Montag, 17.01.2022 12:08 Uhr

Gedanken zu Elfriede Jelinek

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 30.11.2021, 20:27 Uhr
Kommentar: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 5349x gelesen

Wien [ENA] Elfriede Jelinek hat nie wirklich für die Gunst des Publikums geschrieben, sondern viel mehr für die Verlage, für die Theaterdirektoren oder für die Politik. Ihre Figuren sind wie Vodoopuppen, in die sie Nadeln sticht, sie in ihrem Puppenhaus arrangiert und wie ein kleines, böses Mädchen über den Haufen wirft, wenn sie keine Lust mehr hat. Begeistert stehen die Theaterdirektor*innen und die Kulturzene um sie herum.

Alles klatscht zu diesem bösen Spiel, das sie endlich von der langen und mühseligen Literaturgeschichte befreit und Platz macht für die unumschränkte Macht des politische Kulturestablishment, das nicht einmal mehr das Publikum verführen muss, sondern für sich selbst hoheitsvoll Kunst setzt, die nicht einmal mehr Kunst sein muss, sondern als Gesetztes, als Punkt und Fragezeichen existiert. War es wirklich Elfriede Jelineks bedrückende Kindheit, ihr geisteskranker Vater, die ihre Polemik gegen Natur und Unschuld und das sogenannte verdrängte Nazi-Erbe in Österreich auslöste? Woher kommt diese sarkastische, provokante, obszöne, blasphemische, vulgäre und höhnische Sprache, die sie schon als 24jährige 1970 in ihrem ersten Roman verwendete?

Ein verrückter Roman ohne Satzzeichen, Handlung oder Aussage. Batman, Tote und Superman tauchen willkürlich auf. Körperteile werden abgeschnitten, Schwänze werden ausgepackt und Frauen produzieren Speiseeis mit ihrer Vagina. War es die Auseinandersetzung mit Roland Barthes und seinen anti-logozentrischen Arbeiten, dass sie den Tod der Literatur forderte und listig wie sie ist, sehr wohl begriff wie die Herstellung von Bedeutung und Sinn in der Sprache funktioniert und destrukturiert werden kann. Elfriede Jelinek, geboren 1946, erhielt 2004 den Literaturnobelpreis für "den musikalischen Fluss von Stimme und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität der sozialen Klischees enthüllen."

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