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Stille Nacht – einsame Nacht

Verantwortlicher Autor: Michael Hofmann Frankfurt am Main, 24.12.2021, 16:11 Uhr
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Weihnachtsglanz
Weihnachtsglanz  Bild: Gerd Altmann, pixabay.com

Frankfurt am Main [ENA] Eigentlich sollte Weihnachten das Fest der Liebe, des Friedens, der Hoffnung und der Familie sein. Ein Fest, das man im Kreise seiner Lieben feiert. Doch leider werden auch in diesem Jahr wieder viele – vor allem ältere Menschen – Weihnachten ohne Familie feiern müssen.

Am Beispiel einer Familie in Frankfurt am Main möchte ich aufzeigen, wie schwierig es in Zeiten der Pandemie geworden ist, Weihnachten als Familie zu feiern. Gabriele S. und Simone H. sind Geschwister und wollten wie jedes Jahr gemeinsam mit ihren Familien und ihrer im Pflegeheim lebenden Mutter den Heiligen Abend gemeinsam feiern. Brigitte K., 79 Jahre, lebt schon seit mehreren Jahren im Julie-Roger-Haus, einem Pflegeheim in Frankfurt am Main. Mehrmals wöchentlich wird sie dort von ihren Töchtern besucht. Vor der Pandemie war das problemlos möglich, mit der Pandemie wurde es deutlich schwieriger.

Beide Töchter haben es aber möglich gemacht, ihre Mutter so oft es ging zu sehen – auch wenn es aufgrund eines strengen Hygienekonzeptes zeitweise nur durch ein Fenster des Pflegeheims möglich war. Schon vergangenes Jahr war es nicht möglich, die Mutter über Weihnachten aus dem Heim zu holen. So wuchs die Hoffnung, dass es in diesem Jahr wieder klappen wird. Doch leider wurde diese Hoffnung erneut durch das Hygienekonzept gekippt. Frau K. dürfte zwar von ihren Töchtern abgeholt werden, müsste danach aber fünf Tage in ihrem Zimmer in Quarantäne bleiben.

Was auf den ersten Blick nicht schlimm klingt, wird aber zu einer unzumutbaren Tortour, wenn man bedenkt, dass das Zimmer weder eine Toilette noch eine Dusche hat. Das Julie-Roger-Haus wird zwar aktuell modernisiert, aber -auch beding durch die Pandemie- dauert dies deutlich länger als geplant. So haben noch nicht alle Räume ein eigenes Bad mit WC und die Bewohnerinnen und Bewohner müssen das Gemeinschaftsbad und die Gemeinschaftstoiletten benutzen. Das Haus, welches im Stil der 1930er bis 1950er Jahre eingerichtet ist, überzeugt mit anderen Qualitäten, weswegen sich Frau K. auch für dieses Heim entschied.

Doch nun würde ein Heiligabend im Kreise der Familie bedeuten, dass Frau K. fünf Tage in ihrem Zimmer verharren müsste, sich nur am Waschbecken waschen und nur den Toilettenstuhl nutzen könnte. Das wollen weder Frau K. noch ihre Töchter. Und so wird es leider wieder ein stiller und einsamer Heiligabend für die Familie. So oder so ähnlich geht es in diesen Zeiten leider vielen. Und deswegen möchte ich genau diesen Menschen meinen Respekt und meine Anerkennung zollen.

Hoffentlich wird es nächstes Jahr wieder möglich sein, dass wir alle mit der Familie um den Weihnachtsbaum sitzen und die stille und heilige Nacht feiern können.

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