Donnerstag, 11.06.2026 00:17 Uhr

Stuttgart 21 und kein Ende

Verantwortlicher Autor: Wolfgang Weichert Stuttgart, 10.06.2026, 22:50 Uhr
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S21 Baustelle  04.04.26
S21 Baustelle 04.04.26   Bild: Wolfgang Weichert

Stuttgart [ENA] S 21 sei das „bestgeplante und am besten berechnete Projekt“, behauptete vor gut zwei Jahrzehnten der frühere DB-Chef Hartmut Mehdorn, als er das wegen seiner enormen Risiken schon fast beerdigte „Jahrhundertprojekt“ doch noch auf den Weg brachte. Am 2. Februar 2010 war der symbolische Baubeginn.

Drei Bahnchefs später (auf Mehdorn folgten Rüdiger Grube und Richard Lutz) muss nun die neue DB-Konzernlenkerin Evelyn Palla das Desaster „ausbaden“, welches ihr ihre Vorgänger hinterlassen haben.‘ Beim Projektstart war einst von 4,5 Milliarden Euro die Rede. Schon jetzt liegen die Kosten bei ca. 11,5 Milliarden Euro. Es könnten noch weitere 3 Milliarden Euro Mehrkosten folgen. Am 08.06.2026 fand auf dem Stuttgarter Marktplatz die 808. Montagsdemo der Stuttgart 21 Gegner statt. Genau an diesem Tag berichteten Tagesschau und focus darüber, dass sich die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 vermutlich bis ins Jahr 2031 verzögern wird.

Angeblich wurden für die digitale Signaltechnik kilometerweise falsche Kabel verlegt. Wie so etwas beim bestgeplanten Projekt passieren kann ist mir rätselhaft. Ein weiteres Problem gibt es auch noch. Auf den Bahnsteigen im neuen Durchgangsbahnhof müssen mehrere 1000 Quadratmeter bereits verlegter Bodenbelag wieder herausgerissen und entsorgt werden. Aus dem Projektumfeld wird auf Probleme mit dem Estrich verwiesen, die diesen Schritt notwendig machen. Hinzu kommt noch ein drittes Problem, wie die Stuttgarter-Nachrichten berichten.

Am schwerwiegendsten ist aber die noch nicht gelöste Frage nach der Notstromversorgung des Durchgangsbahnhofs und des sanierten Bonatzbau. Dieses Problem hängt direkt mit der wiederholten Verschiebung des Eröffnungstermins zusammen. Hätte die Inbetriebnahme, wie vor langer Zeit geplant, Ende der Zehnerjahre stattgefunden, gäbe es dieses Problem nicht. Erst danach verschärften sich die Vorgaben. Statt zwei voneinander unabhängige Stromquellen nachzuweisen, die im Havariefall die Belüftung, die Beleuchtung, Lautsprecheranlage, Aufzüge und Rolltreppen im Durchgangsbahnhof mit Strom versorgen, bestehen die Behörden nun auf eine vom übrigen Netz getrennte autarke Stromversorgung.

Für Bahnreisende und Pendler in und um Stuttgart, werden das harte Zeiten. Wenn die Kabel getauscht werden müssen, stehen weitere Streckensperrungen an, wie die, die es deshalb bisher schon gab. Auch muss sicherlich damit gerechnet werden, dass die Infrastruktur im Kopfbahnhof Instand gesetzt werden muss, um weitere Jahre den Betrieb aufrecht erhalten zu können. In Zeiten von Klimawandel ein absolutes Desaster für Mensch und Umwelt.

Die Bahn möchte sich zu den Vorwürfen derzeit nicht aüßern und verweisen auf die Ende Juni stattfindende Pressekonferenz. Man kann gespannt sein, was da verkündet wird. Für Reisende und Pendler sicherlich keine guten neue Nachrichten. Das Ganze schüttet natürchlich auch Öl ins Feuer der S21-Kritiker und -Gegner. Und nach dem BER Desaster und Elbphilharmonie stellt man sich mal wieder die Frage: Kann Deutschland überhaupt Großprojekte? Gefühlt nein.

Bonatzbau 04.04.26
neue Bahnsteighalle 04.04.26
neue Bahnsteighalle 04.04.26
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