Samstag, 23.11.2019 03:50 Uhr

Das Großarltal

Verantwortlicher Autor: Uwe Rembor Großarl, 28.08.2019, 10:50 Uhr
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Großarltal
Großarltal  Bild: Uwe Rembor

Großarl [ENA] Das Großarltal liegt im Salzburger Land, gleich nach dem berühmten 4-Schanzen-Tournee-Ort Bischofshofen und St. Johann. Das enge Tal, nur über eine kurvenreiche Strecke zu erreichen, abgelegen und ursprünglich, lockt im Sommer mit Wanderungen und im Winter mit einem großen zusammenhängenden

Skigebiet, dem „Ski Amadee“, das eine Skischaukel bis hinunter nach Bad Gastein bietet. Das bestgelegene Hotel und nicht mal das teuerste, ist der Auhof. Der liegt direkt an der Talstation der Gondelbahn und Hausgäste brauchen nur circa 10 Meter zu gehen um einsteigen zu können. Der Auhof investiert jedes Jahr in neue Annehmlichkeiten und Attraktionen, und so sind neu ein Ponyhof wo Große und Kleine reiten könne, ein Streichezoo mit Ziegen, Hasen, Vögeln und Schweinchen, sowie ein Spielzimmer und organisierte Kinderbetreuung. Das erlaubt Erwachsenen, den Wellness Bereich mit Whirlpool, Wasserbetten und 5 verschiedenen Saunen zu nutzen oder in der doppelstöckigen, urigen Ramba-Zam-Bar bei Apres-Ski das immer noch nicht skimüde Tanzbein zu

zu schwingen, oder im Wintergarten gemütlich zusammen zu sitzen. Die Zimmer sind geräumig und alle mit Balkon, schön ausgestattet und rustikal. Das Halbpensions-Angebot sehr günstig, und die Küche sehr gut, egal ob Buffet oder a-la-Carte. Der Service mag etwas vom jeweiligen Personal abhängig sein, aber es gibt einige gute Geister die seit Jahren dort sind und das aus gutem Grund. Das Haus ist familiengeführt und diese Herzlichkeit spürt man, man ist bemüht und das lässt über manche kleinere Servicefehler hinwegsehen. In der Winterhochsaison ist das Hotel proppenvoll und man muss sich auf eine Warteliste gefasst machen. Die meisten Wintergäste sind Stammgäste und buchen sofort bei Abreise wieder.

Mit Karacho ins Tal

Dementsprechend hoch sind die Preise im Winterhalbjahr, was allerdings durch wirklich supergünstige Angebote im Sommer wieder wettgemacht wird. Eine der neuen Sommer-Attraktionen auf der Leireither-Alm direkt an der Bergstation sind Mountain-Carts, mit denen man auf 4 Rädern und unter sachkundiger Führung die Schotterpisten hinunterbrettern kann. Ein Mordsspaß sogar für unsere Oma, die mit 85 Jahren als zweitschnellste durch Ziel ging. Helme gibt es bei der kurzen Anweisung dazu, gefahren wird in Gruppen jeweils zur vollen und halben Stunde.

Der Auhof bietet einen netten Ausflug per Bummelzug ans Ende des Tales an. Gemütlich geht es bis Hüttschlag, von dort am Wasserfällen vorbei auf ebenerdigen Wanderwegen eine dreiviertel Stunde zum glasklaren Bergsee, wo gegrillt wird. Die Natur und die mächtigen Berge sind beindruckend, die Stille erholsam und die Luft frisch und würzig. In Hüttschlag gibt es nur wenige Häuser, darunter ein Wirtshaus mit Streichelzoo, Kinderspielplatz, Talmuseum und einer gruseligen Sammlung von Perchten. In Flachau, ca. 40 KM entfernt, gibt es eine Sommerrodelbahn die dank überdachter Rodel auch für regnerische Tage eine Alternative zu den Outdoor-Aktivitäten bietet. Es gibt Einzel-, 5er- und 10erKarten die man sich auch untereinander teilen kann,

d.h. z.B. 2 Erwachsenen können mit einer 10er Karte beide je 5 mal rodeln. Im gleichen Ort gibt es ein kleines Museum über Herman Mayer, der „Herminator“ – Österreichs mit Abstand erfolgreichsten Skifahrer aller Zeiten. Essen kann man urgemütlich im Wirtshaus „Hoagascht“. Hoagascht ist ein österreichischer Ausdruck für gemütlich beisammen sitzen, reden und zechen. Und genau das kann man in der urigen Holzhütte mit dem Flair eines abgelegenen Hochgebirgs-Chalets. Berühmt ist das Restaurant für seine Highland-Cattle Steaks, aber auch ansonsten sind alle Gerichte üppig und exzellent. Es gibt für wirklich jeden Geschmack Etwas, auch vegetarisch, und auch für jeden Geldbeutel.

Steiler Aufstieg

Eine der meistbesuchten Attraktionen im Nationalpark Hohen Tauern ist die Eisriesenwelt, die größten Eishöhle der Welt. Aber Achtung, man sollte zwei Dinge wissen die auf den Webseite und den Prospekten verschwiegen werden: Erstens ist die Eisriesenwelt alles andere als barrierefrei. Zwar wird – recht gut verschleiert – gesagt dass man bis zum Eingang der Höhlen mit Rollstuhl oder Kinderwagen gelangen kann, aber das ist rein theoretisch. Bitte wer kann einen Rollstuhl oder Kinderwagen aus eigener Kraft stundelang steil bergauf über Schotterwege schieben? Vielleicht Herkules oder die Titanen, aber sicher kein durchschnittlicher Urlauber.

Zweitens: Man muss absolut schwindelfrei sein. Der Weg ist kurvenreich, steil, teilweise nur 2 Meter breit und es geht direkt mehrere hundert Meter senkrecht hinab. Für unsere 10jährige Tochter und die 85jhrige Oma war diese „Familienattraktion“ nicht machbar und wir mussten umkehren – sehr frustrierend nach einem beschwerlichen stundenlangen Aufstieg. Aber zumindest hat man uns den Eintrittspreis dann wieder erstatten. Wer die Eisriesenwelt besuchen möchte, sollte Folgendes wissen, was die Werbung verschweigt (man will ja Eintrittskarten verkaufen): Man kann mit dem eigenen Wagen bis vor den Hauptbau in ca. 1000 Meter Höhe fahren. Die Strecke ist steil, kurvenreich und erfordert Fahrsicherheit.

Kommt man frühmorgens sind Parkplätze relativ sicher, später muss man damit rechnen umkehren zu müssen und im Tal zu parken wo es kostenlose Shuttle-Busse zum Hauptgebäude gibt. Dieses ist nur über etliche Stufen zu erklimmen! Danach, und erst wenn man den Eintritt gezahlt hat, wird klar dass es jetzt erst einmal 20-30 Minuten steil zu Fuß bergauf geht bevor man überhaupt einmal die Talstation der Gondelbahn erreicht. Nachdem wir die Strecke geschafft hatten, waren wir bereits bis auf die Haut durchgeschwitzt, und wir hatten weder Kinderwagen noch Rollstuhl zu schieben! Mit der Gondelbahn (lange Wartezeiten einkalkulieren) geht es dann steil und hoch über dem Abgrund nach oben,

Kitzlochklamm

und von der Bergstation ist es dann noch einmal eine halsbrecherische gute dreiviertel Stunde über die besagten engen, steilen abgründigen Schotterwege bis zum Eingang der Eisriesenwelt, wo einem dann mitgeteilt wird dass es 700 Stufen (!) nach oben und wieder nach unten geht. Das ist unfair, denn alte Menschen oder solche die nicht über die Kondition eines Langstreckenläufers verfügen, schaffen das nicht und müssen frustriert und enttäuscht kehrt machen. Um der enttäuschten Familie eine schöne Ersatz Tour anzubieten, fuhren wir in die nahegelegene Kitzlochlamm in Taxenbach, die uns vom Hotelpersonal als leicht, flach und garantiert für die Oma machbar beschrieben wurde.

Dumm nur, das anscheinend die durchschnittliche Ösi-Großmutter die Konstitution von Luis Trenker zu besitzen scheint, denn „flach“ stellte sich heraus als unzählige steil in den Himmel aufragende Treppen und Wege die man pflichtgemäß nur mit Schutzhelm absolvieren durfte. Die Helme gab’s zwar dazu (für dieses Stück Natur ist Eintritt zu bezahlen), aber mit Untertreibungen scheint man es hier zu haben: Es gab in der Kitzlochklamm auch einen Klettersteig der Kategorie „leicht“ aber als wir den Bergwanderern zuschauten, ging es senkrecht an der Bergwand hoch – das war kein Klettersteig mehr sondern ausgemachte Bergsteigerei. So mussten wir auch hier unsere Tour abbrechen, denn diese steilen Treppen die kein Ende zu nehmen schienen,

Geisterberg

waren ebenfalls für Großmutter nicht zu machen. Zumindest gab es ein paar schöne Fotomotive aber dafür € 25.- abgelegen? In der anderen Richtung des Großarltal gelegen, in St. Johann, befindet sich der Geisterberg. Der hat seinen Namen von den vielen Kinder-Attraktionen bei denen sich alles um die guten Geister der Erde, Luft, Wasser und Feuer dreht. Die Wanderung (alternativ mit dem Bummelzug) führt über viele Stationen die den mühseligen Aufstieg vergessen lassen nach oben, vorbei an Spielplätzen, Rätselstationen, Klettergerüsten, Ausstellungen und Streichel-Ziegen. Zwei Almen laden zur gemütlichen Brotzeit auf der Sonnenterasse ein.

Auch hier sollte man nicht so leicht aus der Puste geraten, wenngleich die Tour dieses Mal weitgehen „Omatauglich“ war. Fazit: Das Großarltal bietet für jedes Alter und für jeden Geschmack sowie für jeden Geldbeutel Viel. Naturgemäß liegt der Schwerpunkt auf allen möglichen Outdoor Aktivitäten, aber auch an Regentage kommt keine Langeweile auf soweit man bereit ist, ein paar Kilometer zu fahren. Auf jeden Fall eine Empfehlung sind Großarl und der Auhof.

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