Sonntag, 25.07.2021 02:00 Uhr

CS beschuldigt Dritte, statt intern aufzuräumen

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 02.06.2021, 09:46 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 3017x gelesen

Zürich [ENA] Multi geht in Greensill-Skandal auf Softbank los, lenkt von sich ab. Zuständige Compliance-Frau wird befördert statt gekickt. Sie ist top verlinkt. Die Credit Suisse will laut Financial Times ihre Ex-Partnerin Softbank belangen. Diese habe frühzeitig von Riesenlöchern rund um die Greensill-Fonds gewusst, aber nichts gesagt. Ein Manöver, ausgeheckt von den Anwälten der CS, darunter dem bekannten Urs Schenker.

Man würde Softbank notfalls vor den Richter zerren, sagten CS-Insider zur Zeitung. Schuld sind die Anderen, nicht wir: Die Strategie ist altbekannt und ein Armutszeugnis. Die Bank am Paradeplatz, die ihre Chefs mit Millionen überhäuft, hat nichts gesehen, nichts geprüft, nichts gefragt. Die „Tubelis“ im Umzug, begeistert ob den sprudelnden Kunden-Milliarden in den CS-Greensill-Fonds, die einen selbst reich machten. Bis es krachte. Nun herrscht Katzenjammer, reiche Kunden laufen Sturm, es droht eine Prozesslawine. Derweil überbieten sich teure Anwälte mit Schlachtplänen zur Gegenoffensive, während die ganze Bank gelähmt ist. Statt Fingerpointing wäre Aufräumen in den eigenen Reihen angesagt.

Warum haben die Compliance-Chefs der CS Warnungen ihrer Kredit-Spezialisten in den Wind geschlagen? Diese stammten von 2016, wie Bloomberg kürzlich enthüllte. 2018 zog dann GAM, eine benachbarte Assetmanagerin, Greensill-Fonds den Stecker. Spätestens da lag vieles offen auf dem Tisch. Die CS mit Iqbal Khan als Chef des International Wealth Managements (IWM), der das Asset Management der Grossbank verantwortete, liess den GAM-Fall untersuchen. Man fand nichts. Also weitermachen mit Greensill, sieht toll aus. Bei Khan war eine Frau zuständig für Compliance. Sie heisst Floriana Scarlato, hat studiert in Napoli, später kam ein Programm an Harvard hinzu. Beruflich begann die Italienerin bei EY, ab 2005 war sie bei der CS,

stieg dort nach einem externen Kurz-Gastspiel auf zur obersten Kontrolleurin im IWM. Das war Anfang 2016. Die Krönung. In jener Zeit setzten Khan und seine obersten Chefs im Asset Management, Eric Varvel und Michel Degen, die Greensill-Fonds auf; dies, nachdem David Solo sie davon überzeugt hatte, es handle sich um ein Bombengeschäft, wie die FT soeben berichtete. Scarlato und Khan waren ein Herz und eine Seele. Beide mit Ursprung EY, beide mit grosser Sympathie für den anderen. Einziges Problem: Scarlato hatte mit Compliance nichts am Hut. Ihr Werdegang war ein völlig anderer, sie wurde gross im Business Risk Management, das passte zu ihrer Revisionszeit und war auch das Steckenpferd von Khan, ihrem neuen Boss.

Wie ist das möglich? Scarlato brachte null Erfahrung in Compliance mit, als sie in ihre Top-Position gehievt worden war. Dafür verfügte sie über umso bessere Beziehungen. Nicht nur zu Iqbal Khan. Auch Erwin Grob, der grosse Compliance-Chef der CS im Schweizer Bereich, hatte an der Italienerin den Narren gefressen. Das half für den nächsten Karrieresprung. Just als die Greensill-Fonds im IWM der CS Anfang Jahr explodierten, kürte die Bank die Compliance-Verantwortliche zur neuen Ober-Kontrolleurin in der CS Schweiz. Nominierungen geschähen „aufgrund der jeweiligen Qualifikationen und Berufserfahrung“ der Gekürten, so ein Sprecher. „Anderslautende Anspielungen oder Behauptungen sind persönlichkeitsverletzend.“

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