Samstag, 04.04.2026 15:44 Uhr

Durchdringung von P. Staff

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Bonn, 27.02.2026, 19:41 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 4623x gelesen
Raum 1: Minimum World, 2025
Raum 1: Minimum World, 2025  Bild: Kurt Lehberger

Bonn [ENA] Der Bonner Kunstverein zeigt mit „Durchdringung“ die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstler*in, Filmemacher*in und Dichter*in P. Staff in Deutschland. In vier Räumen werden drei Videoinstallationen und Inkjet Prints von P. Staff gezeigt.

Mit synthetischen Farben und Röntgenstrahlen gelingt das Durchleuchten und das Sichtbarwerden des Körpers. Aus der Opazität des Körpers wird eine Transparenz möglich. Die Medizin, die Naturwissenschaften, aber auch die Industrie und das Militär bedienen sich der durchdringenden Möglichkeiten, um das Leben zu verbessern, aber auch um es zu kontrollieren. Das menschliche Skelett wird durch die Röntgentechnik sichtbar. Die einzelnen Knochen können isoliert betrachtet werden. Im Video „Skeleton“ wird diese Sichtbarmachung in der Kunstform mit synthetischen Farben abstrakt gezeigt und mit Ton unterlegt. Der Soundtrack beruht auf wechselnden Basstönen mit Geräuschen von Operationen, Farbstrahlungen in der Fabrik und oftmals unbestimmten Tönen.

Gewalt und Handlungsfähigkeit stehen im Mittelpunkt von P. Staffs Arbeit. Mit der Durchdringung besteht die Gefahr, binäre, essentialistische Geschlechtereinteilung zu verfestigen und die eigene Identität zu schwächen. Im Raum 3 werden kräuterbasierte Substanzen, die testosteronhemmend wirken sollen, in der Luft ausgebracht. Der Nebel greift in den Hormonhaushalt ein und das Opfer wird „weniger männlich“ in seinem Verhalten. Gewalt durch Manipulation mit chemischen Stoffen, die uns durchdringen. Eine Gedankenverbindung mit dem Einsatz von Giftgas im 1. Weltkrieg oder mit dem Einsatz von Zyklon B zum Massenmord in den Gaskammern kann entstehen.

Die Videoinstallation Penetration (2025) zeigt eine Person, die still steht und von einem grünen Laserstrahl berührt wird. Der Strahl scheint ihn zu durchdringen. Krieg und Gewalt sind wieder zurückgekehrt nach Europa. Die Soldaten werden ähnlich wie im Video anvisiert und real mit Kugeln aus nachtsichtfähigen Waffen durchdrungen. Der erste Raum der Ausstellung ist ein ca. 50 Meter langer Flur, wie ein Tunnel, der durchschritten werden muss. Am Ende sieht man den Ausgang. Helles, weißes, grelles Licht wird auf beiden Seiten der Wände, links und rechts zeitgleich, über getaktete LED-Leuchten eingestrahlt. Dazu laufen Ventilatoren, die Luft aufwirbeln und den Luftstrom leicht wahrnehmbar gegen den Besucher richten.

Raum 1: Minimum World, 2025
Raum 2: Skeleton, 2025
Raum 4: Penetration, 2025

Zwanzig bis dreißig Mal in 10 Sekunden flackert das grelle Licht wie ein Blitzgewitter, mal rechts und links gleichzeitig, dann mal versetzt, mal links, dann rechts. Ein Leuchtbild sendet Wörter, in weißem Licht: No, back, you, you are open. Die Installation in Raum 1 hat den Titel „Minimum World“. Sie ist eine im Jahr 2025 geschaffene Lichterinstallation mit Hologramm-Ventilatoren und Video.

Im zweiten Raum tauchen wir ein in einen rosaroten Raum. Die Farbe ist allgegenwärtig, Die Wände in hellrosa, die Decke ich leuchtendem Rosa, der Fußboden in etwas dunklem Rosa. Rosa durchdringt den Besucher. In der Mitte des Raumes bewegen sich Bilder auf der Leinwand. Alles ist rosa bis rot. Gezeigt werden knochenähnliche Gebilde, die sich von oben nach unten oder von links nach rechts bewegen. In 16 Minuten werden die Knochen des menschlichen Skeletts präsentiert. Der Sound, der mal brutal, mal durchaus poetisch und meditativ wirkt, begleitet diese Reise durch die menschliche Natur. Raum 2 Skeleton, 2025 HD-Video.

Im dritten Raum werden unsere Seh- und Riechorgane gefordert. Der Raum ist eingenebelt mit trübem Gas, das angenehm nach Kräutern riecht. Eindringlich ist der Stoff, man kann sich ihm nicht entziehen. An einer Wand ist ein Gedicht zu sehen. Die Installation trägt den Titel: Hormonal Fog. Die verwendeten Mittel sind Nebelmaschine und Kräutertinktur. Das Gedicht „Minimum World“ bestehet aus mehreren Inkjet Prints auf rosa Papier. Zu lesen ist: „with no go back you are o p e n e d “.

Im vierten und letzten Raum ist eine männliche Figur auf der Leinwand zu sehen, die von einem Laserstrahl getroffen wird. Es erinnert an eine Kriegsszene. Der Lichtpunkt könnte tödlich sein. Dazu sind Geräusche zu hören, die eindringlich sind und denen man sich nicht entziehen kann. Die Videoinstallation dauert 20 Minuten und zeigt verschiedene Perspektiven der Figur. Der Lichtpunkt des Lasers variiert, bleibt aber erhalten. Penetration, 2025 HD Video, Farben, 5.1 Surround Sound.

P. Staff wurde 1987 in Großbritannien geboren. Als Transgender werden die Pronomen sie/ihnen, they/them verwendet. Ausgewählte Ausstellungen: Kunsthalle Basel, Switzerland (2023); Irish Museum of Modern Art, Dublin (2019); Museum of Contemporary Art, Los Angeles (2017); Contemporary Art Gallery, Vancouver, Canada (2016); Chisenhale Gallery, London, UK (2015); The Showroom Gallery, London, UK (2014); Monte Vista Projects, Los Angeles (2012). Ausstellung: Durchdringung von P. Staff. 11. Oktober 2025 – 8. März 2026. https://bonner-kunstverein.de/de/

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