Mittwoch, 18.10.2017 13:12 Uhr

Lipödem

Verantwortlicher Autor: Peter-G. Rademacher ENA Oliver Schöpf DVPJ Teningen, 12.10.2017, 08:00 Uhr
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Teningen [ENA] n Zeiten von Körperkult und Bodyshaping ist die Diagnose Lipödem eine äußerst niederschmetternde Nachricht für die Frau. Diese Art der Ausbildung von Fettgewebe an den Extremitäten und der Hüfte drängt betroffene Frauen fast an den Rand unserer Gesellschaft, in der das körperliche Erscheinungsbild doch so wichtig geworden ist. Viele Laien erkennen fälschlicherweise eine Form der Fettleibigkeit

und verbinden dieses Leiden mit der Lebensführung und der Ernährung der betroffenen Frauen. Doch das Lipödem hat wenig mit der ernährungsbedingten Fettleibigkeit zu tun. Wie wir wissen ist die Ernährung oft verantwortlich für chronische Erkrankungen, im Falle des Lipödems trifft diese Erkenntnis nut teilweise zu. Das Lipödem lässt sich nicht entscheidend durch Diäten beeinflussen, obwohl die Umstellung auf vitalstoffreiche Nahrung und die Reduzierung von „leeren“ Kohlenhydraten die Basis darstellt um das Fortschreiten der Fetteinlagerung zu verhindern.

Die Medizin kennt nur konservative Maßnahmen wie Kompression, Lymphdrainage und gewichtsreduzierende Diäten, denn die Ursachen des Lipödems sind nicht wirklich bekannt. Es gibt jedoch Erklärungsmodelle, warum der weibliche Körper ausgerechnet an den unteren Problemzonen diese massive Entstehung von Fettgewebe ermöglicht. Es werden hormonelle Gründe diskutiert, weil diese unnormale Fetteinlagerung fast nur Frauen betrifft. Wie wir aus der empirischen Medizin wissen, lagert der Körper nicht abgebaute Stoffwechselprodukte besonders auch in den unteren Körperregionen ein.

ch ein Speicher für Energiereserven aber auch für nicht verwertete oder abgebaute Substanzen. Doch was lagert der weibliche Körper mit dieser Fettansammlung beim Lipödem ein? Wenn wir die Energieproduktion in der Zelle des Körpers betrachten wollen, sehen wir im Mittelpunkt die Mitochondrien. Es sind Zellorganellen, in denen Energieschöpfung durch „Verbrennung“ von Kohlenhydraten und Fettsäuren stattfindet. Damit dieser Vorgang so vollständig wie möglich von statten geht, sind bestimmte Co-Faktoren von Nöten.

Fehlen diese Faktoren oder sind durch toxische Substanzen blockiert, werden die Zellkraftwerke müde und „verbrennen“ die Zellnahrung nur noch teilweise. Es entsteht weniger Zellenergie und mehr Abfallprodukte. Diese Abfallprodukte müssen weiter verarbeitet oder eingelagert werden. Man nennt den Zustand müder Zellkraftwerke Mitochondriopathie. Hier entsteht ein vielschichtiger Teufelskreislauf: Es entsteht einerseits ein stetiger Energiemangel, der im Gewebe Stress hervorruft, und andererseits das Wachsen des Fettgewebes um nicht verwertete Nebenprodukte des Zellstoffwechsel einzulagern.

Der Teufelskreislauf ist deshalb vielschichtig, da Gewebsstress und der psychische Stress wiederum selbst Fetteinlagerungen begünstigen. Das ist ein evolutionäres Stressprogramm, um Energiereserven anzulegen. In der Therapie des Lipödems ist es durchaus sinnvoll durch manuelle Entstauung und mechanische Kompression die Zwischenzellflüssigkeit aus den tieferen Regionen des Körpers zu holen und dem Lymphsystem zuzuführen. Über das lymphatische Gefäßsystem lassen sich Stoffwechselprodukte wieder der Leber zum erneuten Abbau zuführen.

Flüssigkeit spielt hierbei eine große Rolle. Deswegen ist das Trinken von gutem Wasser, und nur Wasser, von größter Wichtigkeit. In der Betrachtung des weichen Bindegewebes sehen wir oft ein Verdicken des Zwischenzellwassers. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist unabdinglich. Und wenn betroffene Personen über Jahre und Jahrzehnte zu wenig trinken, muss man den Körper erst wieder an die Aufnahme von ausreichenden Mengen von Wasser gewöhnen. Auch Hormongaben wie die empfängnisverhütende Pille sind ernsthaft zu hinterfragen.

Des Weiteren gilt es den Körper von chronischer Belastung durch Gifte zu befreien, sodass die Mitochondrien wieder voll funktionsfähig werden. Gleichzeitig werden die Zellkraftwerke durch Mikronährstoffe wie passende Mineralien und pflanzliche Vitalstoffe gestärkt. Ubichinon und CoEnzym-Q10 sind die Substanzen, die direkt auf die Mitochondrien einwirken können. Magnesium und Silizium gelten als wichtige Begleitmineralien.

Für die Therapie des Lipödems und auch des verwandten Lymphödems brauchen Betroffene und Therapeuten einen langen Atem, Zeit und Geduld. Wenn das Lipödem soweit fortgeschritten ist, dass auch Gang und Haltung der Frau stark beeinträchtigt sind, ist es durchaus sinnvoll und keine Schande eine entlastende Fettabsaugung vorzunehmen. Wie schon erwähnt sind Veränderungen im Zellstoffwechsel nicht über Nacht herbeizuführen. Deswegen sind chirurgische Eingriffe oft eine brauchbare Zwischenlösung.

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