Donnerstag, 21.11.2019 09:20 Uhr

Neues Kompetenzzentrum für ausländische Pflegekräfte

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Berlin, 23.10.2019, 22:03 Uhr
Kommentar: +++ Politik +++ Bericht 4913x gelesen
Medikamentenausgabe in einer Pflegeeinrichtung
Medikamentenausgabe in einer Pflegeeinrichtung  Bild: Erwin Lorenzen / www.pixelio.de

Berlin [ENA] Endlich ist es soweit: Jahrelang Gerede über Gerede von fehlenden Pflegepersonal, Notstände in den Altenheimen, in Krankenhäusern, bei häuslicher Pflege. Das alles wird in Zukunft der Vergangenheit angehören. Glaube nicht ich, glaubt unser Gesundheitsminister Spahn.

Die geniale Lösung: Unter der Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit hat das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) ein Deutsches Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF) eingerichtet. Jetzt muß man sich erste einmal fragen, was ein Kuratorium Deutsche Altershilfe mit einem Projekt zur Integration junger Pflegekräfte aus dem Ausland zu tun hat. Das läßt sich nicht so einfach erkennen. Liegt es vielleicht daran, das dieses Kuratorium, so wie es auf ihrer Webseite erklärt, z. B. auch Dienstleister für Politik und Verwaltung auf allen Ebenen ist ?

Zudem erklärt das Kuratorium (Zitat): Internationale Impulse werden aufgenommen. Liest man sich die Informationen auf der Webseite einmal detailliert durch, insbesondere die Kompetenzen, muß man zu dem Schluß kommen, das hier eine Art Lebenshilfe / Vermittlungen / Programme für Personen höherer Altersgruppen angeboten wird. Fit bleiben im Alter, Demenz begegnen, Gesundheit im Alter; all das sind Punkte, die dort unter anderem angesprochen werden. Noch einmal, das Kompetenzzentrum soll ja dafür eingerichtet worden sein, möglichst junge Personen aus dem Ausland anzuwerben, die schon eine gute Vorbildung in Sachen Pflege und Sprache haben, die hier in Deutschland Pflegetätigkeiten aufnehmen können OHNE noch jahrelang qualifiziert zu werden.

Denn die sollen ja die JETZIGEN Pflegeprobleme lösen. Lt. der Webseite des Deutschen Kompetenzzentrums (DKF) soll die Person sozial, betrieblich und fachlich in unser System integriert werden, um eine dauerhafte Niederlassung zu erreichen. Desweiteren wird die Entwicklung weiterer wichtiger Bausteine zur Integration angestrebt. Ansprechpartner des derzeit 4-köpfigen Teams des DKF sind aber offensichtlich Personen vom KDA, das lassen die Email – Endungen kda.de vermuten. Ist das Deutsche Kompetenzzentrum gar nicht eigenständig ?

Die Personen, die ja offensichtlich im KDA für „ Altersgerechte Betreuung „ zuständig sind und waren, sind plötzlich kompetent für ganz andere Gebiete ? Muß so sein, denn die KDA Leiterin der Kommunikation, ist bei DKF für Projektleitung und Strategie zuständig, ein Herr bei KDA als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter ist bei DKF in der Strategieentwicklung. Eine Doktorin wird auf der KDA Webseite komischerweise nicht unter Mitarbeitende aufgeführt, ist aber offensichtlich dort wissenschaftliche Mitarbeiterin, wie jetzt beim DKF. Auch eine vierte Person, nicht bei KDA geführt bei Mitarbeitern, hat aber deren Email, ist bei DKF wissenschaftliche Mitarbeiterin und zuständig für Kommunikation.

Hinzu kommt, das offensichtlich beide Institutionen mit öffentlichen Mitteln gefördert werden, beim DKF vom BMG bestätigt. Wie auch immer man das alles bewerten will, eine Frage bleibt am Ende wie immer: Schon zu Zeiten von Gröhe war dieses Thema vakant, und was hat man nicht alles versucht, aus dem Ausland die so wichtigen Pflegefachkräfte anzuwerben. Mit der EU Öffnung einiger Ostländer wie Polen, Rumänien und Co. in Sachen Arbeitnehmer-freizügigkeit wurden aber nicht nur vermeintliche Fachkräfte angeworben, sondern auch dubiose Pflegefirmen schickten ihre Leute los, hier in Deutschland mal so richtig abzuzocken.

Dazu kamen angebliche hochgebildete Pflegekräfte, die ihre Zertifikate und Zeugnisse mal eben auf dem heimischen Computer selbst gedruckt bzw. beschönigt hatten. Hauptsache, man bekam einen hochbezahlten Pflegejob in Deutschland. Das haben dann auch versch. Ärzteverbände bemerkt, man glaubt es kaum, das nicht nur in Sachen Sprachen Defizite bestehen, sondern häufig auch die angeblich nachgewiesenen Ausbildungen in der Praxis nicht standhalten. Forderungen nach besseren Kontrollen und Vorabprüfungen vor der Pflegezulassung wurden laut. Aber die Politik blieb taub.

Ganz im Gegenteil: Millionenkampagnen wurden in div. Ländern der Erde gestartet, geworben mit tollen Bezügen, schnellen VISA – oder Aufenthaltsberechtigungen, Wohnung usw. In der Praxis, wie z.B. die Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA berichtet, sieht das dann ganz anders aus. (Zitat Webseite Deutsche Botschaft Manila: Die Wartezeit auf einen Termin beträgt derzeit: Familienzusammenführung/Eheschließung 5 Monate, Pflegekräfte 6 Monate, Alle übrigen Langzeitaufenthalte 5 Monate ). Aber: Die angeblich besonders hohe Motivation der Philippinos läßt sich auch aufgrund der Bezahlung hier in Deutschland begründen, wie leicht nachzulesen ist, bei einem Bruttonationaleinkommen von knapp 3000 US$ auf den Philippinen zu 46.000 US$ in Deutschland.

Von deutscher Sprache ist auf den Philippinen auch unter Studierten keine Rede, auch Studierte sind schlecht bezahlt. Und was macht unser Gesundheitsminister ? Reist weiter in der Welt herum und sucht an den unmöglichsten Orten wie z.B. Mexiko oder Kosovo (ganz toll) nach hochgebildeten Pflegekräften. Und dann wieder der gleiche alte Trott wie schon auf den Philippinen: Während seines Besuchs in der Hauptstadt Mexikos unterschrieben Vertreter beider Seiten eine Absichtserklärung, der zufolge Pflegekräften die Einreise nach Deutschland erleichtert werden soll durch eine Beschleunigung der Anerkennungs- und Visaverfahren. Kennen wir das nicht schon ?

Dieses ganze Unterschriftenprozedere von Spahn ist aber nur eine einzige große Lüge. Beweis: Filiz Polat (Bündnis 90/Die Grünen) hatte eine Anfrage an das Auswärtige Amt gerade wegen der Visavergabe gestellt. Die Antwort von der Staatsministerin Frau Müntefering (Auszug): Die Wartezeiten auf einen Termin zur Visumantragsstellung an allen Visastellen in den Westbalkanstaaten mit Ausnahme von Montenegro liegen bei über einem Jahr.

Und dann muß man sich unweigerlich fragen: Warum investiert der deutsche Staat nicht in bereits vorhandene Pflegekräfte, die ja teilweise zum Dilemma des Staates in andere Länder mit besserer Bezahlung abwandern. Warum werden nicht aus dem Heer der Arbeitslosen und Hartz IV Empfängern neue Kräfte geschult, gut bezahlt, denn das Geld ist ja da. Das geht viel schneller als umständlich aus dem Ausland Kräfte anzuwerben und immense Kosten dafür zu produzieren. Wer es nicht glaubt sollte mal im Ministerium nachfragen: Da steht System dahinter. Man will gar nicht deutsche Arbeitslose qualifizieren für sinnvolle hier gebrauchte Arbeitskräfte, das gilt übrigens für einige andere Berufssparten auch.

Komischerweise ist der Fachkräfte- /Pflegekräftemangel verstärkt seit 2016 in der Presse, genau seit dem Zeitpunkt, als der Höhepunkt des Flüchtlingszuzugs voll in Gang war.

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