Samstag, 17.04.2021 03:57 Uhr

Corona-Politik in der Sackgasse: Strategiewechsel nötig!

Verantwortlicher Autor: Richard J. Flohr Berlin, 14.03.2021, 15:28 Uhr
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Hält unser Leben fest im Griff: das Corona-Virus
Hält unser Leben fest im Griff: das Corona-Virus  Bild: RJF

Berlin [ENA] Hübsch, bunt und mit bloßem Auge nicht zu sehen, hält ein kleines Virus seit einem Jahr unser aller Leben fest im Griff. Doch: das Ziel längst aus den Augen verloren, erschlagen die Regierenden ohne tauglichen Kompaß mit einem Holzhammer auf Kosten der Zukunft alles, was sich bewegt - Schluß damit!

War der Lockdown zu Beginn der Pandemie vor genau einem Jahr, als man kaum etwas über das Virus wußte, noch gerechtfertigt, um eine Triage, die Überlastung des Gesundheitssystems (wie damals in Italien mit schrecklichen Bildern der Welt vor Augen geführt) zu verhindern, so ist er jetzt nur noch Ausdruck eines selbstgefällig und ideenlos anmutenden Überbietungswettbewerbs. "Flatten the curve" hieß es damals: durch konsequente Kontaktreduzierung wurde die Ansteckungsgefahr gesenkt und die Abflachung des Krankheitsanstiegs erreicht. Allen schwer an Covid-19 Erkrankten wurde so eine optimale medizinische Behandlung zuteil. Damit hatte der Staat seine Pflicht erfüllt und zudem Zeit gewonnen, um sich für die absehbaren Folgewellen zu wappnen.

Das Ziel völlig aus den Augen verloren

Dieses alle Corona-Maßnahmen rechtfertigende Ziel, die Kollabierung unseres Gesundheitssystems zu verhindern, wird nun völlig aus den Augen verloren: Wir schauen nicht auf die Auslastung der Intensivmedizinischen Behandlungsplätze oder die Infektionsentwicklung in Risikogruppen, sondern nur noch auf einen völlig willkürlich interpretierten Inzidenzwert, der keinerlei Auskunft über das Ziel gibt. Nicht einmal seine Höhe hat Aussagekraft, sondern wird willfährig interpretiert: mal wird mit 50 ein Lockdown gerechtfertigt, dann 30 als Rücknahmewert verkündet, schließlich 100 als politisch opportunistische Grenze für Maßnahmenergreifung und -rücknahme bestimmt.

Wie absurd diese Kennzahl für die Ableitung von Pandemie-bekämpfenden Maßnahmen zudem ist, wird auch dadurch deutlich, daß die darauf gerichtete Ausweitung von Infektionstests zwangsläufig (durch Sichtbarmachung der auf einen Faktor von 8-10 geschätzten Dunkelziffer asymptomatisch Infizierter) zu einer Erhöhung der registrierten Infiziertenzahl und mithin des Inzidenzwertes führt. Und für diesen Fall sind bereits automatisch weitere freiheitsbeschränkende Maßnahmen bestimmt. - "Wir schaffen uns die Welt, widi widi wie sie uns gefällt"... Ja, Pipi Langstrumpf hätte ihre Freude an derartiger Mathematik.

Holzhammermethode statt erkenntnisbezogener Lösungen

Inzwischen wissen wir weit mehr über das Virus als zu Beginn der Pandemie. So hätten die Regierenden zielgenaue Strategien entwickeln und deren Umsetzung vorbereiten können. Das Sterberisiko steigt exponentiell mit dem Lebensalter: Von den bis heute gut 73.000 an/ mit dem Corona-Virus Gestorbenen waren 70.400 Menschen (96,6%) 60 Jahre und älter. Dennoch wird diese Altersgruppe bis heute nicht in besonderem Maße geschützt. Insbesondere für die große Masse der NICHT in Heimen lebenden älteren Menschen gibt es gar keine besonderen Maßnahmen. Stattdessen wird nach blinder Holzhammermethode ein ganzes Volk eingesperrt und ausgerechnet den weitgehend ungefährdeten Kindern und Jugendlichen wurde monatelang verboten, KITA oder Schule zu besuchen.

Die Reihe der Versäumnisse, Pleiten und Pannen auf allen Ebenen von Regierenden aller Couleur ist atemberaubend: Eine teure, doch nutzlose App zur Kontaktverfolgung geht an den praktischen Erfordernissen weitgehend vorbei. Die Gesundheitsämter arbeiten noch immer mit unterschiedlichsten, inkompatiblen Systemen, die eine effektive Kontaktnachverfolgung verhindern. Schnell- und Selbsttests gibt es schon über ein halbes Jahr; eine sinnvolle Strategie für deren Einsatz gibt es bis heute nicht. Daß Schulen und Schülern noch immer technische Ausstattung zum Fernunterricht fehlt und kein generelles Konzept für Unterricht in der Pandemie existiert, ist dem gesunden Menschenverstand nicht zugänglich. Die Impfstoffknappheit... - bekannt.

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Die einzige Antwort aller Regierenden bleibt bis heute ein Lockdown nach dem Gieskannenprinzip mit allen massiven gesundheitlichen, psychischen und wirtschaftlichen Folgen für die Betroffenen und zudem mit vielen Milliarden Euro Schuldenbelastung künftiger Generationen. Statt nun endlich auf Grundlage der skizzierten Erkenntnisse und mithilfe intelligenter Einzelmaßnahmen einen grundlegenden Strategiewechsel vorzunehmen, der „normales“ Leben ermöglicht, Gefahren zielgenau bekämpft und besonders Gefährdete nachhaltig schützt, irrlichtern die Regierenden mit völlig willkürlichen Öffnungsmaßnahmen anhand von untauglichen Inzidenzwertgrößen ziellos durch den selbst geschaffenen Lockdown-Dschungel. - Welch ein Unfug. Ich mag's nicht mehr hören!

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