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"Shanduko nhema“ - Schwarze Rückforderung - v. Mukwazhi

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Köln, 27.01.2026, 19:17 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 5423x gelesen
Kunstwerk von Kresiah Mukwazhi im Museum Ludwig
Kunstwerk von Kresiah Mukwazhi im Museum Ludwig  Bild: Kurt Lehberger

Köln [ENA] Die Künstlerin Kresiah Mukwazhi, geb. 1992 in Harare, Simbabwe, stellt eine neue Wandarbeit aus. Sie verwendet gebrauchte Kleidungsstücke, die sie zusammennäht und Neues schafft, das eine tiefere Bedeutung erhält. Thematisiert werden die Gewalt von Männern gegen Frauen und postkoloniale Strukturen.

Ihre Kunst ist provokant und listig. Sie benutzt das Kunstwerk als Ansatzpunkt, Bewusstsein für globale und soziale Zusammenhänge zu schaffen. Sie setzt die Frauen, die Frauen in Afrika, die schwarze Frauen in den Vordergrund, um sie zu stärken und um sie zu unterstützen. Ihre Kunst ist ein visueller Aktivismus. Sie gibt den schwarzen Frauen eine Stimme, die in männlich dominierten Gesellschaften Sexualisierung, Diskriminierung und Marginalisierung ausgesetzt sind. Das wandteppichähnliche Kunstwerk mit dem Titel „Shanduko nhema“ von Mukwazhi im Ludwig Museum in Köln ist aus gebrauchten BH-Trägern und BH-Riemen von ca. 4.000 Büstenhaltern angefertigt. Das Kunstwerk ist dreizehn Meter breit und drei Meter hoch.

„Shanduko nhema“ im Treppenhaus
Nahsicht von „Shanduko nhema“

Den Titel „Shanduko nhema“ übersetzt sie mit „Schwarze Rückforderung“, “black reclamation”. Die beiden Wörter kommen aus dem Shon, der indigenen Sprache in Simbabwe. "Shanduko" ist die Rückforderung, „nhema“ bedeutet die Farbe Schwarz und ebenso Lüge. Ihre Interpretation: Der BH kommt als Spende nach Afrika, kehrt aber als Kunstwerk in den Westen zurück, als Lüge. Die Botschaft, die sie ausdrücken möchte, bezieht sich auf die Rückforderung der Macht und Stärke der schwarzen Frauen. In der heutigen Gesellschaft werde den Frauen ein Großteil dieser Macht durch verschiedene Formen des Missbrauchs geraubt: Sexualisierung, Diskriminierung und Marginalisierung.

Deshalb wolle sie diese beiden Konzepte innerhalb desselben Kunstwerkes zusammenbringen: das Konzept der Rückforderung der Macht der Frauen und auch die Rückforderung der Macht der Afrikanerinnen, d.h. der schwarzen Frauen. „Mit diesem Werk möchte ich die heilige Natur der Frauen zurückgewinnen, die ihnen so oft geraubt wurde, und sie als königliche Wesen betrachten, die als solche gefeiert werden sollten.“ „Ich habe mich immer gefragt, wie ich diese Kraft der Kollektivität in meine Arbeit hineinbringen kann und ich fühle, dass mir dies mit dieser abstrakten Präsentation gelungen ist.“

Das Material der Textilen der BH-Träger verweist auf den sozialen und kolonialen Zusammenhang hin. Die Baumwolle kam aus den ehemaligen Kolonien. Die Textilindustrie bildete den Anfang der globalen Arbeitsteilung in den 70er Jahren. Die Textilarbeiterinnen des globalen Südens stellten Kleider für den Export in den globalen Norden her. Dabei wurden nur geringe Löhne bezahlt, die Arbeitsbedingungen waren problematisch: lange Arbeitstage, unwürdige Unterbringung und schlechte Ernährung waren normal. Häufig wurden Kinder ausbeuterisch eingesetzt. Die Erfolge der Industrialisierung durch die Textilindustrie im globalen Süden ruhten auf den Schultern von Frauen und Kindern, und das über mehrere Generationen.

Die Mode der heutigen Textilien ist schnell-lebig und nicht nachhaltig. Riesige Textilabfälle, gebrauchte, aber auch unverkaufte Waren werden in den globalen Süden zur Weiterverwertung, als Second-Hand Ware oder zur Vernichtung gebracht. Die Folgen sind die Zerstörung der einheimischen Textilindustrie und die ökologischen Nachteile, die der Bevölkerung dadurch entstehen. Das Kunstwerk verzichtet auf eine stromfressende, großformatige, schnelle, grelle und farbige Bildschirm- und Videopräsentation. Das wandteppichähnliche Kunstwerk kann langsam aus unterschiedlicher Höhe an der Stirnwand des Treppenhauses des Museums betrachtet werden.

Die Arbeit von Kresiah Mukwasi findet im Rahmen der Schulze Projekte statt, die seit 2017 im Museum Ludwig veranstaltet werden. Kresiah Mukwazhi Kunstwerk ist das Schultze Projects #4. Das Kunstwerk ist zu sehen vom 20. September 2024 – 14. Juni 2026 im Museum Ludwig in Köln, direkt am Hauptbahnhof und hinter dem Kölner Dom. https://www.museum-ludwig.de/de/ Alle Bilder haben copyright Kurt Lehberger.

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