Freitag, 13.02.2026 20:01 Uhr

Museum Karl-Marx-Haus in Trier

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Trier, 18.01.2026, 21:04 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 4243x gelesen
Bild aus der Videoinstallation im 3. Stock des Museums
Bild aus der Videoinstallation im 3. Stock des Museums  Bild: Kurt Lehberger

Trier [ENA] Die Ausstellung beginnt in einem kleinen Raum im Eingangsbereich des Karl-Marx-Museums. Hier wird die Geschichte des Geburtshauses von Karl Marx gezeigt. Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx in diesem Haus in der Brückenstraße 10 in Trier geboren. Sein Vater, ein Rechtsanwalt, mietete das Haus.

Von der SPD als Geburtshaus von Karl Marx wiederentdeckt, erwarb sie das Haus 1928 und renovierte es. In der Nazizeit wurde es mutwillig zerstört. Die SPD erhielt es 1947 zurück und eröffnete hier das Museum „Karl-Marx-Haus“. In dem Raum gegenüber befindet sich ein an der Decke mit Drahtseilen befestigtes Sanduhrensystem. Je eine Sanduhr steht für eine Stadt, in der Karl Marx gelebt hat. Die Sanduhr mit dem höchsten Füllstand ist Londen. Hier lebte Marx 34 Jahre, von 1849 bis zu seinem Tod 1883. Die Städte Trier, Bonn, Berlin, Köln, Paris, Brüssel und London sind die Stationen seines Lebens. Interessant sind die Informationen der Reisewege, die unterhalb der Sanduhren aufgezeigt werden.

Marx reiste zum Beispiel von Trier nach Bonn. Das sind 113 Kilometer. Mit der Kutsche brauchte er 18 Stunden, mit dem Dampfschiff über Mosel und Rhein benötigte er zwei Tage. Die Biografie von Marx ist geprägt von erzwungener Vertreibung und einem Leben im Exil. Zum Studium der Rechtswissenschaften ging Karl Marx nach Bonn. 1836 wechselte Marx an die Universität in Berlin. Hier beschäftigte er sich mit der Dialektik und der Philosophie von Hegel. Nach der Promotion in Philosophie in Jena 1841 arbeitete er ab 1942 als Journalist für die „Rheinische Zeitung“ in Köln. Schon ein Jahr später wurde die Zeitung verboten.

Er musste aus Trier und Bonn fliehen, da er als politisch-kritischer Journalist von der preußischen Regierung nicht länger geduldet wurde. Er floh nach Paris. Nach seiner Ausweisung aus Paris 1845 ließ sich Marx mit der Familie in Brüssel nieder. Auch Brüssel musste er verlassen. Er ging nach London ins Exil. Hier hatte er Berufsverbot. Er konnte nicht angestellt werden, sondern musste sich durch journalistische Tätigkeiten über Wasser halten. Die Familie war in einer existentiell prekären Lage. Nur drei der sieben zwischen 1844 und 1857 geborenen Kinder erlebten das Erwachsenenalter. Marx studierte intensiv im Lesesaal der British Library und verfasste dort zahlreiche Schriften zur politischen Ökonomie.

Friedrich Engels (1820 – 1895), ein sehr enger Freund von Marx, unterstützte ihn regelmäßig finanziell. Engels war Fabrikbesitzer und Mitautor von einigen Schriften von Marx, beispielsweise „Das kommunistische Manifest“, das kurz vor dem französischem Aufstand 1948 erschien. Im ersten Obergeschoss werden die Werke von Marx und ihre Wirkungsgeschichte thematisiert. Die Schrift Thesen über Feuerbach, das Kapital, die Judenfrage seien hier kurz genannt. Marx These, dass die Basis das Bewusstsein bestimmt und nicht umgekehrt das Bewusstsein die Basis, ist eine Antithese zu Hegel und dem deutschen Idealismus. Marx dialektischer Materialismus zieht sich durch sein gesamtes Werk.

Im Kapital zeigt Marx auf, wie sich die ökonomischen Gesetze aus der Form der Arbeit entwickeln. Der Profit entsteht aus der Unterbezahlung der Arbeiterschaft, die mehr Wert erzeugt als sie als Lohn erhält. Das achte Kapitel „Der Arbeitstag“ im Kapital befasst sich mit dem Kampf um den Achtstundentag. Hier zeigt sich die umfangreiche Sammlung von empirischen Daten, die Marx für seine Analyse und für seine Kritik der politischen Ökonomie einbezog. Das Hauptwerk von Marx ist „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“. Der erste Band erschien 1867. Der zweite und dritte Band wurde von Friedrich Engels nach dem Tod von Marx veröffentlicht.

In der zweiten Etage folgen weitere Räume, die sich mit den Auswirkungen seiner Theorie befassen. Zum einen ist es die Sowjetunion, die 1917 mit Lenin und später unter Stalin, den Sowjetkommunismus, der sich auf Marx und Lenin beruft, prägten. Zum anderen ist es China, das seit 1949 unter Mao bis heute von der kommunistischen Partei regiert wird. Die Geschichte Deutschlands von der Weimacher Republik bis zum Nationalsozialismus (1933 – 1945) ist nicht ohne den Einfluss des Kommunismus und damit der marxistischen Grundlagen zu verstehen. Die SPD sah in der KPD und der in der NSDAP gleichsame Gegner und ermöglichte damit der NSDAP die Machtergreifung.

Die SPD selbst sieht den demokratischen Sozialismus als anzustrebende Regierungsform bzw. Wirtschaftssystem. Im Godesberger Programm von 1959 wurde dies erneut festgeschrieben. Weiterhin hatte Marx bzw. der sogenannte „Marxismus“ großen Einfluss auf südamerikanische Länder. Chile unter Allende, Fidel Castro in Kuba und Che Guevara in Bolivien zeugen von der großen Kraft der Analysen von Marx. In Deutschland und in Frankreich nach 1945 sind marxistische Philosophen prägend für die Studentenbewegung 1967/68 und darüber hinaus. Zu nennen sind u.a. Adorno, Bloch, Marcuse, Horkheimer, Benjamin und Sartre, Althusser und Foucault in Frankreich.

Im obersten Stockwerk des Karl-Marx-Hauses ist eine Videoinstallation zu sehen, die uns an kürzliche Bewegungen wie Occupy in New York (2011-2013) erinnert, die sich kritisch gegenüber dem Kapitalismus und dem Finanzkapital positionierten. Die aktuelle Bewegung MAGA unter Trump, der den alten Imperialismus-Gedanken erneuert und andere Länder bedroht und die Kriegsführung von Putin in der Ukraine sind in der Installation von 2022 noch nicht abgebildet. Der Kapitalismus ist maßlos und unmenschlich, das hat Marx vorausgesehen.

Das Museum verfügt über einen sehr schönen Garten. Fazit: das Museum ist ein gutes Mittel, um sich mit der sehr bedeutenden Person von Karl Marx zu befassen. In der Bücherei des Museums werden Bücher von und über Marx verkauft. Das Kapital von Marx bleibt eines der am häufigsten gekaufte Bücher in der Welt. In Deutschland ist das Kapital seit 1946 über eine Million Mal verkauft worden.  

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