Dienstag, 21.05.2019 16:33 Uhr

Traumfabrik Bollywood

Verantwortlicher Autor: Sharon Oppenheimer Berlin, 12.05.2019, 13:10 Uhr
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Berlin [ENA] Vor über einem Jahrhundert wurde die größte Filmindustrie der Welt geboren: Bollywood. Die glänzende Welt der Bollywood-Filme wird in Deutschland mehr belächelt als geliebt. Doch wer Bollywood nicht Ernst nimmt, der irrt: die indische Filmindustrie bietet nicht nur bunte Kostüme, Gesang, Tänze und quirlige Filmsets, sondern auch handwerklich gut gemachte Filme, die den Streifen aus dem Westen in nichts nachstehen.

Von Nicht-Indern wird „Bollywood“ als Synonym für die gesamte indische Filmindustrie verstanden, was eigentlich falsch ist. Die Wortschöpfung „Bollywood“ setzt sich zusammen aus „Bombay“ (1996 beschloss der Stadtrat in Bombay die Änderung des Namens in Mumbai) und „Hollywood“. Allein 2016 wurden in Indien mehr als 2,2 Milliarden Kinokarten verkauft, was das Land zum weltweit führenden Filmmarkt macht - davon kann das deutsche Kino nur träumen! Die dortige Filmindustrie dreht mehr Filme als USA, China und Japan zusammen.

Dabei ist in Indien „Bollywood“ die Bezeichnung für den Hindi-sprachigen Film, der neben dem Tamil-Film, dem Telugu-Kino (Tollywood), dem Punjabi-Film (Pollywood) und weiteren Cinemas existiert. Insgesamt werden auf dem Subkontinent 1721 Sprachen gesprochen, davon sind 122 Hauptsprachen. Zwischen 2014 und 2015 drehte die indische Filmindustrie 1827 Filme in über 39 Sprachen, davon entfielen 297 auf Tamil, 297 auf Hindi und 284 auf Telugu. Trotz der Sprachenvielfalt haben indische Unterhaltungsfilme, egal aus welcher Region sie kommen, viele Gemeinsamkeiten.

Das Indische Kino ist ein Phänomen, welches das kulturelle Muster der indischen Gesellschaft widerspiegelt. Ein Schwellenland auf dem Weg zum Industriestaat, voller Spiritualität, einer 5000jährigen Kultur mit 1,3 Milliarden Einwohnern, darunter 1 Milliarde Hindus, 200 Millionen Moslems, fast 28 Millionen Christen, mehr als 20 Millionen Sikhs, über 8 Millionen Buddhisten, unter ihnen der wohl berühmteste Flüchtling der Welt, der Dalai Lama, rund 69,000 Parsen und weniger als fünftausend Juden. Indien ist auch der Geburtsort dreier Weltreligionen: dem Hinduismus, dem Buddhismus und der jüngsten Weltreligion, dem Sikhismus.

Zu den wichtigsten Einflüssen, die das indische Kino geformt haben gehören die alten indischen Epen von Mahabharata und Ramayana. Sie machten von jeher einen tiefen Eindruck auf die Werke, genau wie das antike Sanskrit-Drama, dessen Schwerpunkt eine Handlung bildete, in dem Musik, Tanz und Gestik kombiniert wurden. Ein weiteres Element stellt das traditionelle Volkstheater Indiens dar, das im 10. Jahrhundert nach dem Niedergang des Sanskrit-Theaters populär wurde.

Das Parsi-Theater, eingedeutscht: Parsen-Theater ist eine weitere Komponente, die die Kinotradition Indiens formte. Realismus und Fantasie, Musik und Tanz, Erzählung, Handlung, urwüchsige Dialoge, grober Humor und der Einfallsreichtum der Bühnenpräsentation vereinen sich mit dem Melodrams. Die Parsen stammen aus dem alten Persien, aus dem sie nach dem Niedergang des Sassanidenreiches und der darauf folgenden Islamisierung im 8. Jahrhundert nach Indien flohen. Der bekannteste Parse in der westlichen Hemisphäre war Freddy Mercury.

Hollywood-Musicals, die bis zu den 50er Jahren populär waren, dienten den indischen Spielfilmen als Leitfaden, da es eine tief verwurzelte Tradition gibt, Mythen, Geschichten, Märchen etc. durch Gesang und Tanz zu erzählen. Das musikalische Fernsehen aus dem Westen, vor allem MTV, prägte in den 1990er Jahren Faktoren, wie das Tempo, Kamerawinkel, Tanzfolgen und Musik.

Indische Filme sind wesentlich länger als Filme aus dem Westen, zwei bis drei Stunden Laufzeit sind die Regel, unterbrochen durch eine obligatorische Pause. Das liegt am Drehbuch, das nach den Richtlinien der viktorianischen Skriptstruktur aufgebautist. Das typische Merkmal ist auch heute noch eine Unterbrechung in der Mitte des Films. Die meisten Filme sind eine Mischung aus romantischem Melodram, Komödie und Action. Bollywood-Plots neigen dazu, melodramatisch zu sein.

Sie verwenden häufig Inhalte wie z.B. Liebhaber und verärgerte Eltern, Liebesdreiecke, familiäre Bindungen, korrupte Politiker, Entführer, verführerische Halunken, verloren geglaubte Verwandte und Liebende, die das Schicksal getrennt hat und natürlich viel Musik und Tanz. Von Schauspielern wird deshalb erwartet, dass sie tanzen können. Der Gesangspart wird meist von professionellen Playback-Sängern übernommen.

Die Geschichte des Films in Indien begann 1896 mit der ersten Kinematographie-Aufführung der Brüder Lumière in Bombay. Ab 1898 filmte der Bengale Hiralal Sen Theateraufführungen ab. Im Dezember 1901 wurde die erste indische Dokumentaraufnahme eines aktuellen politischen Ereignisses durch Harishchandra Sakharam Bhatavdekar gemacht. Außer kurzen Dokumentarfilmen entstanden in den ersten Jahren auch Theaterfilme. Als Wendepunkt des indischen Spielfilms steht der 1912 gedrehte und im Mai 1913 uraufgeführte Streifen, Raja Harishchandra von Dhundiraj Govind Phalke. Der Film war keine Abfilmung eines Theaterstücks, sondern ein ausgefeilter Spielfilm und wurde zum Erfolg, weil das Publikum eine Geschichte zu sehen bekam, die ihm bekannt war.

Es waren die Juden Indiens, die die Grenzen des indischen Kinos verschoben: der erste Filmkuss, der erste Tanz, der erste Tonfilm und der erste Farbfilm. Ezra Mir, ein Jude aus Kalkutta, der sein Handwerk in den USA gelernt hatte, erkannte zusammen mit Ardeshir Irani die Bedeutung des Tonfilms und es sollte erste indische Tonfilm werden. Alam Ara (Hindi: Das Ornament der Welt) ist ein 1931 indischer Bollywood Hindi/ Urdu Film unter der Regie von Ardeshir Irani. Ezra Mir produzierte den Film. Alam Ara debütierte im Majestic Kino in Mumbai (Bombay dann) im März 1931. Der erste indische Talkie war so beliebt, dass die Polizei zu Hilfe gerufen wurde, um die Massen unter Kontrolle zu halten.

Frauen traten zunächst, genau wie beim Theater, kaum als Darsteller in Erscheinung, da der Schauspielerberuf für Frauen damals als anrüchig angesehen wurde. Deshalb traten Männer als Frauen verkleidet auf. Einer der „Frauendarsteller“ war z. B. der Kameramann Anna Hari Salunke, auch bekannt als A. Salunke and Annasaheb Salunke. Zwischen 1913 und 1931 übernahm er vielfach Frauenrollen. Dennoch konnten die männlichen Frauendarsteller nicht die Nachfrage nach weiblichen Protagonistinnen abdecken. Es waren die Frauen einer kleinen Minderheit, die sich nach Mumbai aufmachten, um Bollywood zu erobern.

Bei Juden galt es nicht als Tabu, wenn Frauen sich in der Öffentlichkeit zeigten. Seit mehr als 2000 Jahren lebten Juden auf dem indischen Subkontinent. Vermutlich trafen die ersten Juden bereits vor über 2500 Jahren ein. Tatsächlich ist der älteste jüdische Friedhof in Indien über 2000 Jahre alt und unzerstört. In mehreren Wellen über Jahrhunderte hinweg kamen Juden nach Indien, manchmal als Kaufleute, aber oft auf der Flucht. Jüdische Frauen waren selbständiger und progressiver und eroberten im Sturm die Kinoleinwand. Die Inder hielten sie, wegen ihres Aussehens und ihrer Künstlernamen für Nachkommen islamischer Eroberer oder für Anglo-Inderinnen.

Sulochana, eigentlich Ruby Meyers wurde erster weiblicher Superstar des indischen Kinos in der Stummfilmzeit. Sie war so berühmt, dass Gandhi-Kurzfilme vor ihren Filmen gezeigt wurden, um seine Popularität zu steigern. Rose Musleah wurde 1911 in Kalkutta geboren, wo sie Tanzlehrerin war. Nach ihrer Scheidung in den frühen 1930er Jahren beschloss sie ihr Glück in der aufkeimenden Filmindustrie zu versuchen. Als „Miss Rose“ machte sie schnell Karriere und spielte in vielen Filmen eine Hauptrolle. Als die Familie von Rachel Sofaer finanziell von der Wirtschaftskrise angeschlagen war, begann sie unter dem Namen Arati Devi als Filmschauspielerin zu arbeiten. Nach ihrer Heirat 1933 gab sie ihre Filmkarriere auf.

Pramila, bürgerlich Esther Abraham, war in den 30ern der Star des Indischen Kinos. Einer ihrer Filme „Mother India“ von 1938 wurde als erster Film im Buckingham Palace gezeigt. 1947 wurde sie erste „Miss India“. In den späten 40ern, besonders nach der Unabhängigkeit stellte der Beruf „Schauspielerin“ keine moralischen Bedenken mehr dar. Wieder war es eine jüdische Schauspielerin, die neue Maßstäbe setzte. Farhat Ezekiel wählte den Künstlernamen „Nadira“ und etablierte einen neuen Frauentyp: den Vamp. Zigaretten rauchend, mit ungewöhnlichen Kostümen und Frisuren galt als Prototyp des Vamps des Indischen Kinos. Sie spielte oft die Rolle der Verführerin, den Gegenpart zur keuschen Heldin, die von der Bollywood-Filmindustrie bevorzugt wird.

Ein jüdischer Schauspieler wurde sogar zur Vaterfigur des indischen Films. Der im Volksmund als „David“ bekannte Darsteller David Abraham Cheulkar konnte auf eine über vier Jahrzehnte umfassende Karriere und mehr als 110 Filme zurückblicken. Doch die Zeit der jüdischen Filmschaffenden sind längst vorbei. Die einst 90 000 Seelen zählende jüdische Gemeinschaft Indiens ist auf weniger als 5000 geschrumpft. Nach Israels Staatsgründung 1948 verließen die meisten das Land.

Die Zeit nach Indiens Unabhängigkeit 1947 bis in die 60er Jahre wird von Filmhistorikern als "Goldenes Zeitalter" des Hindi-Kinos angesehen. Einige der am meisten kritisch gefeierten Hindi-Filme aller Zeiten wurden in dieser Zeit produziert. Beispiele sind die Guru Dutt-Filme Pyaasa (1957) und Kaagaz Ke Phool (1959) und die Raj Kapoor-Filme Awaara (1951), Shree 420 (1955) und Dilip Kumar's Aan (1952). Einige der berühmtesten epischen Filme des Hindi-Kinos wurden zu dieser Zeit produziert, darunter Mehboob Khan's Mother India (1957).

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren wurden Romantikfilme und Actionfilme angesagter Trend in Bollywood. Später in den Mitsiebzigern machten romantische Schmachtfetzen Platz für Actionfilme mit Gangstern und Banditen aller Art, während man in den 80er-und 90er Jahren wieder mit Erfolg zu den altbewährten, familienorientierten, romantischen Musicals zurückkehrte.

Die 2000er Jahre brachten Wachstum für Bollywood und Anerkennung weltweit. Ein rasanter Aufschwung in der indischen Wirtschaft und eine Nachfrage nach qualitativ hochwertiger Unterhaltung in dieser Ära führten die Filmindustrie der Nation zu neuen Höhen in Bezug auf Produktionswerte, Kinematografie und innovative Drehbücher, sowie Fortschritte in Bereichen wie Spezialeffekten und Animationen. In den 2010er Jahren stellte die Branche den Trend der etablierten Filmstars wie Salman Khan, Akshay Kumar und Shahrukh Khan unter Beweis.

Im prüden Indien unterliegen Filme rigorosen Einschränkungen: Verboten sind Sex und Intimitäten. Filmküsse wurden generell von Filmzensoren bis in die 1990er Jahre verboten; sogar bis heute fallen Geknutsche und Fummeleien immer wieder der Schere zum Opfer. Einst brachte Indien die Kamasutra hervor, doch man kann nur spekulieren, was die Moralvorstellungen auf dem Subkontinent verändert hat. Seit Jahrzehnten beklagen sich Filmschaffende, dass die Filmzensoren sich wie Moral-Polizisten aufspielen, indem sie fordern, dass anzügliche Sprache, Sexualität, homosexuelle Themen und politisch sensible Inhalte aus Filmen geschnitten werden – und nicht nur das.

2016 scheiterte fast ein Bollywood-Blockbuster an seinem Sachverhalt: den Drogenproblemen im nördlichen Bundesstaat Punjab. Berichten zufolge hatten Zensoren von den Machern von "Udta Punjab" ("Flying Punjab") verlangt, Dutzende von Szenen herauszuschneiden und alle Hinweise auf den Bundesstaat, einschließlich des Titels, zu entfernen. "Alle Charaktere sind negativ. Es wird die ganze Gemeinschaft beeinträchtigen." sagte Pahlaj Nihalani, der Leiter des Zentralausschusses für Filmzertifizierung, zu Indiens Presse. Seine Prophezeiung ist nicht eingetroffen. Pahlaj Nihalani hat als Hellseher versagt.

Es war im Jahr 2016, da verzeichnete Bollywood einen interessanten Neuzugang, eben durch den Film "Udtha Punjab", der fast der Zensur zum Opfer fiel. Sein Name ist Diljit Dosanjh und diesen Namen sollte man sich merken. Ohne familiären Beziehungen zur Industrie, aber mit viel Talent, Fleiß und dem nötigen Charisma schaffte er den Durchbruch. Er gilt als einer der führenden Künstler aus der Musikindustrie des Punjab, dem Sikh-Bundesstaat und wirkte seit 20011 regelmäßig in Punjabi-Filmen mit. Man rechnete ihm zunächst keine großartigen Chancen in Bollywood aus: als Sikh trägt er Turban und Bart. Dennoch schaffte er den Durchbruch mit dem Film „Udta Punjab“ und das Publikum liebt den sympathischen Künstler.

Einer der größten Bollywoodstars der Gegenwart ist Shahrukh Khan. Er ist wahrscheinlich der indische Darsteller, der in Deutschland am Bekanntesten ist. In Indien macht er nicht nur Filme, sondern auch Werbung für teure Hautaufhellungscremes. Damit ist er nicht der einzige, der für diese Produkte wirbt. Wahrscheinlich hätte er in der Deutschland keinen Erfolg damit, zumal sich Solarien, immer noch großer Beliebtheit erfreuen.

Bollywood bleibt eine Welt für sich, die nach ihren Regeln spielt. Innerhalb der indischen Filmindustrie, gibt es ein wiederkehrendes Thema: Familienclans, Mitglieder einer Familie, die, die Filmindustrie über mehrere Generationen regelrecht beherrschen, egal ob als Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren oder Produzenten: da gibt es die Khans, die Kapoors, die Bachchans, die Bhatt-Familie und einige andere.

Filmschaffende bereits in vierter Generation und an der fünften Generation wird gerade gebastelt. Es ist eine kleine Gruppe von Leuten, die sich gegenseitig beweihräuchern und sich gegenseitig Rollen und Angebote zuschustern. Für einen Neuanfänger ist es nicht so einfach Fuß zu fassen, wenn man zu keiner der alt eingesessenen Bollywoodfamilien gehört; doch Ausnahmen bestätigen die Regel.

Indiens Filmindustrie bringt natürlich auch jede Menge Schund und bedenkliche Machwerke hervor, die vor Dummheit und Geschmacklosigkeit strotzen. 2011 erschien „Dear friend Hitler“, der in Indien unter dem Titel „Gandhi to Hitler“ veröffentlicht wurde. Es handelt sich um einen Film, der Adolf Hitler glorifiziert, als angeblichen Unterstützer Indiens im Freiheitskampf gegen die Briten. Der Vater der Nation trifft auf den Gröfaz. Bedauerlicherweise haben viele Menschen in Südasien wenig Wissen über den Nationalsozialismus und sehen in Hitler einen großen Staatsmann. Ein indischer Parlamentsabgeordneter heißt z.B. Adolf Lu Hitler Marak.

Hitlers Nutzung des Hakenkreuzes, ein altes hinduistisches Glückssymbol, und sein Bezug zu den Ariern fallen bei einfach gestrickten Leuten auf wohlwollende Anerkennung. Ebenfalls 2011 erschien der Punjabi-Film „Hero Hitler in Love“, der als „Liebeskömödie“ angepriesen wurde. Autor der Geschichte war der Sänger Babbu Maan, der sowohl das Drehbuch als auch die Filmmusik schrieb, als auch die Hauptrolle übernahm. Die Schnulze ist ein Paradebeispiel für cineastischen Sondermüll. Der Hauptcharakter des Films ist ein, in seinem Heimatdorf geachteter Mann mit dem Spitznamen „Hitler“. Weltweit wurde der Titel des Films kritisiert.

Maan verteidigte sein Werk damit, dass der widersprüchliche Titel „Hero Hitler“ ironisch gemeint sei, da Hitler in Indien für „Schurkentum und Hass“ stünde. International ging der Film gewaltig in die Hosen; im Punjab feierte er jedoch Erfolge. 2016 hingegen machte Babbu Maan von sich reden, wegen seiner andauernden verbalen und wenig geistreichen Angriffe auf Diljit Dosanjh. Vielleicht ist es der phänomenale Erfolg von Diljit Dosanjh mit seinen Filmen und Songs, der Babbu Maan zum Ausrasten bringt. Babbu Maan ist nicht der erste, der Diljit unnötig kritisiert. Das hatten bereits andere versucht. Diljit sollte sich die Verbalattacken nicht zu Herzen nehmen, weil er viel besser ist als die, die ihn kritisieren.

Amitabh Bachchan gilt als der größte und einflussreichste Schauspieler in der Geschichte des indischen Kinos. Seine Karriere begann 1969. Es gibt sogar einen Tempel in Kalkutta, wo Amitabh Bachchan als Gott verehrt wird. Vor über drei Jahrzehnten war er ein guter Freund von Sonia und Rajiv Gandhi. Im Jahr 1984 ging er kurzzeitig in die Politik und gewann für Allahabad einen Sitz im Parlament. Er verspritzte sein tödliches Gift, indem er 1984 seine Popularität nutze und die Massaker an den Sikhs anfeuerte. „Khun ka badia“, was soviel bedeutet, wie „Blut braucht Rache“, rief er den Massen nach Indira Gandhis Ermordung durch zwei Sikh-Leibwächter zu.

In den folgenden Tagen brannten in New Delhi ganze Stadtviertel, mindestens 3000 Menschen kamen allein in der Hauptstadt um. Die Zahl der getöteten Sikhs außerhalb von Delhi liegt bei weit über 30 000. Hunderte Sikhs, wenn nicht sogar Tausende verschwanden spurlos. Niemand kennt die genaue Zahl. Jede dieser Mob-Gangs von etwa 200-300 Männern, geleitet von einem Anführer, begannen in die Häuser der Sikhs auszuschwärmen, töteten Kinder, vergewaltigten Frauen, fesselten Männer an Reifen, die mit Kerosin in Brand gesetzt wurden, brannten Häuser und Geschäfte nieder, nachdem sie sie geplündert hatten, während die Polizei zusah.

Nach drei Jahren zog sich Amitabh Bachchan aus der Politik zurück, ohne seine Amtsperiode zu beenden und es kam, warum auch immer, zum Bruch zwischen ihm und Gandhis Familie. Wieso Bachchan für seine Mittäterschaft nicht im Gefängnis sitzt, fragen sich viele Inder. Nun ja, in Bollywood scheint es zweierlei Recht zu geben, aber nicht nur dort. Er kehrte zurück zur Schauspielerei und vermittelt den Eindruck, dass so ein großer Künstler wie er unentbehrlich sei.

Statistisch gesehen wird fast jeden Tag ein neuer Film gestartet wird. Damit ist Indien in der Filmproduktion Weltmarktführer. In Mumbai, Kalkutta und Madras sind die gigantischen Studios angesiedelt. Inder sind enthusiastische Kinogänger und etwa zehn Millionen Menschen strömen täglich in die Kinos. Indische Filme sind in allen Genres vertreten. Es ist kein Wunder, dass Bollywood dem US-amerikanischen Kino die Stirn bietet und das deutsche Kino in die Tasche steckt.

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