Donnerstag, 13.08.2020 07:21 Uhr

Schonzeit Libanons ist vorbei

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 02.08.2020, 13:15 Uhr
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Jerusalem [ENA] Sollte Israel noch einmal von der iranischen Miliz Hisbollah angegriffen werden, würden staatliche Infrastrukturen Libanons zerstört. Mit dieser deutlichen Warnung wartete die israelische Militärspitze anlässlich einer strategischen Aussprache mit Verteidigungsminister Benjamin Gantz auf. Israel nötigt die Regierung in Beirut, dringlichst Verantwortung für ihr Land zu übernehmen.

Premierminister Netanyahu hatte nach dem jüngsten „unabgeschlossenen“ Attentatsversuch einer Terroristeneinheit an den westlichen Abhängen des Hermongebirges anlässlich eines Besuchs an der Nordgrenze keinen Zweifel daran gelassen, wonach Israel für „jegliches Szenario vorbereitet“ sei. Seit dem über 50 Tage dauernden zweiten Libanonkrieg von 2006, im Verlaufe dessen Hisbollah tausende Raketen gegen zivile Ziele in Israel abfeuerte, wurde die Beiruter Regierung nicht in die Pflicht genommen. Nunmehr aber gälten andere Regeln.

Verantwortung lässt sich nicht teilen

Der Doktrin, wonach verantwortlich für die Geschehnisse auf dem Territorium sei, wer dessen Souveränität beansprucht, lebt Israel in Syrien und Gazastreifen bereits nach. Jegliche seit dem Bürgerkrieg in Syrien erfolgten Terrorangriffe von Stellvertretern Irans gegen israelisches Gebiet wurden mit Gegenangriffen gegen die Zentralregierung in Damaskus beantwortet. Auch bei Angriffen aus dem Gazastreifen, die von Gruppierungen ausserhalb der Terrormiliz Hamas - z.B. dem Islamischen Djihad - ausgingen, nahm man zumeist die iranischen Handlungsgehilfen ins Visier.

Die nicht zu unterschätzende dramatische Wende der israelischen Taktik gegen seinen gefährlichen, von Iran aus gesteuerten und trainierten Gegner, gründet nicht zuletzt auf dem Prinzip Hoffnung, dass die Corona-Pandemie zur erwünschten Wende beitragen könne. Libanon, im Unterschied zu Jordanien und Ägypten im Osten und Süden, steht offiziell immer noch im Kriegszustand mit Israel. Nun könnte der Druck aus der von Arbeitslosigkeit und geborstenen Gesundheitsversorgung gebeutelten Bevölkerung der Beiruter Regierung aufzeigen, dass sie das Ruder übernehmen muss, ansonsten Hisbollah den Staat vollständig ruinieren werde.

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