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Famoso Doctor Paracelsus

Verantwortlicher Autor: Herbert J. Hopfgartner Salzburg, 27.02.2019, 21:25 Uhr
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Salzburg [ENA] Die jüngste Hochschule der Stadt Salzburg schmückt sich seit dem Jahre 2002 mit dem Titel „Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg“. Wer verbirgt sich nun hinter dem Namensgeber der kleinsten und trotzdem sehr feinen Universität in der Stadt an der Salzach? Der seit 1952 im Salzburger Kurgarten versteinerte Paracelsus des NS-Bildhauers Joseph Thorak vermag uns darauf keine Antwort zu geben.

Nach einem „großen Sohn der Stadt“ ist die hiesige Kunst-Universität benannt, das Mozarteum, obwohl der Namensgeber bekanntermaßen sehr schlecht auf seine Geburtsstadt zu sprechen war. Die viel größere Paris Lodron Universität Salzburg beruft sich auf den aus einem Südtiroler Adelsgeschlecht stammenden und späteren Fürsterzbischof von Salzburg Paris Graf Lodron, der nicht nur die Stadt befestigen, sondern auch das Itzlinger Moos im Norden der Residenz entwässern ließ, im Glauben, damit die giftigen und für die Pest verantwortlichen Nebel beseitigen zu können. Paracelsus ist nun der dritte "Patron" einer Salzburger Hochschule - vielleicht der erste moderne Arzt, auf jeden Fall eine vielschichtige und hochinteressante Persönlichkeit.

Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, war Naturwissenschaftler, Laientheologe, Astrologe, Alchemist und wahrscheinlich einer der ersten modernen Ärzte des Abendlandes. Im Jahre 1493 bei Einsiedeln im heutigen Kanton Schwyz geboren, studierte er wie sein Vater Medizin – in Basel, Wien und Ferrara und höchstwahrscheinlich noch in einigen anderen Städten Europas. Als Arzt wandte er sich u.a. gegen Avicenna, dessen Schriften bis in das 17. Jhdt. als wichtige Werke der Medizin galten, und gegen die traditionelle galenische Tradition der Vier-Säfte-Theorie (Humoralpathologie), als Laienprediger geißelte er kirchliche und soziale Missstände.

Für Paracelsus sollte ein Arzt fähig sein, Himmel und Erde in einem Mikrokosmos zusammen zu fassen, astronomische Beschaffenheiten zu verstehen, Kenntnisse in der Alchemie zu haben und in Bezug auf die Patienten redlich und gewissenhaft zu handeln. Er war überzeugt, dass sich jede Krankheit auf fünf Ursachen zurückführen lässt: Gestirnseinflüsse, aufgenommene Krankheitserreger (Giftstoffe), vorherbestimmte Faktoren (Konstitution, Vererbung), spirituelle (seelische?) Wirkungen und direkte göttliche Macht. Ein kranker Mensch litt seiner Ansicht nach an einem Ungleichgewicht von drei grundlegenden Substanzen, nämlich Schwefel, Quecksilber und Salz. Die Therapie sah konsequenterweise eine Wiederherstellung des Gleichgewichts vor.

Daneben versuchte Paracelsus aus vielen Pflanzen Wirkstoffe bzw. heilkräftige Extrakte zu gewinnen. Gleichsam stellte er Arzneien nach der Signaturlehre bzw. hermetischen Prinzipien her. Dabei werden Pflanzen nach dem Geruch, dem Geschmack, der Farbe, der Gestalt und Beschaffenheit auf Ähnlichkeiten, Verwandtschaften und innere Zusammenhänge mit menschlichen Organen bzw. Körperteilen verglichen. Er provozierte seine Kollegenschaft wie die damalige akademische Welt, weil er als einer der ersten Gelehrten in seiner Muttersprache, auf Deutsch lehrte – auch das allgemeine Volk hatte, wie er glaubte, ein Anrecht darauf, seine Vorlesungen wie auch die Bücher zu verstehen.

Syphilis, „Mal des Naples“ oder die „Frantzosen-Krankheit“ - in der Behandlung dieser Krankheit ging Paracelsus ebenfalls einen anderen Weg. Allerdings gab es vor ihm schon einen Mediziner namens Girolamo Fracastoro (um 1476-1553), der eine völlig neue Theorie in Bezug auf ansteckende Krankheiten wie Pest und Syphilis entwickelte. Im Gegensatz zu der althergebrachten Anschauung, wonach sich die Pest durch giftige Ausdünstungen der Erde, so genannten Miasmen, ausbreitete, glaubte Fracastoro an winzige, nicht sichtbare Krankheitskeime („seminaria morbi“), die er für die Übertragung der Seuche verantwortlich machte.

Sein Lehrgedicht „Syphilis sive morbus gallicus“ galt lange als eines der bekanntesten Gedichte der Renaissance – in poetischer Form beschrieb er die Krankheit und benannte sie nach dem Schäfer Syphilus (gr. „syphilos“ = „Schweine liebend“). In der antiken Mythe wird Syphilus in Folge einer Gotteslästerung von Apollo mit der schrecklichen Krankheit bestraft. Paracelsus war überzeugt, dass diese Krankheit durch den Geschlechtakt eines aussätzigen (lebrakranken) Mannes mit einer von „Morbus venereus“ befallenen (tripperkranken) Frau entstand.

Neben anderen „Therapien“ (Hunger- und Durstkuren, starke Abführmittel, hoch dosierte Quecksilberkuren) galt im frühen 16. Jahrhundert die „Guajak-Kur“ als wirksamstes Mittel, wobei das aus Amerika importierte Holz in der Beschaffung nicht für jeden Menschen erschwinglich war. Paracelsus machte sich beim Salzburger Fürsterzbischof Matthias Lang aus zweierlei Gründen unbeliebt: Zum einen stand der Feld- und Wanderarzt in Verdacht die „Pauren widerspenstig“ gemacht zu haben. Zum anderen bezweifelte er den Erfolg der „Guajak-Kur“ bzw. überhaupt einen heilenden Effekt des Holzes.

Was Paracelsus höchst¬wahrscheinlich nicht wusste: Die Fugger spielten im Überseehandel eine große Rolle, das Augsburger Handels- und Bankhaus versorgte Mitteleuropa mit den gewünschten Waren, unter anderem mit dem Guajakholz. Als Maximilian I. seinen ehemaligen Sekretär Matthias Lang als Leiter einer Delegation nach Spanien schickte, um das „Heilige Holz“ zu begutachten bzw. den Ruf des Heilmittels zu untersuchen, kehrte der ebenfalls aus Augsburg stammende und den Fuggern freundschaftlich gesinnte Lang mit einer positiven Nachricht zurück. Dem Arzt der Armen und Gelehrten blieb nur die Flucht.

Nichtsdestotrotz ließ Paracelsus 1529 und ein Jahr später in Nürnberg entsprechende Schriften gegen die herkömmlichen Behandlungsmethoden drucken. In ihnen nahm er auch eindeutig gegen die „Guajak-Kur“ Stellung. Wie Fracastoro glaubte Paracelsus an winzig kleine Erreger als Auslöser der Krankheit, sowie an mehrere Übertragungsformen – die Vererbung von Krankheiten schloss er dezidiert nicht aus. In diesen Schriften beschrieb er eine Therapieform mit einer nicht toxischen Quecksilbermenge – ein Heilverfahren, das, nebenbei erwähnt, bis ins frühe 20. Jahrhundert angewendet wurde!

Durch seine Schriften fühlten sich nicht wenige Ärzte bloßgestellt, eine weitere, schon angekündigte Publikation von Paracelsus wollten sie deshalb unter allen Umständen verhindern. Paracelsus spürte den Zweifel und lud seine Kontrahenten zu „öffentlicher Disputation“ ein – vergebens. Der Nürnberger Senat untersagte auf Anraten des Dekans der medizinischen Fakultät, Prof. Heinrich Stromer, die Herausgabe des dritten „Bandes“. Dass der Dekan ebenfalls gut Kontakte zu der Augsburger Handelsdynastie hatte, dürfte sein vernichtendes Gutachten gegenüber Paracelsus wohl beeinflusst haben…

Nachdem er 1537 seine Kenntnisse in der Schrift „Astronomia Magna“ niederschrieb, zog er – wahrscheinlich auf Einladung des bayerischen Fürsten – im Jahre 1541 nach Salzburg, wo er überraschend am 24. September des gleichen Jahres starb. In seinen Gebeinen wurden sehr hohe Konzentrationen von Quecksilber gefunden. So starb er vermutlich auf der Suche nach geeigneten und wirkungsvollen Heilmitteln an seinen eigenen Forschungen.

Sein weiser Spruch „Dosis sola venenum facit“ – „Allein die Menge macht das Gift“ ist in die Geschichte eingegangen. Aus heutiger Sicht konnte er möglicherweise die Menge an Quecksilber, mit der er experimentierte, noch nicht genau einschätzen. Obwohl er die schädlichen Folgen einer Überdosis mehrmals beschrieb, starb er genau daran.

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