Mittwoch, 21.01.2026 17:03 Uhr

Multinationale Luftbetankungs-Übung EART auf Lanzarote

Verantwortlicher Autor: Dennis Deis / Sebastian Leuchter Arrecife / Lanzarote, 01.01.2026, 21:42 Uhr
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Die Luftwaffenbasis auf dem Flughafen Lanzarote war Gastgeber des diesjährigen EART
Die Luftwaffenbasis auf dem Flughafen Lanzarote war Gastgeber des diesjährigen EART  Bild: Dennis Deis

Arrecife / Lanzarote [ENA] Im Rahmen der Luftwaffenübung "EART" trainieren Luftstreitkräfte europäischer Länder inklusive Gästen verbündeter Staaten realitätsnah, multilateral sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Neben den Tankflugzeugen sind Kampfflugzeuge in das European Air Refueling Training (EART) eingebunden.

Im Jahr 2014 führte das EATC (European Air Transport Command) das EART-Training ein, das auf der Luftbetankungsinitiative der EDA (European Defence Agency) basiert. Die aus der Vergangenheit gewonnenen Erkenntnisse haben gezeigt, dass für einen reibungslosen Betrieb die Nationen im Voraus gemeinsam trainieren müssen. Es handelt sich um ein spezielles, multinationales Ausbildungskonzept für die Luftbetankung europäischer Nationen. EART (European Air Refueling Training) ist eine moderne und gleichzeitig auch die wichtigste Luftbetankungsübung der sieben Teilnehmerländer und wird derzeit jährlich organisiert und durchgeführt. Die Übung findet üblicherweise an verschiedenen Militärflugplätzen in Europa statt, wobei die EATC die Übung leitet.

Der Airbus A400M der spanischen Luftwaffe auf dem Vorfeld in Lanzarote: Boarding für die Presse (Foto: Dennis Deis)
Blick aus der geöffneten Heckrampe des A400M, während eines Betankungsvorganges mit KC-767 und F-18 (Foto: Dennis Deis)
Auch der Airbus A400M ist mit dem zu sehenden Tankpod Luftbetankungsfähig (Foto: Dennis Deis)

Ziel ist es, Tankerbesatzungen und Luftstreitkräfte in realitätsnahen Szenarien und komplexen Umgebungen effizient zu trainieren und die Fähigkeiten von Luftbetankungsflugzeugen und deren Besatzungen zu verbessern.  Die Ausbildung umfasst sowohl das Tanker- als auch das Jagdflugzeugpersonal sowie Bodencrews, was eine umfassende Ausbildung in allen Aspekten der AAR-Operationen ermöglicht. Auch Wartungspersonal und auch Ingenieure sollen berücksichtigt werden und in Luftbetankungsoperationen ausgebildet werden. EART soll die Interoperabilität zwischen verschiedenen Luftstreitkräften bei Luftbetankungsoperationen verbessern.

Die Übung umfasst die Teilnahme von Luftstreitkräften aus verschiedenen europäischen Ländern sowie gelegentlich auch von Partnerländern wie Kanada, Australien oder den Vereinigten Staaten von Amerika. Eingesetzt werden sowohl strategische (z. B. A330MRTT, KC-135, KC767) als auch nicht-strategische Tanker (z. B. A400M, KC130J). Die Erfahrung der Zusammenarbeit mit NATO-Partnern ist von hoher Bedeutung, wenn es um Einsätze in Krisenzeiten geht. EART spielt eine entscheidende Rolle bei der Stärkung der kollektiven Bereitschaft und Interoperabilität unter den europäischen Nationen und ihren Verbündeten, um sicherzustellen, dass sie in der Lage sind, komplexe AAR-Missionen in künftigen multinationalen Einsätzen zu koordinieren und durchzuführen.

Die italienische KC-767 in Formation mit dem spanischen A400M (Foto: Dennis Deis)
KC-767 und spanische F-18 Hornet Kampfjets in Formation, während diese sich für die Betankung nähern (Foto: Dennis Deis)
Ein spanischer F-18 Hornet Kampfjet in enger Formation (Foto: Dennis Deis)

EART wird oft in Verbindung mit anderen großen Militärübungen durchgeführt, wie z.B. den spanischen Übungen „Ocean Sky“ und "Sirio" oder der niederländischen Übung "Frisian Flag". Dank des effektiven Zusammenlegens bietet EART den Nationen eine einzigartige Gelegenheit, ihre Tanker- und Jagdbomberbesatzungen in der Planung und Durchführung von Missionen innerhalb eines realistischen und multinationalen Rahmens auszubilden. Die Besatzungen erweitern ihr Know-how in komplexen Szenarien und tauschen Informationen, Erfahrungen und Verfahren zwischen Tanker- und Jagdbomberbesatzungen aus und es wird auch als Testumgebung für die Entwicklung und Validierung gemeinsamer Verfahren und Prozesse genutzt.

Darüber hinaus erleichtert EART die Zertifizierungsprozesse zwischen Tankern und Empfängerflugzeugen. Während in der Vergangenheit die Ziele auf ein jährliches, einsatzbereites Training für Tanker und Jagdbomber ausgerichtet waren, wird die Zukunft auf den Zertifizierungsprozess für die Teilnehmer orientiert sein. EART ist zu einem festen Bestandteil für die Luftbetankungsgemeinschaft geworden. Es ist ein erfolgreiches Beispiel für das Zusammenlegen und Teilen militärischer Luftstreitkräfte. Ziele des EART: Die Trainingsziele basieren auf den Anfragen der Mitgliedsnationen des EATC. Das Training richtet sich an Grund- und Fortgeschrittenenteams, zu den Schwerpunkten gehören unter anderem:

Interoperabilität verbessern: Vertrauen und Verständnis zwischen verschiedenen Luftstreitkräften und ihren Verfahren für AAR-Missionen aufbauen. Taktiken verfeinern: Entwickeln und Üben fortgeschrittener AAR-Taktiken und -Verfahren, einschließlich unterschiedlicher Tankerformationen. - "Multi-Tanker Formation" (Betankung mehrerer Flugzeuge gleichzeitig) - "Tanker-to-Tanker Rendezvous" (Kontakt von Tankflugzeugen) - "Threat Reactions and Retrograde" (Reaktionen auf Bedrohungen und Rückzug) Fähigkeiten entwickeln: Grund- & Fortbildung anbieten, um sicherzustellen, dass die Besatzungen in AAR-Szenarien die Kompetenz aufrechterhalten. Verfahren validieren: Als Testumgebung für das EATC dienen, um gemeinsame AAR-Verfahren zu entwickeln.

Tankverbund zwischen der italienischen KC-767 und zwei spanischen F-18 Hornet (Foto: Dennis Deis)
KC-767 Tanker, basierend auf der "kurzen" Boeing 767-200 dicht hinter der Heckrampe des A400M (Foto: Dennis Deis)
Ein französischer Airbus A330MRTT nach beendeter Mission beim Einrollen auf die Airbase Lanzarote (Foto: Dennis Deis)

EATC: Das EATC ist eine Organisation für militärische Luftmobilität, einschließlich Transport, Luftbetankung und medizinischer Evakuierung innerhalb Europas. Ziel ist es, die Effektivität und Effizienz des militärischen Lufttransports der Mitgliedsstaaten zu verbessern. Die Zusammenarbeit stärkt Europa, schreckt Gegner ab und bereitet Nationen auf die Herausforderungen von morgen vor. Das EATC wurde am 1. September 2010 von den vier Gründungsmitgliedern Niederlande, Belgien, Frankreich und Deutschland ins Leben gerufen. Luxemburg folgte 2012 , Spanien und Italien 2014. Die sieben Mitgliedsstaaten betreiben ihre militärischen Kapazitäten unter einem einzigen Kommando und mit gemeinsamen Regeln und Vorschriften.

Sie bündeln und teilen ihre Luftmobilitätsfähigkeiten, tauschen Erfahrungen aus und trainieren gemeinsam in multinationalen Umgebungen. Der Schlüssel zum Erfolg des EATC ist das Vertrauen der Mitgliedsstaaten. Die Beziehung zwischen den Partnern basiert auf einem innovativen Modell, bei dem die Nationen die Autorität über bestimmte Ressourcen an das EATC übertragen (Transfer of Authority – TOA). Andererseits können sie diese Übertragung der Autorität jederzeit widerrufen und nationale Vorbehalte über die „Rote Karte“ wahren. Das EATC ist kein unabhängiges Gremium, das die zugewiesenen Ressourcen verwaltet, sondern ist in die nationalen Kommandostrukturen integriert. Folglich agieren die im EATC tätigen Mitarbeiter im Auftrag der Nationen.

Sie bilden das Bindeglied zwischen den nationalen Luftstreitkräften und den gemeinsamen Einsatzkommandos und der ausführenden Ebene. Die sieben Mitgliedsstaaten teilen sich das gemeinsame Budget und die Personalstärke nach genehmigten Verteilungsschlüsseln untereinander auf. Das EATC führt bedeutende europäische Schulungen und Kurse in den Bereichen Lufttransport, Luftbetankung, Wartung, "Combined Air Terminal Operations" usw. durch. Die Abteilung Training & Übungen organisiert diese Veranstaltungen und nutzt die Expertise der Einsatzabteilung sowie der technischen und logistischen Abteilung.

Gemeinsam bieten sie hochprofessionelle Schulungen wie das European Air Refuelling Training (EART), das Disabled Aircraft Recovery Training (DART) oder die Combined Air Terminal Operations-Kurse (CATO), das Initial Combined Air Terminal Training (ICATT) und das Advanced Combined Air Terminal Training (ACATT). Darüber hinaus bieten sie ein E-Learning-Tool zur Unterstützung der Schulungen an. Die drei Abteilungen arbeiten eng mit den Mitgliedsnationen des EATC, dritten Nationen, der Europäischen Verteidigungsagentur und dem Europäischen Taktischen Lufttransportzentrum (ETAC) zusammen. Das EATC unterstützt auch das Europäische Taktische Lufttransportprogramm (ETAP). Eine stetig wachsende Erfolgsgeschichte multinationaler Zusammenarbeit.

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