Auf der Suche nach Ludwigs Ring
Berlin [ENA] Gold, tiefblaue Emaille, Diamanten und ein gekröntes „L“: So sieht ein Ring aus, den König Ludwig II. verschenkt haben könnte. Doch ist er wirklich königlich – oder nur eine besonders schöne Geschichte? Eine Spurensuche zwischen Original, Erinnerung und geschickter Nachahmung.
Es war eigentlich ein einfacher Gedanke: Warum nicht einmal einen Ring kaufen, wie Ludwig II. ihn verschenkt haben könnte? Im Handel begegnet einem immer wieder ein verführerischer Typ: Gold, tiefblaue Emaille, ein gekröntes „L“, ringsum Diamanten, an den Seiten zwei geflügelte Frauen. Ein Ring, der auf den ersten Blick „Ludwig“ sagt. Aber ist er es auch? Solche Ringe sind tatsächlich überliefert. Hermann Historica versteigerte 2021 ein um 1880 datiertes Exemplar und verwies auf einen 2005 versteigerten Ring, den das Haus als Geschenk Ludwigs an seinen Vetter Prinz Alfons von Bayern bezeichnete. Alfons war tatsächlich Ludwigs Vetter ersten Grades. Eine lückenlose Provenienz dieses Stücks konnte ich bislang jedoch nicht finden.
Den einen Ludwig-Ring gab es nicht
Dass Ludwig Ringe verschenkte, ist sicher. Richard Wagner berichtet selbst von einem Ring, den ihm Pfistermeister 1864 im Auftrag des Königs überbrachte. Hans von Bülow erhielt 1872 einen Brillantring, Josef Kainz 1881 einen Ring mit Saphiren und Diamanten. Einen einheitlichen Geschenkring gab es also offenbar nicht. Das blaue „L“ passt dennoch in Ludwigs Welt: Das verschlungene Doppel-L unter der Königskrone verwendete er auch auf persönlichen Gegenständen; ein um 1870 entstandener Geschirrsatz trägt es sogar in Blau. Ob Ludwig den Ringtyp selbst entwarf oder beeinflusste, ist unbekannt. Anders als bei seinen Bauten und Ausstattungen ist bislang keine entsprechende Anweisung oder Entwurfszeichnung bekannt.
Und die barbusigen Damen?
Auch über die beiden geflügelten, teils barbusigen Frauen bin ich gestolpert – nicht zuletzt mit Blick auf Ludwigs Homophilie. Doch weibliche Hermen waren ein verbreitetes Dekorationsmotiv des Historismus und dienten als figürliche Träger; Vergleichbares findet sich auch ohne Bezug zu Ludwig. Besonders aufschlussreich ist deshalb ein 2025 angebotener alter Goldring mit solchen Frauen, blauer Emaille und gekröntem „L“. Das Auktionshaus stellte fest, dass mindestens Emaille und „L“ neuzeitlich ergänzt worden waren, während die Frauen zum älteren Ringkörper gehörten. Ein alter Ring war also offenbar nachträglich zum „Ludwig-Ring“ geworden.
Original, Souvenir oder Fälschung?
Doch Vorsicht: Nicht jeder spätere Ludwig-Ring ist deshalb eine Fälschung. Schon nach seinem Tod 1886 wurde der Ringtyp als Erinnerungsstück beliebt und später immer wieder aufgegriffen. Es gibt historische Souvenirs, Nachahmungen und moderne Repliken – darunter sogar hochwertige Stücke aus Gold und Diamanten. Ein Münchner Exemplar ist etwa aus der Zeit um 1960 bekannt. Solche Ringe können durchaus sammelwürdig sein. Zum Problem werden sie erst, wenn aus einem späteren Erinnerungsstück in der Überlieferung plötzlich ein persönliches Geschenk des Königs wird.
Erst die Geschichte prüfen, dann den Ring
Dass sich der Typ überzeugend nachahmen lässt, zeigt auch ein 2012 bei Christie’s angebotener Ring: blaues Email, gekröntes L, Diamanten und geflügelte Hermen – ausdrücklich als modern bezeichnet. Das Auge allein hilft also nicht weiter. Wer einen solchen Ring kaufen möchte, sollte deshalb zuerst nach seiner Geschichte fragen: Wer soll ihn erhalten haben? Gibt es Rechnungen, Briefe, Nachlassunterlagen oder eine nachvollziehbare Besitzfolge? Erst danach werden Punzen, Goldgehalt, Steine und Emaille interessant. Auch Wörter wie „zugeschrieben“, „später“ oder „im Stil“ in Auktionsbeschreibungen sollte man sehr ernst nehmen. Bei einem kostspieligen Stück würde ich zudem Provenienz und Schmuck unabhängig prüfen lassen.
Meine Suche ist damit nicht beendet. Auch ein späterer Gedenkring kann reizvoll und durchaus wertvoll sein: Gold und echte Diamanten können schon für sich einen erheblichen Materialwert besitzen. Für den deutlich höheren Preis eines persönlichen Geschenks Ludwigs möchte ich aber mehr als Edelmetall, blaues Email und ein gekröntes „L“ sehen – nämlich eine Herkunft, die sich belegen lässt. Denn Gold lässt sich wiegen und Diamanten lassen sich prüfen. Bei der königlichen Geschichte wird es schwieriger. Bis dahin bleibt mein Ringfinger lieber noch frei. Weitere Informationen auf www.Ludwigiana.de




















































