Freitag, 03.07.2020 15:56 Uhr

Morituri te salutant

Verantwortlicher Autor: Dieter Kurt Berlin, 02.06.2020, 00:31 Uhr
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Reale Distanz erzeugt soziale Isolation
Reale Distanz erzeugt soziale Isolation  Bild: Riesenberg

Berlin [ENA] Mittlerweile sind die Begriffe "Corona" oder "COVID-19" auf gutem Weg zu meist gebrauchten Wörtern des Jahres 2020 zu werden. So werden sie sich tief ins Gedächtnis der Menschen einprägen - auch bei jenen, welche den Angriff durch den weltweit agierenden, unsichtbaren Feind schadlos überlebt haben.

Der Ausbruch der Infektion durch eine neue Form von Coronaviren wurde eigentlich durch die Mehrheit der deutschen Bevölkerung erst wahrgenommen, als der Beginn der Erkrankungswelle den lokalen epidemischen Status schon verlassen hatte und sich stetig zu einer Pandemie weiter entwickelte. Wenn man das Geschehen aus der nachträglichen Betrachtung beurteilt, muss man feststellen, dass fast die gesamten begleitenden Maßnahmen mehr aus Aktion und Reaktion bestanden als auf der Basis einer vorausschauenden präventiven Katastrophenprophylaxe. Natürlich ist es immer einfacher, nach einem Ereignis über richtige oder falsche Entscheidungen zu urteilen - vor allem dann, wenn man diese selbst nicht treffen musste.

Ab dem letzten Drittel des Monats Januar wuchsen die Meldungen über die unbekannte Viruserkrankung stetig an und nachdem man sich dafür auf die Bezeichnung "Covid-19" geeinigt hatte, wurden in den folgenden Tagen und Wochen alle Informationen in den elektronischen sowie Printmedien von dieser Thematik beherrscht. Die bis dahin dominierenden Diskussionen über Umweltprobleme, Flüchtlingspolitik, Finanz- und andere Krisen verschwanden irgendwie aus dem Blickfeld. Die Politiker aller Parteien waren sich sofort einig, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und der Gesundheitsschutz und die Gewährleistung der Sicherheit oberste Priorität haben. Einwände einiger "Unbelehrbarer" wurden gnadenlos ethisch und moralisch verurteilt.

Jetzt waren "Fachleute" gefragt! Noch besser Spezialisten, deren Fachwissen möglichst genau auf die sich anbahnenden Katastrophen-Szenarien ausgerichtet sein sollten. Eigentlich ein guter Vorsatz - nur hätte man bereits viele Jahre zuvor bereits das Augenmerk auf einen wirksamen Katastrophenschutz gesetzt, wären sicher viele unnötige Fehlentscheidungen vermeidbar gewesen. Fast jeder wird jetzt sagen:"Hinterher ist man immer klüger. Vor allem dann, wenn man keine Ahnung vom Geschehen hat!" Dem ist jedoch nicht ganz so. Der Autor hat viele Jahre nicht nur wissenschaftlich gearbeitet, sondern darüber hinaus auch in der Planung und Sicherung medizinischer Versorgung.

So sollte man nicht verwundert sein, dass durch die unverhoffte, großflächige Einbindung renommierter Wissenschaftler gleichermaßen auch eine große öffentlich Bühne zur Profilierung geschaffen wurde. Vor alle auch dadurch, dass die zweifellos wichtige wissenschaftlich notwendige Beratung in den Medien abgespult wurde. Jeden Tag mehrere Sondersendungen und Talkshows zum Coronavirus. Darüber hinaus Podcasts, Blogs und jede Menge Einzelbeiträge in Foren und bei Youtube. Und ab da wurde es für den "normalen Menschen" schwer, sich im Dickicht der unterschiedlichen Meinungen, die ungefiltert aufeinander prallten, zurecht zu finden. Nehmen wir ein einfaches Beispiel, welches auch mich gleich zum Beginn der Corona-Diskussion etwas irritiert hat:

Der Einsatz eines Mund-Nasen-Schutzes (im Volksmund auch als "Maske" bezeichnet) wurde in vielen Beiträgen als unwirksam und sinnlos beschrieben. Das war schon "starker Tobak". Ein Medizinstudent lernt spätestens wenn er erstmalig in einem kontaminierten Bereich oder bei einem operativen Eingriff zuschauen darf, dass ein MNS Pflicht ist. In den Beiträgen und selbst in den Expertenrunden wurde ernsthaft darüber lamentiert, dass keinerlei Schutzwirkung zu erzielen sei. (In der Abbildung ist ein zertifizierter MNS zu sehen, der eine Partikelgröße bis 0,1 Mikrometer zurückhält. Das Coronavirus ist im Durchschnitt sogar etwas größer.). Ehrlicher wäre es gewesen, wenn man eingestanden hätte, dass eine Versorgung zum Zeitpunkt unmöglich war.

Aber bis zum heutigen Tag geht es ja irgendwie so weiter. Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte zügig täglich sogenannte Statistiken. "Sogenannte" deshalb, da es mit Statistik im mathematisch-analytischem Sinn nichts zu tun hat. Es ist bestenfalls eine Momentaufnahme der Situation in absoluten Zahlen, die den ungeübten Betrachter vielleicht beeindrucken, besonders dann, wenn die Zahlen mehr als vierstellig oder sogar sechsstellig werden. Deshalb stellt man die Entwicklung auch nicht prozentual dar. Ich werde in meinem nächsten Beitrag genau auf diesen Umstand eingehen, der doch einer genaueren Betrachtung bedarf. Wenn man schon Zahlen als Ausgangslage nimmt, von denen man weiss, dass sie nicht stimmen, sollte man darauf verweisen.

Es gibt aber auch irgendwie unfreiwillige Komik, die das Leben in diesen Zeiten zeigt. Hätten Sie sich vorstellen können, dass man dazu aufgefordert wird, sich vor dem Betreten einer Bankfiliale zu "maskieren"? Ich nicht, ist aber Tatsache. Die Folgen dieser abrupten Ruhephase unseres gesellschaftlichen Lebens werden sich erst in der Zukunft zeigen. In nicht allzu ferner. Langsam wird der Sand im Getriebe der Wirtschaft einige Räder still stehen lassen. Manches wird fast unbemerkt verschwinden (wie gegenwärtig das alte Hansa-Theater in Berlin), vieles wird jedoch stärker spürbar werden z.B. im Tourismusbereich und jegliche damit verknüpfte Industrie. Jetzt sind wieder die Propheten in der Politik am Zug.

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