Donnerstag, 24.09.2020 16:24 Uhr

Großer Jubel Ladenöffnung jetzt auch Feiertags 12.08.20

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Berlin, 11.08.2020, 18:35 Uhr
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Endlich shoppen wo und wann man will 24 h 7 Tage/Woche
Endlich shoppen wo und wann man will 24 h 7 Tage/Woche  Bild: Helene Souza /www.pixelio.de

Berlin [ENA] Wie schön war doch die frühere Einkaufswelt: Montag – Freitag 9 – 18 Uhr und Samstag 9 – 13 Uhr Ladenöffnung, große Geschäfte/Ketten bis 18.30 Uhr bzw. bis 14.00 Uhr. Und das Tollste: Keiner ist verhungert, jeder hat all die Waren bekommen, die er haben wollte.

Und es gab kein Internet, alles mußte in Läden vor Ort gekauft werden, auch kein Tele der TV – Shopping, keine Tankstellen – Shops, keine Tablet- oder Smartphone Apps, nein, man mußte einen Laden betreten und Waren aus dem Regal nehmen und in einen Einkaufswagen legen. Und alle waren glücklich, auch am Wochenende. Hatte man dann Samstag Abend keine Tüte Chips, dann gab es Kioske die bis Mitternacht auf hatten, oder nix Chips. Weihnachten, da standen die Leute eben an oder besannen sich rechtzeitig einzukaufen und nicht Heiligabend 13.30 Uhr noch eine CD auszusuchen, jeder Weihnachtsbaum hatte seine Präsente unter sich.

Doch dann kamen die Kunden, die gar keine echten waren: Politiker wie die FDP Namens Günter Rexroth und Co., damals Wirtschaftsminister, die wollten unbedingt längere Öffnungszeiten, schon damals ging es erst um einen Dienstleistungsabend, der berühmte Donnerstag bis 20.30 Uhr, dann kam der Samstag bis 16.00 Uhr. Dann wurde wochentags bis 20 Uhr freigeräumt und letztlich auch der Samstag bis 20 Uhr freigegeben. Ich kenne noch die Zeiten, wo die Arbeitgeber den Mitarbeitern sagten: Da kommt jeder so 1 – 2 x im Monat Samstag Abend dran. Dummes Gerede, wie sich dann herausstellte. Aber zu der Zeit wagte es keiner, den Sonntag anzurühren.

Dann kamen wieder „ kluge „ Politiker auf die Idee, man könne doch auch mal Sonntags öffnen. Die Bürger wollten bei einer Veranstaltung auch einkaufen, ausserdem könne die Familie Sonntag in aller Ruhe bummeln, ganz entspannt, nicht so wie in den Wochentagen, wo einer oder mehrere aus der Familie arbeiten müßten. Gesagt, getan, es wurden allerlei Feste und Feiern aufgetan damit Sonntagsöffnungen möglich wurden.

Und damit das Ganze auch den Skeptikern als notwendig verkauft werden konnte, wurden an Sonntagen besondere Rabatte, Verkaufsartikel, Gratiscoupons, Fahrgeschäfte und anderes mehr etabliert, um die Kunden besonders anzulocken und hinterher eine tolle Umsatzbilanz zeigen zu können, die die Steigerungen belegen sollten. Dumm war nur, das die Bilanz so gar nicht toll war, geringe Margen wegen hauptsächlicher Werbeverkäufe gemacht wurden und kleine Geschäfte aus Kostengründen die Sonntagsöffnungen gar nicht mitmachen konnten.

Dazu kam das inzwischen etablierte Internet, TV Shopping, halt die ganze neuzeitliche Einkaufspalette, die dem Einzelhandel zu schaffen machte. Aber da die stationären Händler die Onlinepreise weder mitmachen wollten noch konnten, und die, die das kurze Zeit mit Amazonpreisen und Co. versucht hatten das aber ganz schnell wieder abgestellt hatten, wollte sich der große Umsatzschub so gar nicht einstellen. Bis heute. Ganz im Gegenteil: Einige der großen Firmenketten wie Karstadt, Kaufhof, Max Bahr, Praktiker hatten damals große Klappe in Sachen Ladenöffnung; wo sie heute sind, wissen wir ja. Weg, Insolvent oder am Boden, und das seit Jahren.

Doch seit Corona wird nicht nur seitens der Wirtschaftsverbände, sondern auch der Politik, insbesondere der FDP, Druck auf die Ladenöffnungszeiten gemacht. Und auch Altmaier, der ja schon die Wirtschaft mit diversen Coronageschenken beglückt hat, kann die Nase nicht voll bekommen. Seine noch vor Monaten so hoch gelobten Helden des Alltags im Einzelhandel, als der Hamsterkauf in Sachen Toilettenpapier, Hygienartikel, Fertiggerichte, Reis, Kartoffelpüree auf dem Höhepunkt war, das diese Artikel und andere mehr sogar rationiert wurden, sind inzwischen zu Deppen des Landes degradiert. Was ist in der Zwischenzeit passiert ?

Nachdem die Geschäfte wieder öffnen durften, das öffentliche Jammern trotz Kohle ohne Ende aber weiter gegangen ist, kam Altmaier auf eine grandiose Idee: Dem Einzelhandel muß geholfen werden. Und am besten macht man das, indem man die Öffnungszeiten erweitert. Und zwar nicht nur wochentags, nein am Sonntag gleich noch mit. Und wenn das Argument des höheren Umsatzes wegen zusätzlicher Öffnungszeiten nicht zieht, dann behauptet das Wirtschaftsministerium einfach, man wolle die Kundenzahl entzerren.

Heisst also im Klartext: Man glaubt gar nicht an zusätzliche Kunden, die zum Einkaufen kommen, man will eigentlich nur die Kundendichte auflockern, die Leute sollen also nicht so massiv zusammen einkaufen, wegen Abstand und so. Dabei geht es in den Einzelhandelsgeschäften eher locker zu, nach wie vor das große Jammern wegen fehlender Kunden und Kaufunlust, wo ist da Entzerrung gefragt ?

Ich habe in den letzten 6 Wochen KEIN Einzelhandelsgeschäft gesehen, wo mehr Kunden rein wollten als durften. Damit meine ich nicht die Kleinbutzen, wo nur eine Person auf einmal rein darf. Wie dumm diese Idee auch ist, hat natürlich Niedersachsen und die FDP diesen Gedanken aufgenommen und wollen diesen nun umsetzen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann, Heiger Scholz, Staatssekretär vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, nebenbei auch Anwalt, dazu Vertreter von Kirchen, Verdi, IHK, Unternehmens- und Handelsverbände Niedersachsen.

Heraus ist angeblich eine Einigung gekommen, die nunmehr für den Zeitraum August – November 2020 4 verkaufsoffene Sonntage erlauben, und das ohne jeden Anlass dazu, d.h. hier muß keine Veranstaltung, Jubiläum, Feier der Stadt o.ä. Hintergrund sein. Einfach mal so können sich die Einzelhändler darauf einigen. Wie großzügig von den Akteuren: Die 4 Adventssonntage, der 27. Dezember, Allerheiligen, Volkstrauertag und der Totensonntag sind ausgenommen. Dachte man.

Am 27. Dezember haben offensichtlich sowohl Wittmund als auch Rotenburg eine Ladenöffnung beantragt, so wie mir Informationen vorliegen sollen beide Termine bereits feststehen. Was als Fakt im Göttinger Tageblatt berichtet wird, klang woanders, z. B. bei verdi, vor 2 – 3 Wochen noch ganz anders: ver.di-Landeschef Detlef Ahting soll sich klar gegen Öffnungen ohne besonderen Anlass ausgesprochen haben und sogar mit Klagen dagegen gedroht haben, falls es dazu kommt.

Und natürlich ist auch allen Beteiligten klar, das diese 4 Tages – Aktion weder einen Betrieb retten kann noch besonders auf Jahresergebnis relevante Umsätze generieren kann, es geht einfach um die Sache, weil man klar in Coronazeiten unliebsame Dinge einfacher und besser durchbekommen kann, immer mit Bezug auf Corona und wie schlecht es doch den Betroffenen geht. Immer die gleiche Masche. Und wenn man dann diese Neuregelungen einmal durch hat, werden die natürlich im folgenden Jahr nicht mehr abgeschafft.

Dabei müßte jedem normal intelligenten Menschen sofort auffallen: Die Einzelhandelsgeschäfte hatten rund 2 Monate zu, danach geöffnet mit der qm – Klausel, dann wieder komplett geöffnet. Und 4 Halbtags – Sonntagsöffnungen sollen das nun kompensieren, 2 Tage Vollzeitöffnung gegen 70 Tage Laden zu ? Für wie dumm hält uns eigentlich die Politik und die Lobbyisten des Einzelhandels ?

Die FDP, schon immer Vorreiter bei längeren Öffnungszeiten seit Jahren, haben einen noch besseren Vorschlag: Lindner würde es schon reichen, wenn die Kommunen ihre Geschäfte an 12 Sonntagen im Jahr öffnen dürften. Apropo reichen, uns reicht es schon lange mit Herrn Lindner und seinen abstrusen Ideen. Und dann noch so ein schlauer Spruch von Lindner: Kein Arbeitnehmer müsse 6 oder 7 Tage in der Woche hintereinander arbeiten. Das könne man über Arbeitszeitregelungen abfedern. Keine Ahnung hat der Mann, es gibt schon heute genug Wochen im Jahr, wo Mitarbeiter 6 Tage Woche haben, nix Abfederung. Kommt der Sonntag dazu, gibt es NATÜRLICH hier und da die 7 Tage Woche für Mitarbeiter, das hat er gar nicht zu bestimmen.

Wie die Berliner Morgenpost kürzlich berichtet hat, wird jetzt in Berlin der Oberhammer geplant. Der regierende Bürgermeister, Wirtschaftssenatorin Ramona Pop Bündnis 90/Die Grünen, der FDP (na klar) und Abgeordnete anderer Parteien wollen einen Großangriff auf den Ladenschluß einleiten: Es soll nicht nur bei den Sonntagsöffnungen großzügig geöffnet werden, nein, auch Feiertags sollen Öffnungen möglich werden. Der Kommentar von der Berliner Morgenpost, Dominik Barth dazu (Zitat): Denn die Sonntagsruhe für den Einzelhandel ist ohnehin ein Relikt aus einer Vorzeit. (Zitatende). Wieviel alte Relikte gibt es denn sonst noch so ?

Zum Beispiel die Sprechzeit der Berliner Morgenpost Redaktion, die um 16.30 Uhr endet, zum Beispiel das Banken Samstags nicht geöffnet haben, und warum haben Ärzte in der heutigen Zeit nicht täglich vor- und nachmittags Sprechzeit ? ALLES Relikte aus alten Zeiten, doch die meisten haben Sinn und Gründe, DESHALB haben wir die. Und der Redakteur selber nutzt auch alte Relikte, zum Beispiel bei seinen Urlaubs- und Gehaltsansprüchen, die ohne alte Gewerkschaftskämpfe ganz anders aussehen würden. Die nimmt er aber gerne in Anspruch. Die findet er nicht alt und verstaubt.

Es ist immer das Gleiche: Wenn man nicht betroffen ist, kann man schön darüber ablästern und Forderungen stellen, das betrifft am meisten die Politiker. Interessant ist der Vergleich, man könne ja im Internet zu jedem Zeitpunkt jegliches Produkt bestellen. Glaubt denn irgendjemand, deshalb würden die Einzelhandelsläden nun 24 Stunden öffnen ? Mit 100 % Gehaltsaufschlag zwischen 20.01 Uhr – 6.00 Uhr ? Nur weil jede Stunde 2 – 3 Kunden kommen ? Und Überfälle wegen Minderbesetzung zunehmen ? Oder sollen die Läden nur bis 24 Uhr öffnen ? Oder bis 22.00 Uhr ? Was soll dann aber der dumme Vergleich mit „ rund um die Uhr „ ?

Weitere Aussage: „ Es gäbe ja schon Berufe die an diesen Tagen tätig sind, und das rund um die Uhr „ Was für ein dummer Vergleich; klar das Polizisten, Krankenhäuser, Pflegekräfte, Feuerwehr und Co. IMMER bereit stehen müssen, was für eine Frage. DIE haben sich den Job ausgesucht und bekommen eine ganz andere Bezahlung. Man kann nur hoffen, das die Gewerkschaft die Blockadehaltung, so wie Herr Bath sie nennt, NICHT aufgibt und mit den Kirchen und anderen Verbänden alles daran setzt, diese Freigaben zu blockieren. KEINER muß rund um die Uhr einkaufen können und die Angestellten haben ein Recht auf Ruhe- und Freizeiten. Das hat mit Gestaltung des Einzelhandels rein gar nichts zu tun, sondern mit Sinnhaftigkeit.

Die Bürger kaufen nämlich nicht wegen der fehlenden Einkaufzeiten nicht im Einzelhandel ein, sondern wegen der besseren Preise im Internet, das zu begreifen fällt machen Personen sichtlich schwer. In die gleiche Bresche schlägt sich auch Ludwig Veltmann vom Mittelstandsverband ZGV. Er behauptet, man müsse die Sonntagsregelungen kippen wegen der starken Umsatzeinbußen, gegenüber Onlineplattformen hätten die Einzelhändler vor Ort SONST keine Chance mehr. Richtig, Herr Veltmann, das haben Sie spät aber immerhin erkannt: Die Einzelhandelsgeschäfte vor Ort, die Sie vertreten, haben KEINE Chance gegen das Internet, und Sie müßten eigentlich am besten wissen, warum das so ist und Ihre Forderungen völlig ins Leere greifen:

Ihre Einzelhandelsgeschäfte können und wollen die Internetpreise nicht mitgehen, wollen die zusätzlichen Serviceleistungen wie Umtausch ohne Wenn und Aber mit Geld zurück in 4 Wochen, Gebrauchtes einfach zurückschicken auch nach 6 Monaten und länger, nicht mitgehen. Das alles wissen Sie und trotzdem tun Sie so, als ob der Sonntag daran läge und der alles ändern würde. Völliger Quatsch. Oder wollen Sie den Firmen 24 Stunden Öffnungszeiten verordnen ? Auch das kann keiner.

Begreifen Sie es einfach: Sie können die Leistungen vom Internet nicht kopieren, nicht anbieten, und deshalb werden stationäre Händler IMMER die Verlierer sein. Ihr vorgeschobenes Ladenschlußgesetz als Argument zieht nicht. Aber das ganze Dilemma hätten sich Politiker und Wirtschafts-/Handelsverbände bei Einführung von Onlineverkauf mit den Regeln mal überlegen sollen, da kam nix. Das Ergebnis haben die jetzt selbst zu verantworten, suchen aber einen anderen Dummen.

Vielen Dank nochmals an die EHEMALIGEN Helden des Alltags, die Einzelhandelsmitarbeiter/innen, aber jetzt heisst es für Euch wieder anpacken, malochen, und da ist kein Feiertag, kein Sonntag, keine Stunde mehr heilig. Wenn es nach den Willen dieser Leute geht, die ich genannt habe. Und die neuen Helden, Pflegekräfte und medizinische Angestellte: Auch Ihr werdet wenn es ein „ nach Corona „ gibt wieder in Vergessenheit geraten und genauso „unwichtig“ sein wie vorher und keiner wird sich mehr für Eure Bezahlung, Arbeitszeit und Besetzung interessieren, das ist die Wahrheit . So spielt die Politik und die Allgemeinheit.

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