Überlinger Schwedenprozession – 400 jähriges Gelöbnis
Überlingen (Bodensee) [ENA] Die Schwedenprozession der Stadt Überlingen zählt zu den ältesten und eindrucksvollsten Traditionsereignissen am Bodensee. Ihr Ursprung reicht zurück in das Jahr 1647, als Überlingen während des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Truppen bedroht war.
In dieser Zeit der Angst und Unsicherheit legten die Überlinger ein feierliches Gelübde ab: Sollte die Stadt verschont bleiben, würden die Bürger jedes Jahr eine Prozession zu Ehren Gottes abhalten. Überlingen blieb unversehrt – und die Menschen hielten Wort. Seit nun fast 400 Jahren ziehen die Überlinger in einer feierlichen Prozession durch die Altstadt, begleitet von Trachtengruppen, der Schwerttanz-Kompanie, Musikensembles und Geistlichen verschiedener Konfessionen. Die Tradition ist tief verwurzelt im Selbstverständnis der Stadt und gilt als Ausdruck von Dankbarkeit, Zusammenhalt und gelebter Geschichte.
Auch in diesem Jahr versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste aus der Region, um an der Schwedenprozession teilzunehmen. Bei warmen Temperaturen führte der Weg wie gewohnt durch die historische Altstadt, vorbei an den Wahrzeichen der Stadt, begleitet von der Stadtkapelle, den Ministrantinnen und Ministranten, den Trachtenfrauen und der traditionsreichen Schwerttanz-Kompanie. Die Prozession ist mehr als ein religiöses Ritual – sie ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wie die Überlinger „ticken“, wie sie fühlen und was ihr Herz ausmacht. Die Teilnahme vieler Vereine, kirchlicher Gruppen und Ehrenamtlicher zeigt, wie stark die Tradition bis heute trägt.
Rede des neuen Pfarrers des Überlinger Münsters Der neue Münsterpfarrer Zimmermann richtete in seiner Ansprache bewegende Worte an die Gemeinde und die Gäste. Seine Rede, die auf der Hofstatt mit großem Applaus aufgenommen wurde, betonte die Bedeutung der Tradition und den Zusammenhalt der Überlinger. „Es war für mich wunderschön, Überlingen von dieser Seite zu erleben.“ „Nur so kann man jetzt endlich verstehen, wie die Überlinge ticken, wie sie leben, wie sie fühlen und was ihr Herz ausmacht.“
Pfarrer Zimmermann hob hervor, wie beeindruckend die große Zahl der Teilnehmenden sei – gerade bei sommerlicher Hitze. Er erinnerte daran, dass Versprechen in unserer Zeit oft nur eine „kurze Halbwertzeit“ hätten, während die Überlinger ihr Gelübde seit fast vier Jahrhunderten treu erfüllten. „Und irgendwo hat das Konradsblatt (Wochenzeitschrift des Erzbistum Freiburg) mal geschrieben: Die Überlinger halten Wort. Und ich finde, das bringt es schön zum Ausdruck.“ Mit herzlichen Worten dankte er den vielen Mitwirkenden: der Schwerttanz-Kompanie, den Trachtenfrauen, den Ministranten, den Diakonen, dem neuen Pfarreirat sowie der Stadtkapelle unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Ralf Ochs.
Auch die ökumenische Verbundenheit wurde betont – mit Vertreterinnen und Vertretern der evangelischen und methodistischen Gemeinden. Besonders charmant war sein Hinweis auf die Tradition des Schwerttanzes: „Die Tradition ist wie der große Bruder – mit dem wollen wir uns nicht anlegen.“ Zum Abschluss lud er die Gemeinde ein, sich auf der Hofstatt zu treffen, wo die Schwerttanz-Kompanie einen weiteren Tanz aufführen wollte. Sein Dank galt auch den „stillen Beobachtern“ und allen, die sich die Teilnahme nicht hatten nehmen lassen.
Ein Fest der Hoffnung und des Miteinanders Die Schwedenprozession ist ein Ereignis, das Überlingen jedes Jahr neu zusammenführt. Die Lesung aus dem Römerbrief, die in diesem Jahr sogar zweimal vorgetragen wurde, erinnerte daran, dass die Menschen eine Hoffnung in sich tragen – eine Hoffnung, die sie mit nach Hause nehmen sollen. Pfarrer Zimmermann brachte es in seiner Rede auf den Punkt: Die Schwedenprozession ist nicht nur ein historisches Ritual, sondern ein lebendiges Zeichen dafür, dass Überlingen seine Geschichte kennt, seine Traditionen pflegt und seine Gemeinschaft stärkt.
Die Überlinger Schwedenprozession bleibt ein beeindruckendes Zeugnis für Treue, Gemeinschaft und gelebte Geschichte. Mit der bewegenden Rede des neuen Pfarrers wurde die Bedeutung dieser Tradition erneut unterstrichen. Überlingen hält Wort – seit 1647, und auch in diesem Jahr wieder mit großer Hingabe.




















































