Mittwoch, 21.10.2020 13:12 Uhr

CH - CS zahlte für Khan-Spying 151’000 Franken

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 04.09.2020, 08:15 Uhr
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Zürich [ENA] CS zahlte für Khan-Spying 151’000 Franken - Bank verbuchte Beschattung unter „Spezial Service IxB“. Betrag legt Rund-um-Uhr-Aktion nahe. Wer wusste Bescheid? Der Fall Khan wird für die CS zum Albtraum. Neue Belege zeigen, dass die Beschattung des Ex-Topmanns Iqbal Khan viel kostete und unter einer geheimen Bezeichnung verbucht wurde. Dies geht nicht ohne Organisation. Die Belege legen deshalb nahe,

dass die Credit Suisse fürs Beschatten von Abtrünnigen und Widerspenstigen systematisch vorgegangen ist. Die Observation von Khan, der Ende August 2019 als neuer Spitzenmann der UBS angekündigt worden war, begann offenbar schon Mitte August. Insgesamt kostete sie 150’668.40 Franken, inklusive Mehrwertsteuern. Dies würde im Widerspruch stehen zu dem, was der für die Untersuchung zuständige CS-Präsident Urs Rohner und dessen Anwälte von Homburger bisher ausgeführt hatten. „Projekt: Spezial Service IxB“ lautet die Angabe auf der ersten Rechnung des externen Sicherheitsmanns, der zwischen der CS-Spitze und dem Beschattungsbüro stand. Es handelt sich um T., der sich eine Woche nach Auffliegen der Spionage-Aktion das Leben genommen hatte.

T. stellte seinem Ansprechpartner innerhalb der CS, dem Leiter der Security Risk Services, die „von 15.08.2019 bis 09.09.2019“ aufgelaufenen Kosten in Rechnung. Total 63’329.10 Franken. Das Datum 15. August ist brisant. Die von Urs Rohner letzten Herbst zuhilfe gerufenen Homburger-Anwälte hielten in ihrem Abschlussbericht vom 30. September zum Fall Khan fest: „Als die UBS AG am 29. August 2019 die Anstellung von Iqbal Khan ankündigte, beauftragte der Chief Operationg Officer (COO) der Credit Suisse einen Mitarbeiter der Credit Suisse damit, eine Überwachung von Iqbal Khan einzuleiten. Weitere Mitarbeitende waren nicht involviert.“ Warum begann Sicherheitsmann T. mit seiner Arbeit für „Projekt Spezial Service IxB“ – gemeint war ExB,

also Executive Board respektive Konzernleitung – schon Mitte August? Homburger schrieb in ihrem Bericht weiter: „Es liegen aus der Zeit, als der Auftrag zur Überwachung erteilt wurde, keine schriftlichen Instruktionen vor.“ Das mag stimmen. Nur liefert die Rechnung vom 9. September des Beauftragten T. wertvolle Hinweise. Trotzdem hielten die Homburger-Anwälte explizit fest, dass sie auf keine Hinweise gestossen seien, wonach „der VR und die übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung vor dem 18. September 2019 Kenntnis von der Überwachung gehabt hätten“. Die Rechnung vom 9. September flatterte der CS zusammen mit einer detaillierten Kostenaufstellung ins Haus. Adressiert war sie an Tiefenhöfe 10 in 8070 Zürich.

Es handelt sich um eine kleine Seitengasse in unmittelbarer Nähe des CS-Hauptsitzes am Paradeplatz. Dort, wo auch die Confiserie Sprüngli ist, hatte die Grossbank also ihre Spy-Kommando-Zentrale. Laut einer Quelle handelte es sich beim Konto, dem der Betrag belastet wurde, um eines der Konzernleitung der Credit Suisse. Die CS wollte keine Stellung nehmen. Weniger wegen der Höhe des Betrags, sondern vor allem der Frage, ob damit eine solche Observation erlaubt war.

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