen auf der Straße waren. Natürlich wurden diese Zahlen von anderen Großstädten in anderen Ländern an diesem Tag bei weitem übertroffen. Doch sind diese Zahlen für das erzkonservative Ungarn ein Paradigmenwechsel. Die nächste große Demo ist für den 29. November 2019 geplant. Die Vorbereitungen hierzu laufen, trotz knapper Kassen, auf Hochtouren.

"Ob wir die Teilnehmerzahlen unsere letzten großen Demo, auch an diesem Tag erreichen, ist recht ungewiss, da es zu dieser Zeit auch in Budapest recht kalt sein kann." erklärt Levente Pribeli, ebenfalls Mitorganisator von FFF-Ungarn. "Die Schulen zeigen sich kooperativ. Wenn die Schüler*innen eine Erlaubnis ihrer Eltern vorlegen, so können sie am Streik teilnehmen.", so der Aktivist weiter.

Eva Macskasy ist sich bewusst, dass es noch ein weiter Weg ist, bis ein Großteil der Menschen begriffen hat, dass der Kampf gegen den Klimawandel eine existenzielle Aufgabe ist: "Wenn uns noch genügend Zeit bleibt, sehe ich verhalten optimistisch in die Zukunft. Die jetzigen alten Leute, die sich nicht um den Klimaschutz scheren, werden von jüngeren Menschen abgelöst, die das richtige Bewustsein haben und passende Lösungen anbieten werden." Bleibt nur zu hoffen, dass es bis dahin nicht schon zu spät ist.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.