Freitag, 14.08.2026 18:04 Uhr

Den Maler des Bildes "Oude Kerk" herausfinden

Verantwortlicher Autor: Universität Bonn Bonn, 14.08.2026, 16:57 Uhr
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Bonn [ENA] Den Maler des Bildes "Oude Kerk" herausfinden. Studierende der Kunstgeschichte erforschen die Geschichte einer angeblichen "Delfter Innenansicht". Das unter dem Titel "Delfter Innenansicht" bekannte Gemälde ist tatsächlich das Bild "Oude Kerk" und zeigt eine Kirche in Haarlem. Soweit konnten Bonner Studierende der Kunstgeschichte Fragen zu einem Gemälde klären, das seit vielen Jahren im Besitz der Universität ist.

Um dessen Herkunft auch vollständig zu klären, hoffen die Studierenden und ihre Professorin jetzt auf das Wissen der Bevölkerung: Wer weiß etwas zu diesem Bild? Sachdienliche Hinweise erbeten an Juniorprofessorin Dr. Lucy Wasensteiner im Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn. Zur Kunstsammlung der Universität gehört seit vielen Jahrzehnten ein Gemälde, das die Innensicht einer niederländischen Kirche zeigt. Die Vorderseite umfasst eine Messingplakette mit dem Hinweis „Hendr. Corn. Van Vliet, 1611-1676“, auf der Rückseite steht auf einem ein Papieraufkleber der handgeschriebene Titel des Bildes „Interieur der Delfter Kirche“.

Das Bild hing in den Räumen des Kunsthistorischen Instituts im Hauptgebäude der Universität Bonn, wo über die Jahre viele Besucher daran vorbei liefen, darunter die Mitarbeitenden des Instituts, Gäste und auch Studierende, die früher dort beraten wurden. Niemand hatte Fragen an die 93 mal 85 Zentimeter Massivholzrahmen samt Kunstwerk. Dann wurde das Bild im Jahr 2023 von der Wand geholt, um es für den Umzug vom Schloss in die Rabinstraße zu verpacken: Was gehört wohl auf den Umzugszettel geschrieben? Wie heißt das Bild? Wo kommt es her? Wie ist das Bild in die Sammlung der Universität gekommen? Wer hat es vor 350 Jahren gemalt?

Studierende der Kunstgeschichte haben sich das Bild mit Junior-Professorin Dr. Lucy Wasensteiner in ihrem Seminar zum Thema Provenienzforschung näher angeschaut. Die Ergebnisse ihrer Recherchen haben die Studierenden im Paul-Clemen-Museum öffentlich vorgestellt; ein Zwischenstand wie sie selbst sagen. Durch Interviews mit den ehemaligen Professoren Dr. Georg Satzinger und Dr. Hans-Joachim Raupp fanden die Studierenden heraus, dass spätestens seit 1971 das Bild im Besitz der Philosophischen Fakultät ist.

Auf der Rückseite des Bildes zeigt eine rote Siegelmarke des österreichischen Bundesdenkmalamtes in Wien zudem an, dass dieses Bild zwischen 1920 und 1934 aus der Republik Österreich ausgeführt worden sein muss. Was ist zwischen 1934 und 1971 passiert? Literaturrecherchen zu Hendrick Cornelisz van Vliet haben bestätigt, dass dessen Arbeiten in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland sehr geschätzt wurden. War das Bild etwa für das geplante Führermuseum im österreichischen Linz vorgesehen? Eine Datenbank des Deutschen Historischen Museums offenbarte den Studierenden, dass tatsächlich vier Werke des Künstlers van Vliet für dieses - nie realisierte - Museumsprojekt bestimmt waren.

Für drei dieser vier Gemälde ist klar, dass sie nicht das fragliche Kunstwerk sind, und ausgerechnet für das vierte fehlt in dieser Datenbank eine Abbildung. Geht es um ein Bild im Kontext „Raubkunst“? Nichts spricht dafür. Das Bild erscheint nicht in der vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste betriebenen Datenbank lostart.de. Auch die Quellen des niederländischen Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie kennen das Gemälde nicht, ebenso nicht das Projekt arthistoricum.net, noch das Prometheus Bildarchiv der Universität Köln. Was die Recherchen ans Licht gebracht haben: Die gemalte Innenansicht ist nicht die einer Kirche in Delft, wie der Bildtitel anzeigt. Das Kircheninnere ist das der Kirche Sint Bravo in Haarlem, Amsterdam.

Von dort stammt offenbar die Inspiration für den Künstler, der das Bild sehr wahrscheinlich im Jahr 1666 malte. - Wer hat "Oude Kerk" gemalt? - Das Seminar und auch die Ausstellung sind beendet, aber die Studierenden und ihre Professorin bleiben dran am Rätsel um die Herkunft der Oude Kerk. Sie hoffen jetzt auf das Wissen der Bevölkerung. Junior-Professorin Dr. Lucy Wasensteiner: „Jetzt sind die Menschen in Bonn und der Region gefragt: Wer etwas über dieses Kunstwerk weiß, wodurch möglicherweise die Werkgeschichte des Gemäldes weiter ausgeleuchtet werden könnte, wende sich an gern an mich.“ Ansprechpartnerin: Jun.-Prof. Dr. Lucy Wasensteiner, E-Mail: provenienzforschung@uni-bonn.de

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