Sonntag, 17.11.2019 16:03 Uhr

Krieg um Einfluss im Königreich der Mode

Verantwortlicher Autor: pfaffen Zürich, 04.06.2019, 10:57 Uhr
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Zürich [ENA] Die Herrschaft der sozialen Netzwerke hat die Modewelt durchgerüttelt und sie dazu gezwungen, permanent Beiträge zu kreieren, um ihre Sichtbarkeit zu gewährleisten. Angesichts dieser sich im digitalen Zeitalter wandelnden Konsumverhalten musste sich die Modebranche neu erfinden, um den hohen Erwartungen der Verbraucher gerecht zu werden. Willkommen in einer Welt, in der nicht mehr verkauft wird, es wird beeinflusst.

Digital & Fashion: Welche Konsumgewohnheiten? 40% der Luxuskunden sind heute 18- bis 35-Jährige; sie meiden Zeitungen und Fernsehen, folgen Werbeblogger auf ihren Smartphones und ziehen es vor, in sozialen Netzwerken zu verweilen, Serien anzuschauen oder Musik zu hören. Also muss man mit ihnen reden, wo sie sind. Um mit den Verbrauchern in Kontakt zu bleiben, die über Hyperlinks miteinander verbunden sind, ist es von strategischer Bedeutung, dass Modemarken an vorderster Front stehen. Der Kauf von Kleidung für den Verbraucher des 21. Jahrhunderts hat nicht die gleiche Bedeutung wie gestern. Ästhetik ist nicht das Kriterium Nummer 1 im Kaufverhalten; das gesamte Verbrauchererlebnis muss berücksichtigt werden.

Der Begriff Fashion-Tech definiert die Allianz zwischen der Modebranche und diesen neuen Technologien. Eine Einflusskampagne von einer berühmten Modemarke wurde folgendermaßen inszeniert: eine bekannte „Influencerin“, mit der Marke eingekleidet, wurde gebeten, mit dem Fahrrad durch New York zu streifen, um ihre Lieblingsplätze auf Instagram zu posten. Die Kampagne fand während der New York Fashion Week statt. Obwohl die Marke nicht defilierte, hat sie mit dieser Kampagne einen großen Anklang gefunden. Diese Spontaneität, die Marke wird im Alltag dargestellt, auch wenn sie inszeniert ist, mögen die Instagram-Nutzer.

Neue Einfluss Strategen. Wer von über 1 Millionen Instagram Nutzer gefolgt wird, hat sich den Grad eines Mega-Influencer verdient. Ein Mega-Beeinflusser hat täglich mehr als eine Million Anhänger und veröffentlicht den ganzen Tag lang gesponserte Inhalte. Der Macro-Influencer hat zwischen 100.000 und eine Million Abonnenten; besitzt anerkannte Fachkenntnisse in einem Bereich wie Mode, Lifestyle, Beauty, usw. und bevorzugt eine bezahlte künstlerische Zusammenarbeit mit einer Marke, anstatt für die Marke direkt auf seinem eigenen Instagram Konto zu werben.

Doch die Anzeichen eines Entfremdens zwischen Mode- und Instagram-Stars häufen sich. Dolce & Gabana hatte für seine Show in Mailand Ende Februar einen Zutrittsverbot für Influencer dekretiert. Auch wenn das baldige Ende des Einfluss Marketing vorhergesagt wird, die Manöver zu beeinflussen werden immer subtiler. Ins Spiel kommen die Micro-Influencer mit weniger als 100 000 Abonnenten, deren Selfies als authentischer beurteilt werden. Balenciaga ist an der Spitze des Mikro-Einflusses auf Instagram, weil das Label nur von Anonymen aus der Gegen-Kultur vertreten wird. Dies schafft eine Gemeinschaft aus Fleisch und Blut, weit weg vom bling-bling Einfluss von Millionen von Likes. Es ist die Gemeinschaft der wahren Liebhaber der Marke.

Tugendhafte Beeinflussung. Micro-Influencer können Künstler, Musiker, aufstrebende Talente der Gastronomie sein, deren Präsenz der Marke eine Einzigartigkeit und Ungeschliffenheit verschaffen. Sie verleihen der Marke Frische und Relevanz. Die Auswahl dieser schrillen Persönlichkeiten trägt dazu bei, die Unterstützung von einer Gemeinschaft zu gewinnen, die sich bis dahin mit den großen institutionellen Modehäuser nicht identifizieren konnten.

Dior zum Beispiel arbeitet mit der nigerianischen Feministin Chimamanda Ngozi Adichie zusammen. Chimamanda ist popkulturell bekannt und ihre Literatur ist engagiert. Durch diese Zusammenarbeit will Dior sein Interesse aufzeigen, auf gesellschaftliche Themen einzugehen; weit entfernt vom vulgären Handel mit gesponserten Beiträge auf die sozialen Medien. Empathische engagierte Mode und der Feminismus ist jetzt massentauglich und vermarktungsfähig. Es ist eine verhaltene Beeinflussung die durch eine Vielzahl von Anlässe, Performances, Abendessen, Ausstellungen, Meetings zum Ausdruck gebracht wird und auf Instagram gepostet werden.

Es ist eine neue Einflussnahme, die ziemlich lobenswert scheint, da es viele Talenten ermöglicht sich zu profilieren. Die Luxusmode ist auf der Suche nach immer mehr Vertretern außerhalb der Plattform, eine notwendige Weiterentwicklung, da die Gesellschaft äußerst fragmentiert ist. Es gibt keine gemeinsame Kultur mehr, sondern tausend Kulturen mit Stämmen, die von einem Drohneneinsatz ähnlichen Marketing identifiziert werden müssen. Man muss den Influencer finden der den Käufer inspiriert, der neben einem Nad Lawrence Atelier lebt, oder der die Detox Anhägerin überzeugt, die ein Fan von Street Art ist, usw. Diese Super-Nischen-Profile haben sogar einen Namen: die" Nano-Influencer ". Und wenn es nur die gute alte Mundpropaganda ist...?

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