Sonntag, 02.08.2026 22:16 Uhr

Die Odyssee im Kino

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt am Main, 02.08.2026, 20:02 Uhr
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Die Blendung des Riesen Polyphem durch Odysseus (Schale 6. Jhd. v. Chr.), BNF
Die Blendung des Riesen Polyphem durch Odysseus (Schale 6. Jhd. v. Chr.), BNF  Bild: Kurt Lehberger

Frankfurt am Main [ENA] Die Odyssee steht für die zehnjährige und gefährliche Heimreise, die Odysseus, der König von Ithaka, nach dem Sieg des Trojanischen Krieges antritt. Seine Rückkehr in die Heimat ist aufgrund des Zorns Poseidons, den er durch die Blendung seines Sohnes verursacht hat, sehr beschwerlich.

Das Meer, die Spielwiese des Poseidon, erhält eine zentrale Bedeutung im Film. Es ist mal gefährlich aufgewühlt, mal friedlich, ruhig und mit leichten Wellen. Die Griechen geraten auf der Rückfahrt in einen starken Sturm. Aufpeitschende Wellen treffen das Schiff, Männer gehen über Bord. Die schweren, langen Holzruder reißen aus der Verankerung, das rote Hauptsegel wird zerfetzt, der Mast bricht, das Schiff zerschellt an den Felsen, sinkt und mit ihm die Mannschaft. Odysseus kann sich an einem Holzbalken klammern und gelangt nach Tagen auf die Insel Ogygia. Hier ist das Meer friedlich. Das Meer mit sanften, gleichförmigen Wellen bis zum Horizont und ein kilometerlanger, breiter weißer Sandstrand liegen vor Odysseus.

Das sorgt auch im Kino bei den Zuschauern*innen für Entspannung. Auf dieser paradiesischen Insel lebt die schöne Nymphe Kalypso. Hier verbringt Odyseus sieben Jahre unter ihrer fürsorglichen Obhut. Sie hat ihn aufgenommen, gesund gepflegt und ihn geliebt. Sie hat ihm die Lotusblüten gereicht, die ihn erst von den Schmerzen befreit haben, dann ihm die Erinnerungen beraubt haben. Nun möchte sich Odysseus erinnern: was war passiert? wo sind meine Männer? Was ist in Ithaka passiert? Wie geht es meiner Frau Penelope, meinem Sohn Telemachos? Kalypso ist eher Mensch statt Göttin. Sie und Oysseus sprechen miteinander als wären sie ein Liebespaar.

Am Anfang des Filmes wird der Krieg gegen Troja gezeigt. Die List, von Oysseus ersonnen, besteht in dem Trojanischen Pferd. Das Trojanische Pferd, in dem sich Odysseus und seine Männer verstecken, wird in die Stadt Troja gezogen. Das hölzerne Pferd wird durch Hunderte von Trojanern mit Seilen über Rundhölzern, die auf der Erde aufgereiht sind, gezogen. In der Nacht klettern die Griechen aus dem Pferd und töten die Wachsoldaten in der Stadt. Die Szenen sind Mann-zu-Mann Kämpfe mit Schwertern, Pfeil und Bogen und Speeren. Die Bilder sind weniger grausam als in den Krimis im Fernsehen. Der Film ist freigegeben ab 12 Jahre.

Selbst die Blendung des Riesen Polyphem, ein glühender Olivenholzpfahl wird ihm in sein einziges Auge gestoßen, verzichtet auf unnötig grausame Bilder. Schrecksekunden sind die Szenen, in denen das einäugige Monster, ein Sohn des Meeresgottes Poseidon, die Menschen ergreift und sie entweder verschlingt oder gegen die Felswand wirft. Auch hier sind die einzelnen Bilder nicht übertrieben schockierend oder abstoßend. Ähnliche Schrecksekunden gab es in dem Film Jabberwocky, 1977, als der Drache durch die Bäume von oben die Menschen ergriff. In Odyssee bereitet die Skilla erneut die Schrecksekunde. Sie ist ein Ungeheuer mit sechs Schlangenhälsen, die in kürzester Zeit sechs Weggefährten von Odysseus schnappen und in ihren Mäulern zermalmen.

Zuvor hat Odysseus die Gesänge der Sirenen überstanden. Der betörende Gesang zeigt seine Wirkung. Ein Grieche nimmt das Wachs aus seinen Ohren und wird von dem Gesang der Sirenen verführt, verliert die Kontrolle und springt von dem Gesang verführt und des Verstandes beraubt über Bord, ins Meer, in den Tod. Odysseus ließ sich an den Mast binden und befahl während der Sirenengesänge seinen Bitten und Flehen nicht nachzugeben. So konnte Odyseus den Gesang hören und doch überleben.

„Die Abenteuer, die Odysseus besteht, sind allesamt gefahrvolle Lockungen, die das Selbst aus der Bahn seiner Logik herausziehen... das Organ des Selbst, Abenteuer zu bestehen, sich wegzuwerfen, um sich zu erhalten, ist die List. Der Seefahrer übervorteilt die Naturgottheiten wie einmal der zivilisierte Reisende die Wilden, denen er bunter Glasperlen für Elfenbein anbietet.“ (Adorno/Horkheimer). Die Geschlechterdarstellung im Film ist erwähnenswert. Die Frauen sind den Männern gleichwertig dargestellt. Christopher Nolan, Drehbuchautor und Regisseur, verzichtet auf sexualisierte weibliche Figuren und auf Sexszenen. Penelope ist eine starke Frau. Sie regierte über zwanzig Jahre das Königreich während der Abwesenheit Odysseus.

Sie widersetzt sich seit zwei Jahren den Annäherungen der Freier. Sie liebt Odyseus, weiß aber nicht, ob er noch lebt und jemals zurückkommen wird. Die Freier verbreiten Gerüchte, Odyseus sei tot, um Penelope davon zu überzeugen, dass sie einen Freier auswählen soll, damit dieser König von Ikarus werde. Penelope wohnt im Palast in einer dem Bankettsaal erhöht liegenden Wohnung, die durch eine große, durchsichtige Schiebetür zum Bankettsaal getrennt ist. Sie überschaut das Treiben der Freier, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Als Odysseus zurückkehrt, tötet er die Freier und verbringt die Zukunft in gegenseitiger Liebe mit Penelope an einem neuen Ort im Exil.

Das Menschenbild in der Antike ist anders als heute. Mut und Tapferkeit sind in den Kriegszeiten die wichtigsten Tugenden. Odysseus verkörpert diese Tugenden. Dazu verfügt er auch über die Tugenden Besonnenheit, Freigebigkeit und Milde oder Gerechtigkeit und er ist ein geübter, geschickter und starker Kämpfer. Die Dialoge sind teilweise zu individualistisch für die Zeit der Antike ca. 800 vor unserer Zeitrechnung. Die Götter sind Teil des Lebens und bestimmen das Schicksal. Der Glaube an die Determiniertheit ist stärker als die eigene Verantwortlichkeit im Handeln. Die gezeigte Selbstreflexion von Osysseus hat es in der Antike in dieser Art und Weise eher nicht gegeben.

Der Film ist unterhaltsam und kurzweilig. Die 252 Minuten Dauer sind dicht gefüllt mit spannenden Ereignissen. Die Handlung regt zum Nachdenken über Krieg an. Odysseus ist von den Kriegserlebnissen gezeichnet und traumatisiert. Kriege sind das Schlechteste, das wir haben können. Informationen zum Film: Regisseur: Christopher Nolan; Schauspieler*innen: Odysseus, Matt Damon; Penelope, Anne Hathaway; Telemachos, Sohn von Odysseus, Tom Holland; Antinoos, Freier, Robert Pattinson; Christopher Nolans Film Die Odyssee (2026) ist in Deutschland von der FSK ab 12 Jahren freigegeben.

Literatur: Die Odyssee von Homer (Autor) in Sagen des klassischen Altertums von Gustav Schwab (Autor), 2011 Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer (Autor), Theodor W. Adorno (Autor), 23. Auflage 2017, Exkurs 1: Odysseus oder Mythos und Aufklärung, das Zitat im Text ist den Seiten 53 und 55 entnommen.

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