Sonntag, 21.07.2019 06:13 Uhr

Luftfahrt in Nepal

Verantwortlicher Autor: Lars Kitschke Kathmandu, 24.06.2019, 09:00 Uhr
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Flugplatz Lukla
Flugplatz Lukla  Bild: Lars Kitschke

Kathmandu [ENA] Die Republik Nepal ist für viele ein Sehnsuchtsziel. Einmal das quirlige Leben in der Hauptstadt Kathmandu erleben auf dem Dach der Welt stehen. Der bequemste und gängigste Weg ins Land ist die Anreise mit dem Flugzeug. Wir haben uns auf zwei Flugplätzen einmal umgesehen.

Derzeit besitzt die Hauptstadt Kathmandu den einzigen internationalen Flughafen. Doch das wird sich in naher Zukunft ändern, in Pokhara und Gautam entstehen mit chinesischer Hilfe zwei neue Airports. Dies wird die dringend notwendige Entlastung für KTM schaffen und gleichzeitig Wachstumsmöglichkeiten generieren. Bei unserem Besuch waren in Kathmandu umfangreiche Bauarbeiten im Gange. Das Konzept des Boutique-Airports steht für eine Optimierung der Prozesse und für eine Anpassung des Terminalgebäudes zu traditionellem Design. Im konkreten wurden vier neue Abstellpositionen für Flugzeuge bis zur Größe einer Boeing 777 geschaffen. Noch viel wichtiger ist die Verlängerung der Landebahn am Südende und die Verlängerung der Rollwege.

Letzteres erhöht nicht nur die Anzahl der möglichen Starts und Landungen, sondern schafft an beiden Bahnenden einen sog. „Overrun“ und erhöht somit die Sicherheit. Bisher mussten die größeren Flugzeuge auf der Landebahn bis ans Ende rollen, dort drehen und konnten erst dann starten. Dieses Verfahren ist sehr zeitaufwendig. Größere Flieger müssen aufgrund der Topografie auch gegen die Landerichtung starten, da der Berge im Norden zu hoch sind. Durch die neuen bis ans Bahnende reichenden Taxiways spart man nun die Zeit für das Zurückrollen auf der Bahn und es entfallen die bisher nötigen Warteschleifen für anfliegende Maschinen. Später werden auch auf der östlichen Seite des Flughafens nochmal 13 Abstellpositionen dazu kommen.

Nepal Airlines ist die nationale Fluggesellschaft des Landes.
Nach der Landung wird man von Nashörnern begrüßt.
Morgendliche Rush hour.

Hierfür muss jedoch erst einmal ein komplettes Wohngebiet umgesiedelt werden. Im Terminal wird die Halle für den Check-in umgestaltet um die derzeitige maximale Kapazität von 1700 Passagieren pro Stunde auf 2300 zu erhöhen. Zeitgleich werden im und am Terminal neue Designelemente errichtet, die dem Reisenden das Land und seine Kultur näherbringen sollen. Nach der Ankunft wird man an der Eingangstür durch eine Nashornfamilie begrüßt. Das Original kann man im Süden des Landes in den Nationalparks erleben. Überall im Terminal findet man Stilelemente der traditionellen Handwerkskunst des Landes. Das Terminalgebäude selber ist der Form von Reisterrassen nachempfunden. Einzig der Umstieg auf einen lokalen Flug muss man zu Fuß selber bewältigen.

Größer könnte der Kontrast kaum sein, wenn man von Kathmandu aus nach Lukla startet. In den rund 30 Flugminuten bringen einen die kleinen Propellerflieger in eine komplett andere Welt. Nicht nur, dass man die Grenze zwischen zwei Religionen überquert, man verlässt auch die Smogwolke der Millionenstadt Kathmandu und steigt in reiner Bergluft auf rund 2800 Höhenmeter wieder aus. Lukla ist das Tor zur Everestregion und zum Sargarmanthatreck. In der Hochsaison kommen hier an einem Tag schon mal über 1200 Touristen an. Wenn man bedenkt, dass in den kleinen Flugzeugen maximal 20 Passagiere Platz finden, wird einem die Leistung bewusst, welche hier jeden Tag erbracht wird.

Die hohen Gipfel bergen auch viele Risiken für die Fliegerei.
Anflug auf Lukla
Reichlich was los in Lukla

Der Flugplatz von Lukla gilt gemeinhin als der gefährlichste Flughafen der Welt. Die nur 527 Meter lange Landebahn hat eine Steigung von 12 %. An einem Ende befindet sich eine Bergwand am anderen Ende fällt der Berg 600 Meter tief hinab ins Tal. Geflogen werden kann hier nur bei Sichtflugbedingungen. Zwischen den Flugzeugen reihen sich noch die Hubschrauber ein, die Wanderer aus Kathmandu bringen oder zum Basislager des Mt. Everest transportieren. Am Flughafen befindet sich auch das einzige Auto im Dorf. Es ist das Einsatzfahrzeug für die Flughafenfeuerwehr. Bei diesem geschäftigen Treiben und den Rahmenbedingungen kommt es leider auch immer wieder zu Unfällen. Fliegen im Hochgebirge ist halt auch immer Luftfahrt im Grenzbereich.

Unter den Hubschrauberpiloten finden sich viele westliche Ausländer, die nur während der Hochsaison in Nepal sind um zu fliegen. Sie übernehmen auch die Rettungsfliegerei nach Unfällen oder bei Auftreten der Höhenkrankheit. Wer es sich leisten kann lässt sich mit dem Helikopter zu einem Aussichtspunkt oder ins Basislager fliegen. Billig ist dieses Vergnügen nicht, im Schnitt werden für einen solchen Rundflug rund 900 € pro Person fällig. Wer trotzdem einen Blick auf den Mt. Everest erhaschen will und nicht so gut bei Kasse ist, der kann jeden Morgen ab Kathmandu einen der vielen Sceneryflights buchen. Der Preis hierfür liegt bei rund 180 €. Sollte sich der Berg in den Wolken verstecken, bekommt man sein Geld komplett zurück.

Abschließend bleibt festzustellen, dass sich die Luftfahrt in Nepal stark von der unsrigen unterscheidet, sie jedoch auch spannender ist als in Deutschland. Auch wenn es immer wieder mal zu Unfällen kommt, ist das Fliegen in Nepal doch als relativ sicher zu bewerten. An vielen Stellen, wie derzeit am Internationalen Flughafen von Kathmandu, wird an der Verbesserung von Service und Sicherheit gearbeitet. Wir hatten auf keinem unserer Flüge ein ungutes Gefühl oder sogar Angst und erlebten dabei ein faszinierendes Land von unglaublicher Schönheit.

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