Sonntag, 25.07.2021 01:37 Uhr

Credit Suisse – Eine Bank ausser Rand und Band

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 09.06.2021, 08:18 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 3003x gelesen

Zürich [ENA] Wall Street Journal zeigt auf, wie Paradeplatz-Multi mit einem einzigen Kunden 5,5 Milliarden verspielen konnte. Blindflug total. CS-Chef Thomas Gottstein und seine Risikofrau Lara Warner hatten bis wenige Tage vor dem Kollaps des US-Hedgefunds Archegos keine Ahnung, dass ihre Bank mit diesem Kunden die Hälfte ihres Eigenkapitals aufs Spiel gesetzt hat. Dies schreibt das renommierte Wall Street Journal in einer

langen Story unter dem Titel „Inside Credit Suisse’s $5.5 Billion Breakdown“. Der Artikel entlarvt eine der grössten und wichtigsten Firmen der Schweiz als einen Hallodri-Laden, bei dem die höchsten Chefs null Ahnung haben von dem, was tatsächlich vor sich geht, und die sogenannte Key Risk Takers mit Millionen vergolden, welche mit ihren Wetten das ganze Unternehmen aufs Spiel setzen. Eine Bank wie ein süchtiger Spieler, der mit all seinem Ersparten, seiner Pensionskasse, dem gesamten Vermögen ins Casino geht und in einer Nacht das Ganze verjubelt. Wieder zuhause, beichtet der seiner Frau das Drama. Die muss dann ihre Familie anpumpen, damit die Kinder genug zum Essen haben. Die Familie, das ist im Fall der CS die Schweiz

und ihre Bevölkerung. Sie muss die CS im Fall einer Pleite retten. Im April war der Bank das Geld ausgegangen. Sie brauchte eine Notinfusion durch die Aktionäre. Damit geriet sie noch stärker unter Kontrolle einiger weniger Fonds und Investoren aus dem arabischen Raum, Norwegen und den USA. Die Schweiz und ihre Steuerzahler bleiben in der Haftung. Wenn die CS einen nächsten Super-Gau erleidet, könnten sie zum Handkuss kommen. Ein solches Szenario ist nicht abwegig, wenn man den Bericht im Wall Street Journal (WSJ) zum Massstab nimmt. Dieser zeichnet ein erschreckendes, unfassbares Bild einer Grossbank, die keine Ahnung hat, was für Risiken sie auftürmt. Über 20 Milliarden hatte die CS auf dem Höhepunkt gegenüber Archegos investiert

in Aktien, mit denen der Hedgefund des Bill Hwang, einem 2012 wegen Insiderdelikten verurteilten Südkoreaners, seine Wetten einging. Am Donnerstag, 25. März, sassen die CS-Cheftrader am Tisch mit den Archegos-Leuten und den Vertretern anderer Banken. Was dann folgte, liest sich im WSJ-Artikel wie das Drama einer Bank, die keine Ahnung hat vom Spiel, in das sie sich begeben hat. „Credit Suisse suggested the banks work together to unwind Archegos’s trades over a month. Some considered it, according to people familiar with the discussions. But no deal was reached and some swiftly unloaded their positions to other investors.“ „The next Monday, March 29, Credit Suisse warned of a significant loss“, fährt das Journal fort.

„In April, it said exiting the positions cost $5.5 billion, and it raised $2 billion in fresh equity. Messrs. Chin and Shah and Ms. Warner were among the staff pushed out.“ Die Dummen von Zürich. Sie haben die Bank auf dem Gewissen. Der Fall Archegos könnte das Ende der Credit Suisse in ihrer heutigen Form bedeuten. Laut Spekulationen prüft die CS massive Veränderungen, sie könnte die Schweizer Einheit und das Asset Management abspalten. Hauptsache, es gab Kohle – für sich und die Buddies. Risiken, Vorsicht, Kontrollen, zeitgemässe Überwachungs-Systeme: Wozu auch, läuft doch rund. Ein Sittengemälde, schlimmer als in jedem Albtraum.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.