Weitere Galileo-Reserve-Satelliten im Orbit
Köln/Kourou/Oberpfaffenhofen/.. [ENA] Angetrieben von „Ariane“ wurden am 17. Dezember 2025 die zwei neuen „Teammitglieder“ Galileo 33 und 34 in die Nähe ihrer aktiven Mannschaft ins All gebracht. Vorerst sitzen Sie dort auf der „Reservebank“ und halten sich für ihren Einsatz bereit. Sobald ein Mitspieler schwächeln sollte, nehmen sie
sofort dessen Position ein. Bei rund 4,5 Milliarden „Zuschauern“ ist gute Performance ein „Muss“! … Soweit der sportliche Vergleich. Die Satellitenschar im Orbit erhält nach aktuellen Informationen aus dem Pressebriefing der ESA und ihren unten genannten Projektpartnern, neue Gesellschaft. Es war bereits der 14. Start im Rahmen des Galileo-Programms, jedoch erstmals mit der europäischen Rakete Ariane 6. Bei dieser Mission konnten nach eigenen Angaben die Verantwortlichen der ESA schon in der Planungsphase die Erfahrungen aus dem vorhergehenden Flug der Ariane 6 mit dem Erderkundungssatelliten Sentinel1-D vom 04. Nov. 2025 einfließen lassen.
Abweichend von dem Sentinel-Launch, der nur einen Satelliten in den Orbit transportiert hat, wurden dieses Mal zwei Satelliten in nur einer Rakete auf die Reise geschickt. Nach ca. 4 Stunden erfolgte die Trennung der beiden Galileo-Satelliten von der Ariane 6. Ab diesem Zeitpunkt übernahm das Team von der EUSPA (s.u.) unterstützt durch das Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen die Steuerung dieser Satelliten. Diese Phase erstreckt sich von deren Passage auf die Zielposition in 23222 km Höhe auch auf die Inbetriebnahme aller Subsysteme inklusive deren Tests. Ferner wird die EUSPA nach erfolgreichem Testverlauf den regulären operativen Betrieb übernehmen.
Worum geht es bei Galileo?
Es handelt sich dabei um den europäischen Ansatz eines „Globalen Navigationssatellitensystems“ (GNSS) als eigene Lösung zur Positions-, Navigations- und Zeitbestimmung. GNSS/Galileo wird von der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit der European Space Agency (ESA) und der Europäischen Weltraumorganisation (EUSPA) gemanagt; die Herstellung dieser Satelliten erfolgt bei der OHB System AG aus Bremen. Neben dem landläufig im Volksmund gebräuchlichen, amerikanischen GPS, existieren ferner GLONASS aus Russland und das chinesische BeiDou.
Benötigt Europa ein eigenes System?
Aus Gründen der Autonomie, Resilienz und Verfügbarkeit wird seit Beginn der 2000er Jahre in Europa an Galileo gearbeitet - seit 2016 sind die ersten Satelliten operationell im Orbit. Mittlerweile bedient Galileo 4,5 Milliarden Nutzer. Im Vergleich zu den konkurrierenden Systemen ist das europäische Galileo-System nach Angaben der beteiligten Firmen/Institutionen aktuell das genaueste und innovativste Satelliten-Navigationsprogramm der Welt. Demnach erreicht Galileo als einziges System bei bestimmten Diensten eine herausragende horizontale Genauigkeit von bis zu 20 cm.
Warum schickt man Reserve-Satelliten ins All?
Ziel ist es, für die vielen Nutzer eine lückenlose Verfügbarkeit bei vollumfänglicher Funktionalität zu gewährleisten. Für den Standardbetrieb sind 24 Satelliten, die auf drei unterschiedlichen Bahnen in 23222 km Höhe im Orbit kreisen, vorgesehen. So wie jedes technische Produkt unterliegen auch Satelliten Alterungseffekten; dabei wird die erwartete Satelliten-Lebensdauer von 12 Jahren erfahrungsgemäß durchaus überschritten.
Werden bei der statistischen Auswertung kontinuierlich erfasster Daten der Satelliten kritische Auffälligkeiten bzw. Alterungseffekte sichtbar, wird der betreffende Satellit außer Betrieb genommen und unmittelbar durch einen Reserve-Satelliten ersetzt. Dazu wird dieser von seiner Zwischenposition im Orbit, um im Sprachgebrauch des Fußballs zu bleiben - von der Reservebank, an die Stelle des gealterten/defekten manövriert. Auf diese Weise wird die volle Funktionalität des GNSS ohne Unterbrechung aufrechterhalten.
Welches sind die wesentlichen Einsatzgebiete?
Beispielhaft zählen dazu: Navigationssysteme in Flugzeugen, Schiffen, Fahrzeugen, Fotokameras sowie im Mobiltelefon, die uns helfen eine passende Route zu finden oder auch Positionsdaten zum Auffinden eines bestimmten Ortes. Insbesondere hilfreich sind diese Dienste z. B. für die Polizei, Notfalldienste, den Katastrophenschutz, bei autonom fahrenden Kraftfahrzeugen in Ergänzung zu den eigenen Bordmitteln und in der Landwirtschaft beim schonenden Einsatz von Düngemitteln und Chemikalien.
Ferner werden über die mit der Satellitennavigation bzw. den damit verknüpften, atomuhrgenauen Zeitstempeln Vorgänge in kritischen Infrastrukturen, u. a. Energienetzen und Finanzdiensten eingesetzt. Zu letzterem zählen auch der Börsenhandel, unterschiedlichste Bankgeschäfte bis hin zur Geldauszahlung am Bankautomat sowie die Begleichung der Tankstellenrechnung am Zahlterminal – kaum vorstellbar, wenn diese alltäglichen Leistungen nicht mehr funktionieren würden!
Diese erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit der ESA mit Ihren Partnern, welche durch die EU-Kommission intensiv unterstützt wird, zeigt erneut, dass herausragende Lösungen länderübergreifend in Europa zum Wohle von Milliarden Nutzern möglich sind. Zudem bieten die beteiligten Firmen/Institutionen offenbar ein Umfeld mit sehr interessanten Arbeitsplätzen in hochkompetenten Teams!




















































