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Reggae und Rasta: Musik, Mode oder mehr?

Verantwortlicher Autor: Herbert J. Hopfgartner Salzburg, 02.01.2019, 15:57 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 11263x gelesen

Salzburg [ENA] Die UNESCO hat am 29. November 2018 den Reggae zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Die Begründung, wonach die durch Ikonen wie Bob Marley geprägte Musik aus der Karibik wichtige Botschaften zu Fragen der Ungerechtigkeit, des Wider-standes, der Liebe und Menschlichkeit transportiere, ist nicht nur rationell, sondern vor allem auch emotional nachvollziehbar.

Der Reggae ist eine in den 1960er Jahren auf Jamaika („Quellenland, Holz- und Wasserland“) entstandene Musikrichtung, die sowohl als rituelle Musik der rastafarians – entstanden aus den populären Tanzmusiken Ska und Mento –, als auch als politischer Ausdruck der unter-privilegierten Ghettobevölkerung zu verstehen ist. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs ist nicht eindeutig geklärt: Einige Musiker führen das Wort auf das lateinische rex („König“) zurück – demnach wäre der Reggae in einer Art religiösen Deutung eine „Musik des Königs“.

Viel wahrscheinlicher erscheint jedoch die These, dass hier ein jamaikanischer Begriff aus dem Rotlichtmilieu, streggae („leichtes Mädchen“) den Weg in die Musik gefunden hat. Die erste namentliche Erwähnung fand er 1968 in einem Song („Do the Reggay“) von Toots and the Maytals. Der charakteristische Off-Beat-Charakter in der Musik tauchte Ende der 1950er Jahre auf, als in Jamaika amerikanische Rhythm & Blues und Soul Musik mit den typischen Rhythmen des stark an die ursprüngliche afrikanische Stammesmusik erinnernden Mento kombiniert wurde.

In den Anfangsjahren spielten die Betreiber von mobilen Soundsystemen (wie z. B. Clement Coxsone Dodd, Arthur Reid und Cecil Campell) eine zentrale Rolle für die Verbreitung des Reggae. Diese „Discjockeys“ montierten überdimensionale Lautsprecher auf alten Lastwägen und übertönten auf der Ladefläche stehend mit eigenem Sprechgesang (Toasting) die abgespielte Musik. Da die tanzlustige junge Bevölkerung der Städte nicht hinreichend mit Import-Schallplatten aus den südlichen US-Bundesstaaten versorgt werden konnte, und es überdies viel zu wenige Abspielgeräte gab, wurden die einheimischen Talente gefördert und in weiterer Folge auch in abenteuerlich eingerichteten Tonstudios produziert.

Die Texte wurden bzw. werden auf Patois, der Sprache der Kreolen Jamaikas, die auf dem Englischen basiert, rezitiert und gesungen, wobei ein Kennzeichen dieses Dialekts die Hinzufügung des „I“ ist. Die Musik von Bob Marley, Peter Tosh, Burning Spear, Jimmy Cliff und vielen anderen ist mittlerweile in jeder gut bestückten bürgerlichen Diskographie zu finden, die löwenartigen Frisuren und Bärte der „Rastas“ fallen in den multikulturellen europäischen Großstädten auch kaum mehr wirklich auf, zu sehr hat man sich schon an die friedlichen, bunt angezogenen und gut gelaunten „Rasta-People“ gewöhnt.

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