Freitag, 16.11.2018 05:04 Uhr

Will VW uns verarschen?

Verantwortlicher Autor: Herbert Reis Aachen, 19.10.2018, 13:16 Uhr
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Aachen [ENA] Für das Umtauschprogramm von Volkswagen für dreckige Dieselautos müsste man eigentlich Applaus spenden. Nicht, weil es die Pro­bleme etlicher von Fahrverboten betroffener Autofahrer lösen würde. Nein, es darf applaudiert werden, weil die Autobranche mal wieder ein erstaunliches Talent für kluges Marketing und blendende Inszenierungen bewiesen hat. Für wie blöd haltet ihr die Bürger?

Jahrzehntelang hat die Bundesregierung das Theater vom sauberen Diesel mit angesehen. Die Autokonzerne und vor allem VW hat die Kunden mit illegalen Softwaretricks nachweislich betrogen. Nun folgt der nächste Skandal: Volkswagen gibt sich als Vorreiter für reine Luft. Ein „Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Luftqualität“ soll der Beitrag des Autobauers zur Vermeidung von Fahrverboten sein. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Was Volkswagen präsentiert hat, ist nichts anderes als ein gigantisches Konjunkturprogramm für den Konzern und eine Abzocke für den Kunden.

Je nach Modell und Marke will der Konzern den Autobesitzern Prämien von bis zu 10.000 Euro bezahlen, wenn sie ihren alten Diesel verschrotten lassen und im Gegenzug ein neues Auto aus dem Volkswagen-Reich kaufen. Plötzlich sollen Hunderttausende Fahrzeuge, die vielleicht erst zwei oder drei Jahre alt sind, ein Fall für den Schrottplatz sein – obwohl man eigentlich alle mit Hardware-Nachrüstungen sauber bekommen würde und die Autos somit noch jahrelang fahren könnte. Das ist ökologischer und ökonomischer Irrsinn und Unsinn. Statt Tausende Euro pro Fahrzeug in Hardware-Nachrüstungen zu investieren, verkauft der Konzern lieber neue Autos.

Das sorgt nebenbei für einen steigenden Absatz – und zwar voraussichtlich überwiegend für Diesel und Benziner. Dass sich jetzt viele Verbraucher für einen Elektrowagen entscheiden, ist unwahrscheinlich. Weil es kaum attraktive Angebote gibt. Von der Umtauschprämie profitieren nur jene, die sich ohnehin in nächster Zeit einen Neuwagen leisten wollen. Was aber haben die Krankenpflegerin, die Kindergärtnerin oder der Sachbearbeiter aus Frankfurt, Berlin oder Hamburg davon?

Nur für VW macht die Kalkulation Sinn. Es wird davon ausgegangen, dass sich jeder ein neues Auto leisten kann. Auf einen Großteil der Besitzer älterer Dieselmodelle dürfte das aber nicht zutreffen. Sie müssen demnächst kreativ werden, wenn es darum geht, wie sie in die Arbeit kommen oder ihre Kinder in die Kita fahren sollen. Hat jemand an die Schichtarbeiter gedacht, die frühmorgens aus dem Haus müssen, wenn Busse und Bahnen noch stillstehen? Was macht unsere Regierung? Sie schaut zu und wundert sich, dass immer mehr Wähler mit dieser Politik nich einverstanden sind.

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