Freitag, 27.11.2020 12:37 Uhr

Straßen.NRW: Schwertransporten auf der Spur: .....

Verantwortlicher Autor: Landesbetrieb Straßenbau NRW Gelsenkirchen, 30.05.2020, 12:40 Uhr
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Gelsenkirchen [ENA] Schwertransporten auf der Spur: Straßen.NRW wacht darüber, dass Straßen und Brücken nicht überlastet werden. Sie sind sehr groß, extrem schwer und manchmal auch beides: Für Schwer- oder auch Großraumtransporte sind Straßen und Brücken eigentlich nicht gebaut. Darum schaut der Landesbetrieb Straßen.NRW sehr genau hin, was da von A nach B rollt: zum Beispiel ein überdimensionaler Druckbehälter (Autoklav),

der viel Gewicht und eine entsprechende Größe mitbringt, und darum als Schwertransport gilt. § 29 der Straßenverkehrsordnung regelt die „Übermäßige Straßenbenutzung“: „Einer Erlaubnis bedarf der Verkehr mit Fahrzeugen und Zügen, deren Abmessungen, Achslasten oder Gesamtmassen die gesetzlich allgemein zugelassenen Grenzen tatsächlich überschreiten.“ Beim Gewicht gerät alles über 40 Tonnen Gesamtgewicht oder 11,5 Tonnen Achslast in den Blick der Behörden. Bei den Abmessungen sind es eher die örtlichen Gegebenheiten, also Fahrbahnbreiten oder Tunneldurchmesser, die Grenzen setzen. Genehmigt werden die Transporte von den Verkehrsbehörden,

für die Prüfung des Fahrweges und dabei besonders die Tragfähigkeit der betroffenen Brücken ist Straßen.NRW zuständig. Hier wird auch geklärt, ob Baustellen die vom Antragsteller vorgeschlagene Route beeinträchtigen oder sogar unmöglich machen. - Transport auf Schiene oder Wasser hat Priorität - Die Grenzen für den Transport von zu großen oder zu schweren Lasten per LKW sind eng gesetzt. Denn die Straße soll erst die letzte Möglichkeit sein, eine solche Last zu transportieren. „Hersteller und Speditionen müssen erst prüfen, ob nicht der Transport auf der Schiene oder auf dem Wasser möglich ist“, erklärt Martin Schöpper, bei Straßen.NRW für die Prüfung der Schwertransport-Routen zuständig.

Auch muss sichergestellt sein, dass ein Werkstück nicht doch besser in Einzelteile zerlegt auf die Reise gehen könnte. Für einen so genannten Autoklav – ein solches Werkstück hat in diesem Monat seinen Weg von Coesfeld zum Hafen nach Lüdinghausen genommen – kommt auf dem ersten Teilstück der Reise nach Südfrankreich nur die Straße in Frage. Es ist nicht der erste Stahlriese, für das die Hersteller-Firma eine Schwertransport-Genehmigung beantragt hat. Martin Schöpper muss aber dennoch genau hinschauen, welche Abmessungen der Transport hat und wieviel Gewicht die Achsen auf die Straße bringen. Diese Daten, die der Antragsteller liefern muss, gleicht Schöpper dann mit seinen Informationen zur Route ab.

In diesem Fall sind LKW und Fracht zusammen 56,60 Meter lang, 6,90 Meter breit, immerhin acht Meter hoch und bringen 323 Tonnen auf die Straße. Passt der Transport unter einer Unterführung her? Haben alle Brücken noch die erforderliche Tragkraft, um eine besonders schwere Last aufzunehmen? „Der Brückenzustand kann sich ändern, darum muss ich für jeden Transport aufs Neue schauen, ob diese Route noch möglich ist“, erklärt der Fachmann. Angesichts zahlreicher vor allem älterer Bauwerke, die durch die starke Zunahme des Verkehrs und durch die gestiegenen Achslasten und Gesamtgewichte im LKW-Bereich hoch belastet sind, ist der direkte Weg von A nach B für einen Schwertransport nur selten befahrbar.

Je länger die Strecke durch dann notwendige Umwege wird, umso aufwändiger ist die Prüfung durch Straßen.NRW. - Digitaler Antragsweg - Die bevorzugte Route legt das Transportunternehmen zunächst selbst fest. Und zwar komplett digital mit Hilfe von VEMAGS. VEMAGS steht für „VErfahrensMAnagement für Großraum- und Schwertransporte und ist ein eGovernment-Produkt, das unter Federführung des Bundeslandes Hessen entwickelt wurde. Ziel war die digitale Zusammenarbeit aller am Antrags- und Genehmigungsprozess für Großraum- und Schwertransporte Beteiligten – also der Transporteure, der Behörden sowie bundesweiter Institutionen – zu ermöglichen.

Straßen.NRW stellt seinerseits umfangreiche Informationen zum Beispiel zu lastbeschränkten Brücken oder Baustellen im Internet zur Verfügung. Die Antragsteller können so schon von Beginn einer Routenplanung an mit allen möglichen Hindernissen rechnen. In der Praxis sieht es am Ende so aus, dass in der Projektbeschreibung auf den 33 Kilometern zwischen Coesfeld und Lüdinghausen 33 Punkte identifiziert wurden, an denen Ampeln gedreht oder entfernt werden, Schilder und Leitpfosten aus ihren Halterungen gezogen werden mussten oder der Seitenstreifen verstärkt werden musste. Hier waren gleich drei Straßen.NRW-Straßenmeistereien im Einsatz,

die vor dem Transport für freie Fahrt für den Koloss sorgen und im Nachgang die Verkehrssicherheit auf der Strecke wiederherstellen mussten, indem alle Ampeln, Schilder und Pfosten wieder an ihren Platz gebracht wurden. - Hintergrund - · Großraumtransporte: große Abmessungen und kleines Gewicht (zum Beispiel ein Blechsilo oder ein Tank als Transportgut) Schwertransporte: geringe Abmessungen, aber ein sehr hohes Gewicht (zum Beispiel ein Autokran) Großraum- und Schwertransporte: Kombination aus beiden Merkmalen (zum Beispiel Großtransformatoren oder Turbinen als Transportgut)

· Die Verkehrsbehörde am Startort koordiniert den Antrag. Beteiligt werden u.a. Kommunen, Straßen.NRW als zuständige Straßenbauverwaltung für Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in Nordrhein-Westfalen, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung oder die Bahn, sofern Wasser- oder Schienenwege gekreuzt werden, sowie die Polizei, die die Transporte später überwacht und gegebenenfalls begleitet.

· Im Jahr 2018 wurden bundesweit über das Elektronische Verfahrensmanagement Großraum- und Schwertransporte "VEMAGS" rund 609.000 Bescheide erteilt, davon rund 140.000 Bescheide in Nordrhein-Westfalen. Somit hatte Nordrhein-Westfalen einen Anteil von fast 23 Prozent am bundesweiten Aufkommen und damit die höchsten Antrags- und Bescheidzahlen. · Über die Anzahl der daraufhin tatsächlich durchgeführten Transporte gibt es keine Statistik, weil mit einem Antrag zum Teil auch mehrere Transporte durchgeführt werden können oder aber Transporte nicht durchgeführt werden. Grundsätzlich ist jedoch ein Anstieg zu verzeichnen.

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