Donnerstag, 26.11.2020 10:23 Uhr

Corona, oder der schwierige Umgang mit einem Risiko

Verantwortlicher Autor: Dietmar Schwarz Berlin, 25.09.2020, 11:45 Uhr
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Berlin [ENA] Selten hat ein Thema unsere Gesellschaft so sehr gespalten, wie der Ausbruch des SARS-CoV-2 Virus (Corona-Virus) und die Folgen und Maßnahmen die sich daraus ergaben. In der Frage der Gefahreneinschätzung und der Durchführung der notwendigen Schritte zur Bewältigung dieser Herausforderung scheinen nur zwei völlig konträre Standpunkte zu existieren. Tiefe Gräben ziehen sich quer durch alle Bereiche unseres Lebens.

Vereine zerstreiten sich, Freundschaften zerbrechen und sogar im Familienkreis wird das Für und Wider der ergriffenen Maßnahmen aufs Heftigste, teils auch lautstark, diskutiert und der eigene Standpunkt voller Emotionen mit aller Vehemenz verteidigt. Wenn bei einem komplexen Thema so viele Emotionen im Spiel sind, fällt es sehr schwer sachlich zu bleiben und sehr schnell werden werden einst geschätzte Gesprächspartner, mit denen sonst jedes Thema in aller Offenheit diskutiert werden konnte, zu "Schlafschafen" oder "Covidioten".

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird es Zeit einen Blick auf die Daten und Fakten zu werfen. Als sehr gute Quellen bieten sich das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Statistische Bundesamt (DESTATIS) an, die ja auch als offizielle Organe der Regierung und des Gesundheitsministeriums gelten. Werfen wir nun einen näheren Blick auf die Zahlen die das RKI am 16.09.2020, wie jeden Mittwoch, für die Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht hat. Die offizielle Zahl der im Zusammenhang mit dem Corona-Virus verstorbenen Personen liegt bei 9.368. Die Zahl der infizierten Personen liegt bei 263.633 und die der als geheilt geltenden Personen liegt bei geschätzten 236.000. In der Kalenderwoche 37 fielen 9.675 Corona-Tests positiv aus.

Beim Blick auf die Zahlen, die durch das DESTATIS jeden Freitag veröffentlicht werden, fällt eine leichte Diskrepanz auf, was daran liegt, dass dort die Zahlen mit vierwöchiger Verzögerung veröffentlicht werden, um mögliche Fehler weitestgehend zu eliminieren. Die letzten veröffentlichten Zahlen vom 11.09.2020 zeigen also die Daten bis einschließlich KW 33. Dort wird dann die Anzahl der im Zusammenhang mit Corona verstorbenen Personen mit 9.168 angegeben, was sich in etwa mit den Zahlen des RKI deckt. Diese Zahlen, insbesondere die Zahl der verstorbenen Personen, sind natürlich erst einmal erschreckend, zumal hinter jeder Zahl ein menschliches Schicksal steht.

Für die betroffenen Personen und deren Angehörige stellt das Corona-Virus eine ernsthafte Bedrohung dar und die Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus können diesem Personenkreis verständlicherweise nicht weitreichend genug sein. Betrachtet man nun alle Zahlen im Zusammenhang mit den Gesamtzahlen, die ebenfalls veröffentlicht werden, ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Da auf das Corona-Virus in den vergangenen Jahren nicht gestest wurde, gibt es natürlich auch keine Zahlen aus der Vergangenheit, mit denen sie direkt verglichen werden können.

Also ergeben sich nur Näherungswerte bei den Vergleichen mit den vergangenen Jahren. Im Grippejahr 2018 verstarben an der Grippe, je nach Quelle, zwischen 25.000 und 30.000 Personen, was in etwa der dreifachen Menge der Corona-Opfer entspricht. Eine weitere gute Vergleichsmöglichkeit bietet die Gesamtanzahl aller verstorbenen Personen, die vom DESTATIS veröffentlicht werden. Im Jahr 2020 verstarben bis zur KW 33 insgesamt 603.387 Personen und liegt damit knapp über der Zahl von 2019 mit 599.025 und über dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 (600.449 Personen), aber deutlich unter der Zahl von 2018 (627.160 Personen).

Da im Durchschnitt in Deutschland etwa 2500 Menschen pro Tag sterben, ist die Abweichung von plus 2.938 Sterbefällen, statistisch betrachtet, vernachlässigbar gering, obwohl sie eine geringe Übersterblichkeit (0,5%), im Vergleich zur Vergangenheit, darstellt. Ein weiterer Punkt, der es wert ist, genauer betrachtet zu werden, ist die Zahl der positiven Corona-Tests von 9.675 in der KW 37. Stellt man diese Zahl in Relation zur Gesamtzahl der durchgeführten Tests von 1.120.835 Tests, ergibt sich daraus ein prozentualer Anteil von 0,86% der positiven Tests zu den Gesamttests. Ein ähnliches Ergebnis ergibt sich beim Blick auf die Vorwochen, in denen sich der prozentuale Wert seit Wochen unterhalb von 1% liegt.

Ein weiterer, äußerst emotionaler, Streitpunkt ergibt aus der Verpflichtung zum Tragen der Alltagsmasken. Zu diesem Thema ist ein wahrer Expertenkrieg ausgebrochen. Fest steht nur, dass es bis jetzt weltweit keine wissenschaftliche Untersuchung gibt, die die Wirksamkeit der Masken belegt, oder widerlegt, und daher keine zuverlässige Aussage zur Wirksamkeit der Masken möglich ist. Auch ein Blick auf die Verpackung der Masken schafft keine Klarheit, steht dort doch nur, dass Masken keinen Schutz gegen Viren bilden. Andererseits gibt es erste Erkenntnisse die darauf hindeuten, dass das dauernde Tragen der Masken dazu führt, dass die Träger vermehrt Kohlenstoffdioxid (CO2) einatmen, was zu Gesundheitsschädigungen führen kann.

Ernstzunehmende und belastbare Erkenntnisse dazu sind erst in der Zukunft geben, wenn entsprechende Langzeitstudien durchgeführt und ausgewertet sind. Die Fragen die sich nun stellen sind vielfältiger Natur. Was hat der Lockdown in Deutschland gebracht, wenn doch in Ländern, die noch viel strenger auflagen hatten, die Situation schlechter ist, als in Deutschland? Welche Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich die Situation in Deutschland verhältnismäßig gut entwickelt hat? Rechtfertigt der zu betrauernde Tod von etwa 10.000 Menschen (0,0125% der Bevölkerung in Deutschland) die getroffen Maßnahmen? Die Antworten muss jeder für sich selbst finden. Wichtig ist und bleibt es, die Meinung Andersdenkender zu akzeptieren und zu respektieren

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