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Was bedeutet der freimaurerische Begriff "Loge"?

Verantwortlicher Autor: Peter Michael Neuen Mannheim, 28.04.2021, 17:01 Uhr
Kommentar: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 4165x gelesen

Mannheim [ENA] Spätestens seit den Romanen von Dan Brown sind die Begriffe „Logen und Geheimgesellschaften“ in aller Munde. Aber was versteht man eigentlich unter einer Loge? Im 18. Jahrhundert mit dem Beginn der Aufklärung entstehen zahlreiche geheime Gesellschaften, die bekanntesten sind die „Freimauerer“. Dieser Begriff entstand aus der Tradition der mittelalterlichen Zünfte der Maurer und Steinmetze.

Sie hüteten ihr Wissen als Geheimnis und im Laufe der Zeit wurde aus der ursprünglichen Handwerkergilde eine Geheimgesellschaft. Gleichgesinnte fanden sich zusammen und machten sich Gedanken über Gott und die Welt, deshalb wurden sie auch bald zu einem Anlaufpunkt für Ärzte, Schriftsteller, Adlige und Theologen. So wurden sie zu einer geistigen Gemeinschaft und ihre bedeutendsten Vertreter hatte sie zur Zeit der Aufklärung, besonders unter den Vätern der Französischen Revolution. Ich möchte Ihnen nun einen kleinen Eindruck geben, in welch bedrückenden Zeiten Freimaurer vor über 230 Jahren gelebt und gewirkt und den Verlauf der Geschichte nachhaltig verändert haben. Begleiten Sie mich nun auf eine kurze Zeitreise:

„Wir schreiben den 5. Mai 1788: ich schleiche mich in strömendem Regen durch die überfüllten und von Unrat stinkenden Gassen von Paris, nehme die wütenden Gespräche der Händler und Kunden über die ständig steigenden Nahrungsmittelpreise und den unterschwelligen Zorn gegen die Obrigkeit nur am Rande wahr und erreiche endlich mein Ziel, das Haus von Fabrikant Jerome, an dessen Tür ich stehenbleibe, mich vorsichtig umschaue und unser geheimes Klopfzeichen anbringe. Ein kleines Sichtfenster in der Tür öffnet sich und ich werde nach der Parole gefragt, die ich leise nenne. Die Tür wird geöffnet, ich werde kritisch beäugt und in die Bibliothek geführt, in der sich bereits 9 Personen aufhalten, die mir allesamt vertraut sind.

Es sind meine Logenbrüder! Meine Anspannung fällt ab, hier fühle ich mich geborgen und brauche die Obrigkeit nicht zu führen. Wir müssen aufpassen, wir könnten ja bespitzelt werden, unsere Ideen werden von Seiten der Obrigkeit als Hochverrat angesehen und das Beil des Henkers schwebt ständig über uns. Mein Name ist übrigens Pierre, ich bin Schriftsteller, der über die Sorgen und Nöte des kleinen Mannes auf der Straße schreibt, um so vielleicht etwas zu ändern. Meine Brüder sind Kaufleute, Ärzte, Apotheker, Gelehrte und sogar ein Adeliger und wir glauben, dass die Zeit reif ist für tiefgreifende Veränderungen in unserem Gesellschaftssystem, das den kleinen Mann auf der Straße samt seiner Familie im Elend vegetieren lässt.

Als der Königin mitgeteilt wurde, dass das Volk hungert, da kein Brot zur Verfügung steht, soll sie angeblich geäußert haben, dass die Hungernden doch Kuchen essen sollen! In unserem Zirkel können wir unsere Gedanken und Vorstellungen frei äußern, uns austauschen, planen und unsere Ziele abstecken, hier sind wir sicher, in unserer Welt, wo ich meinen Brüdern uneingeschränkt vertrauen kann, denn ein falsches Wort an einem falschen Ort zur falschen Person bedeutet unweigerlich unser aller Tod! Wir müssen etwas ändern und wir werden etwas ändern!“

Die Geschichte wird ihm ein Jahr später beim Sturm auf die Bastille Recht geben und die Freimaurerischen Grundsätze „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ werden zu Schlagworten der Französischen Revolution“, die allerdings am Ende der so genannten „Schreckensherrschaft“ ihre eigenen Kinder gefressen hat, denken wir an Marat, Mirabeau, Robespierre, Danton, die allesamt Freimaurer waren. Und was machen die Logen in der heutigen Zeit? Durch Beschäftigung mit Themen wie Freiheit, Selbsterkenntnis, Gerechtigkeit und Toleranz kann jedes Mitglied seinen Anteil zur weiteren Entwicklung einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft beitragen.

Außerdem treten sie für die Überwindung der nationalen und konfessionellen Gegensätze, Gewissens- und Meinungsfreiheit und Toleranz ein. Man muss nicht Mitglied einer Loge sein, um tolerant, menschlich und hilfsbereit zu sein, aber der Einzelne tut sich alleine viel schwerer, als in der Gemeinschaft. Kurz zusammengefasst ist die Loge eine überkonfessionelle und überparteiliche Gemeinschaft von Mitgliedern unterschiedlicher Alters- und Berufsstruktur, für die Werte wie „Treue“, Freundschaft“, „Brüderlichkeit“, „Aufrichtigkeit“, „Hilfsbereitschaft“, „freier Gedankenaustausch“ und „Geselligkeit“ gerade in unserer krisengeschüttelten Zeit immer noch aktuell und wichtig sind.

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