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Die Kirchenfenster von Marc Chagall in Reims

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Reims, 22.09.2024, 14:51 Uhr
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Chagall-Fenster in der Kathedrale Notre-Dame de Reims
Chagall-Fenster in der Kathedrale Notre-Dame de Reims   Bild: Kurt Lehberger

Reims [ENA] Bereits 1957 hatte Marc Chagall den Glasmaler Charles Marq in Reims kennengelernt. Im Jahre 1968 erhielt Marc Chagall den Auftrag, Kirchenfenster in der Kathedrale von Reims anzufertigen. Er arbeitet sechs Jahre zusammen mit der Glasmalerei-Werkstatt Simon-Marq an diesem Kunstwerk.

Er schuf drei Fenster. Das linke stellt die Genealogie Christus dar. Es zeigt den Baum Jesse, den Stammbaum Jesus. Im Einzelnen wird gezeigt: Die Propheten sagen die Ankunft Jesus voraus, Maria mit dem Kind, betende Menschen, David mit der Harfe, Salomon als Richter, Saul, der abgesetzte König, Jesse (Isai), der Vater von König David, der Ursprung des Stammbaumes der Könige Judas. Das mittlere Fenster zeigt die bedeutenden Figuren des Alten und des Neuen Testaments, Abraham und Jesus. Im Einzelnen zeigen die Bilder: Jesus entsteigt dem Grab - die Auferstehung, die Kreuzabnahme, Jesus am Kreuz, Abraham und Melchisedek, das Opfer Isaaks, Abraham erhält den Besuch der drei Engel in Mambre, Isaak segnet Jakob, Jakobs Traum.

Ganz unten: Abrahams Vision von seinem Bund mit Jahve. In der oberen Rosette wird die Ausschüttung des Heiligen Geistes gezeigt. Das rechte Fenster zeigt die Könige Frankreichs, die in der Kathedrale geweiht wurden. Beginnend mit der Taufe Chlodwigs (466 – 511), der erste König von Frankreich folgen die Könige Judas. Im Einzelnen wird gezeigt: Die Parablen vom guten Samariter als Vorbild für die irdischen Könige, Ludwig als Richter, Königsweihe von Karl VII. in Gegenwart der Jungfrau von Orlean, Königsweihe des jungen heiligen Ludwig (Ludwig IX am 1226) in Reims, die Taufe Clodwigs durch den heiligen Remigius in Reims (507).

Die Impressionen der Fenster: das Blau des Himmels und des Meeres ist die Grundfarbe der Fenster. Dieses Blau wurde schon im 12. Jahrhundert verwendet und konnte von der Glasmalerei-Werkstatt Marq wieder hergestellt werden. Das kräftige Rot scheint hell und wirkt fast schon alarmierend. Marc Chagall verwendet es für Figuren und Bilder, deren Bedeutung besonders hervorgehoben werden soll. Ein Beispiel ist die Auferstehung Jesus im mittleren Fenster. Ein weiteres Beispiel ist die Königsweihe des heiligen Ludwigs. Grün und Gelb strahlen Ruhe und Frieden aus. Sie sorgen für Abwechslung in dem gesamten Farbbild.

Ein Beispiel in Grün ist die Darstellung der heiligen Jungfrau Maria mit dem Jesuskind. Ein weiteres Beispiel ist die Königsweihe von Karl VII. (1429) in Reims und in Gegenwart der Jungfrau von Orléan (Jeanne d'Arc). Marc Chagall (1887-1985) war ein französischer Maler und lebte in Paris, St. Petersburg, Berlin und New York. Er wurde in Russland geboren. Sein jüdischer Name ist Moishe Shagal. Verfolgung, Flucht und Exil bestimmen die 30er und 40er Jahre von Chagall. Sein ganzes Leben war geprägt von seiner Kindheitserinnerung an die russische Heimatstadt Witebsk. Zeitlebens hatte Chagall eine tiefe Sehnsucht nach seiner verlorenen und zerstörten Heimat. Die erste Flucht unternahm er 1922 aus Russland nach Berlin.

Bereits ein Jahr später im Jahr 1923 siedelte Marc Chagall nach Paris und 1941 flüchtete er vor den Nazis in die USA. Nach dem Krieg zeigt Marc Chagall Optimismus. Er zeichnet sich aus durch seine expressionistischen Bilder und durch seine biblischen Motive in seinen Kunstwerken. Am 8. Juli 1962 besiegelten hier in der Kathedrale von Reims de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer die Wiederversöhnung Frankreichs mit Deutschland.

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