Dienstag, 17.09.2019 06:39 Uhr

Fachkräfte fehlen überall Einwanderung wird blockiert

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Göttingen, 29.06.2019, 14:09 Uhr
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Mediakamentenausgabe in einer Pfegeeinrichtung
Mediakamentenausgabe in einer Pfegeeinrichtung  Bild: Erwin Lorenzen / www.pixelio.de

Göttingen [ENA] Fachkräftemangel über Fachkräftemangel, ob im Handwerkerbereich, Pflegebereich, eigentlich in fast allen Dienstleistungsbranchen sollen Fachkräfte fehlen, die Arbeitgeberverbände klagen an, das der Staat zu wenig tut, das im Land zu wenig Fachkräfte verfügbar sind usw.

Komischerweise ist der Fachkräftemangel verstärkt seit 2016 in der Presse, genau seit dem Zeitpunkt, als der Höhepunkt des Flüchtlingszuzugs voll in Gang war. Wie haben sich manche Arbeitgeber darüber aufgeregt, das es so lange dauern würde, bis die Flüchtlinge mit dem Anerkennungsverfahren durch wären hier in Deutschland, da wären wertvolle Fachkräfte darunter die man benötigen wollte. Später stellte sich dann heraus, das die Bildung aus bestimmten Ländern recht niedrig war, insbesondere fehlende Sprachkenntnisse, Analphabetismus und andere Probleme führten dazu, das erkannt wurde, den Fachkräftemangel durch Flüchtlinge nicht begegnen zu können.

Um den Begriff des Fachkräftemangels für alle jene, die die Bedeutung falsch deuten, mal zu erklären Fachkräftemangel heißt eben nicht, das es keine Fachkräfte in einem gewissen Bereich gibt. Vielmehr wird damit das schlechte Verhältnis von Bewerbern zu verfügbaren oder benötigten Plätzen in einem Dienstleistungsbereich gemeint. Ein Beispiel: Es werden 1000 Handwerker benötigt, früher haben sich in normalen Zeiten 3000 Personen beworben, Verhältnis ok. Jetzt bewerben sich nur 1500 Personen, durch Auswahl und Vorgaben der Arbeitgeber fallen 700 raus, verbleiben 800 für den Job, also fehlen 200. Das nennt man dann Fachkräftemangel. Es sind theoretisch genügend Arbeitskräfte da, das belegen ja auch die Arbeitslosenzahlen in Deutschland.

Anstatt das sich die Arbeitgeber aus dem Pool eine Anzahl an Personen herausnehmen und diese weiterqualifizieren, warten die lieber mehrere Monate auf ein eventuell erteiltes Aufenthaltsrecht, obwohl die Grundqualifikation viele Arbeitsloser schon höher ist als die der zu uns kommenden Personen. Weiteres Problem sind die Vergleichbarkeit der Qualifikationen in unterschiedlichen Länder, allein durch Infrastruktur, Hygienevorschriften, Studienvergleichbarkeit u.a. kann man nicht einfach die Fachkraft auf ein deutsches Niveau übertragen, was gerne gemacht wird. Komisch, denn immer wird hier das fast einzigartige duale Ausbildungssystem gelobt, das es in vielen Ländern gar nicht gibt.

Braucht man dann aber dringend Fachkräfte, scheint das ja nicht mehr so wichtig zu sein. Gerade in dem wichtigen Bereich Pflege hören wir seit ewigen Zeiten, das hier Tausende von Kräften fehlen. Doch es ist inzwischen ja auch bekannt, das gerade Pflegefirmen aus osteuropäischen Ländern gar nicht die passende Ausbildung haben und hier nur abkassieren wollten. Ebenso beklagen Ärzteverbände gefälschte Zeugnisse und Ausbildungsnachweise von angeblichen Pflegekräften bis hin zu immensen Sprachproblemen, so das schon gefordert wurde, hier eine nachträgliche Prüfung vornehmen zu lassen.

In diese Bresche des sogenannten Pflegenotstands ist nun die Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA tätig geworden. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers werden in allein in deutschen Kliniken 500 Intensiv- und OP – Fachpflegekräfte dringend benötigt. Daher haben sich die Asklepios Kliniken weltweit auf die Suche nach Fachkräften gemacht. Auf den Philippinen, genau gesagt in Manila, sind sie fündig geworden. Eine entsprechende Zahl an Fachkräften wurde in einer 9 monatigen Ausbildung zu Fachkräften herangebildet, die nach deutschen Richtlinien die Ausbildung erhalten. Die Personen sprechen Deutsch. Weiter berichtet der Unternehmenssprecher, die Personen vor Ort hätten ein 4 jähriges Studium absolviert.

Dies sei mindestens gleichzusetzen mit einem deutschen Studium, ausserdem seien die Personen viel mehr motiviert als hier. Sie bekommen hier in Deutschland Geld nach deutschen Gegebenheiten. Man würde aber nur dort Fachkräfte abwerben, wo Kräfte übrig seien. Die Kosten würden derzeit vorab von den Asklepios Kliniken übernommen, 50 wären schon hier und würden gut arbeiten, die anderen warten schon vor Ort auf gepackten Koffern. Hier wirft der Unternehmenssprecher dem Staat klares Versagen vor: Die Visavergabe würde bei Pflegekräfte 6 Monate dauern, bei anderen Personen 5 Monate.

(Zitat Webseite Deutsche Botschaft Manila: Die Wartezeit auf einen Termin beträgt derzeit: Familienzusammenführung/Eheschließung 5 Monate, Pflegekräfte 6 Monate, Alle übrigen Langzeitaufenthalte 5 Monate ). Dies stände in krassem Widerspruch zum vom Bund aufgelegten „ Konzertierten Aktion Pflege „ . Ein wenig mehr Hoffnung kann sich nun die Asklepios Kliniken machen, da gerade in diesen Tagen das Migrationspaket von der Großen Koalition auch im Bundesrat verabschiedet wurde. Für Fachkräfte wird hier nochmals auf eine einfachere Zuwanderung festgesetzt. Eine Frage, die mich beschäftigt hat, ist, warum die Asklepios Kliniken gerade in Manila diese so dringend benötigten Pflegekräfte gefunden und auf deutsches Niveau ausgebildet haben.

Im Vergleich zu Russland, Kanada, USA, Japan, China usw. gehört Deutschland zum Beispiel nicht zu den Partnerländern von Philippinen. Abgesehen davon gibt es doch mit Sicherheit in der EU Länder, wo man Pflegekräfte abwerben könnte. Die angeblich besonders hohe Motivation der Philippinos läßt sich auch aufgrund der Bezahlung hier in Deutschland begründen, wie leicht nachzulesen ist, bei einem Bruttonationaleinkommen von knapp 3000 US$ auf den Philippinen zu 46.000 US$ in Deutschland. Von deutscher Sprache ist auf den Philippinen auch unter Studierten keine Rede, auch Studierte sind schlecht bezahlt. Auf dem Dienstleistungssektor Buchhaltung und Softwareentwicklung sind die Philippinos stark.

Von Stärke im Gesundheitsbereich ist nicht die Rede. Gerade staatliche Krankenhäuser sind unterfinanziert und daher oft prekär ausgestattet. Auch das wirft Fragen auf. Quelle Daten Philippinen: wikipedia.de

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