Donnerstag, 17.10.2019 17:07 Uhr

Kreuzfahrten und die Klima-Demos

Verantwortlicher Autor: Jochen Behr Würzburg, 01.10.2019, 08:46 Uhr
Kommentar: +++ Reise & Tourismus +++ Bericht 2572x gelesen
Kreuzfahrten
Kreuzfahrten  Bild: Pixabay

Würzburg [ENA] Kreuzfahrtschiffe verschleudern ihre Reisen für den kleinen Geldbeutel, sodass auch der durchschnittlich verdienende Arbeitnehmer sich so eine Reise leisten kann. 7 Tage von Hamburg nach London, Paris, Brüssel, Rotterdam und wieder zurück, das lockt an. Aber wie schädlich ist das für unser Klima?

Schon 2012 war bekannt laut Naturschutzbund Deutschland, dass die 15 größten Seeschiffe der Welt mehr Schwefeloxide ausstoßen als alle Autos der Welt zusammen. Die Schwefeloxid-Emissionen sind verantwortlich für den sauren Regen. Dieser hatte noch vor Jahrzehnten unsere Wälder massiv bedroht, aufgrund der Umstellung auf bleifreies Benzin bei den Autos und dem Umrüsten von Industrieanlagen und Kraftwerken haben wir über 90% an Schwefel-Oxid Emissionen eingespart.

Bei den Seeschiffen allerdings sieht das etwas anders aus. Viele fahren auf den Weltmeeren immer noch mit Schweröl, das ist eine dreckige Pampe, die das 3500-fache mehr Schwefel enthält als in Benzin und Diesel, das Pkws tanken. Europa und Nordamerika haben immerhin den Schwefelgehalt im Schweröl per Gesetz reduzieren lassen, aber immer noch um das 100-fache höher als im Treibstoff für Autos.

Man liest immer wieder was von dem "dreckigen" Diesel, es geht nicht mehr um die Schwefeloxid-Emissionen, sondern nur noch allgemein um Schadstoffe und neuerlich um CO2. Weltweit trägt der Schiffsverkehr mit ca. 3 Prozent an CO2-Emissionen bei, der Straßenverkehr weltweit 17%. Umgerechnet auf das Gewicht, das transportiert wird erzeugt ein Schiff weniger CO2 als ein Pkw.

Also wenn es um Schwefeloxid-Emissionen geht hat der Naturschutzbund Deutschland recht, hier liegen die Schiffe weit vorne, dafür im Ausstoß von CO2 weit hinten. Während der Schwefel mit dem sauren Regen unsere Umwelt belastet, belasten unsere Gesundheit ganz andere Schadstoffe. Das sind die Stickoxide und der Feinstaub. Hier stoßen sowohl Kreuzfahrtschiffe wie auch Pkws Schadstoffe aus und zwar 1 Ozeanriese schleudert soviel Schadstoffe in die Luft wie 5 Millionen Pkws auf der gleichen Route, sagte der Naturschutzbund Deutschland. Aus dieser These wurde dann in den sozialen Netzwerken, dass 5 Millionen Pkws soviel Schadstoffe erzeugen wie 1 Ozeanriese. Das ist falsch!

Richtig ist, dass die Relation zwischen dem Ozeanriesen und den 5 Millionen Pkws nicht auf der gleichen Strecke zu messen ist, sondern pro Tag und da muss man jeweils getrennt rechnen, ein Ozeanriese schafft pro Tag durchschnittlich mehrere hunderte Kilometer und im Vergleich legt ein Pkw im Durchschnitt pro Tag 36 Kilometer zurück. Wenn man nun vergleicht wie viele Personen jeweils beide auf diesen Kilometern transportieren kommt man beim Pkw auf durchschnittlich 1,5 Personen pro Auto und ein Ozeanriese kann bis zu 9000 Personen befördern.

Dadurch ergibt sich eine neue Vergleichszahl von 1:100, also ca. 100 Pkws belasten im Durchschnitt mit Schadstoffen wie Feinstaub und Stickoxiden die Umwelt genauso stark wie im Durchschnitt ein Schiff, wenn man die Kilometer betrachtet bezogen auf die Passagiere. Der Naturschutzbund Deutschland unterscheidet bei den Schadstoffen Schwefeloxide, Stickoxide, Feinstaub und CO₂. Wenn man die einzelnen Schadstoffe getrennt voneinander betrachtet und in den direkten Vergleich stellt zwischen einem Ozeanriesen und Pkws kommt man zu einem verblüffenden Ergebnis:

Ein Schiff produziert demnach so viel CO₂ wie 84.000 Autos aber Schwefeloxid wie 376 Millionen Pkws. Was heißt das also? Sind jetzt Kreuzfahrtschiffe gar nicht so dreckig? Doch! Diese erzeugen nicht nur auf dem Ozean Schadstoffe, sondern auch in den Häfen und die Schadstoffe an Stickoxiden und Feinstaub liegen in der Höhe der Emissionen im Hafen weit über den zulässigen Werten, die man für den Straßenverkehr festgelegt hat.

Also Schiffe bleiben gesundheitsschädlich für den Menschen. Hier müssen die Schiffe noch einiges nachholen an Umrüstungen auf schwefelfreien Treibstoff, KAT und Filter für Abgase. Anbieter von Kreuzfahrten wie AIDA wollen auf die LNG Technik bei ihren Schiffen umsteigen (Flüssigerdgas). Damit können diese eine Reduzierung von Feinstaub und Schwefeldioxid um bis zu –100 %, von Stickoxid um bis zu –80 % und CO2 um bis zu –20 % nachweisen. 2018 waren Häfen wie im Hamburg, Rotterdam, Zeebrücke, etc. schon mit LNG-Versorgung ausgestattet.

Was aber bleibt ist der CO2 Ausstoß und genau deswegen gehen ja viele junge Menschen freitags auf die Straße um dagegen zu demonstrieren und für eine starke Verringerung der CO2-Emissionen sich stark zu machen. Wer also Kreuzfahrten bucht, der unterstützt den Ausstoß von CO2 und die Beibehaltung und Erweiterung der Angebote an Kreuzfahrten, das widerspricht dem Grundgedanken der Friday4Future-Bewegung. Daher der Appell an junge Menschen und auch an ältere Menschen vor der Buchung der nächsten Kreuzfahrt mal darüber nachzudenken, wo man persönlich seinen Beitrag leisten kann in einem Umdenken der Reisegewohnheiten.

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