Freitag, 24.11.2017 22:50 Uhr

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land ...

Verantwortlicher Autor: Rieenberg Berlin, 19.03.2017, 13:22 Uhr
Kommentar: +++ Politik +++ Bericht 5622x gelesen

Berlin [ENA] Oft wird man bei der gegenwärtigen politischen Situation, bei der Einschätzung der Lebenslage und den sich fast überschlagenden Überraschungen im politischen Alltag mit der Frage konfrontiert, was guten, vertretbaren und anerkannten Journalismus eigentlich ausmacht. Leider wird in diesem Zusammenhang die Diskussion zu irgend einem Zeitpunkt unweigerlich auf die Glaubwürdigkeit der Presse gelenkt.

Die Aufgaben von Journalisten sind im allgemeinen weltweit gut beschrieben.. So sollten sie sich neben der Abbildung aktueller, relevanter Themen und der Sicherung wahrheitsgemäßer Fakten, in jedem Fall auch der Wahrung der Menschenwürde und Vermeidung jeglicher Diskriminierung verpflichtet fühlen. Die Wahrheit stellt die Richtschnur für die Übermittlung aller Nachrichten oder Kommentare dar. Berücksichtigt wird dabei auch, dass das Recht auf Privatleben, Intimsphäre und Selbstbestimmung Dritter gewährleistet ist. Ein Journalist soll unabhängig,, kritisch und nicht durch private oder geschäftliche Interessen beeinflusst sein.

Man sollte annehmen, dass unter Berücksichtigung dieser, in der Kurzfassung doch recht simplen und verständlichen Grundregeln, zufrieden stellende journalistische Ergebnisse zu erzielen sind, die den Anforderungen an eine seriöse Berichterstattung ausreichend Genüge tun. Woher kommt es dann immer wieder - und die "gefühlte" Anzahl wird immer größer - dass sogenannte "Fake-News" immer mehr Verbreitung finden und der Vorwurf einer sogenannten "Lügenpresse" fast schon im normalen Sprachgebrauch Einzug gehalten hat.

Normalerweise kann eine zuverlässige Berichterstattung so schwer nicht sein, wenn man Informationen aus seriösen Quellen, verbunden mit der eigenen Sachkenntnis, kritisch hinterfragt bevor man sie der breiten Öffentlichkeit zur Verwertung freigibt. Leider zeigten insbesondere die politischen Ereignisse in den letzten Monaten, wie schnell sich Bedingungen so verändern können, dass selbst scheinbar sichere Ergebnisse nach kurzer Zeit nur noch als wertlose Falschmeldungen Verbreitung gefunden hätten. Ein gutes Beispiel für die Anhäufung zumindest fragwürdiger Berichterstattungen war die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Wahlen in den USA.

Bei der Diskussion in Vorbereitung und Durchführung - und noch schlimmer - in Auswertung des Wahlergebnisses, wurden nicht selten die genannten Regeln über Bord geworfen. Noch heute denke ich die Reaktionen auf den Hinweis, dass die Aussichten für einen Wahlsieg des Kandidaten der Republikaner - auch auf der Basis des amerikanischen Wahlsystems - gar nicht mal so schlecht seien. Allein die Äusserung dieser Annahme, die auf direkten Informationen und Kontakten in den USA beruhte, erzeugte Erstaunen, Ungläubigkeit und gipfelte dann in diversen unsachlichen Bemerkungen, bis hin zur Aussage, dass diese Art der "Prophezeiung" nicht nur provozierend, sondern auch lächerlich sei.

Normalerweise legt sich der Hype um ein Ereignis, wenn alle Argumente, Bedingungen und Sachverhalte offenliegen, die Meldungen werden im allgemeinen sachlicher. Nicht so in diesem Fall - ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass eine gewisse Fassungslosigkeit dazu geführt hat, dass in diversen Beiträgen der öffentlichen Presse, die einfachsten Regeln des respektvollen Umganges unbeachtet blieben. Und dies war nur ein Beispiel. Mittlerweile hat sich eine gewisse Respektlosigkeit fast in allen Gebieten durchgesetzt, die noch vor Jahren der schlechteren Comedy vorbehalten war. Mit der steigenden Zahl politischer Konflikte und der Zunahme politischer Gruppierungen geht der Anstand im gegenseitigen Umgang verloren.

Es ist eine große Errungenschaft der Pressefreiheit, alles sagen und schreiben zu dürfen, was auch durch die allgemeine Meinungsfreiheit gedeckt ist - ob man unter diesem Schutz auch Äusserungen von sich gibt, von denen man sicher weiss, dass sie für die Zielperson in starkem Maße beleidigend wirken, sollte man zumindest überdenken. Dabei ist es unerheblich, ob sich die betreffende Person zur Wehr setzen kann oder nicht. Abwertende Vergleiche - egal ob mit Tieren oder kriminellen Strukturen - haben bei der Diskussion nichts verloren. Sicher sind die politische Einstellung und Überzeugung häufig Bestandteil der Darstellung, der Inhalt sollte sich aber an konkreten Fakten orientieren und sich nicht in unwürdigen Nazi-Vergleichen verlieren.

In Konflikten ist die Wahrheit das erste Opfer, nunmehr kommt aber gleichermassen der Verlust der menschlichen Umgangsformen, des Anstands unter die Räder. Das oft gehörte Argument:"... in freien demokratischen Ländern, mit einer freien Presse war das schon immer so...", ist meines Erachtens nicht zwingend die Grundlage für eine unabhängige und freie Presse. Der Hinweis an mich:" Dann lass die Politik und kümmere dich um andere Themen..." half nicht wirklich. Die Recherchen über Themen des Gesundheitswesens zeigen bereits Verhaltensähnlichkeiten - aber das ist ja letztendlich auch Politik.

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