Samstag, 20.07.2019 05:38 Uhr

Kommunikationspraktiken gegen Europa

Verantwortlicher Autor: Gerhard Rippert Bamberg, 16.05.2019, 17:12 Uhr
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moderne Kommunikation
moderne Kommunikation   Bild: pixabay - freie Nutzung

Bamberg [ENA] Fake News, digitale Desinformation und Meinungsmanipulation in sozialen Medien ist schon längst ein Dauerthema in den Medien. Nicht nur in der Aufarbeitung des letzten Wahlkampfs in den USA, sondern heute genauso eine Gefahr im Vorfeld der diesjährigen Wahl zum Europäischen Parlament.

"Kommunikation gegen Europa: Stimmungsmache und mögliche Auswege" war das Thema einer Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung in Bamberg. In seinem Vortrag zeigte der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Dr. André Heller von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wesentliche Kommunikationspraktiken im Europawahlkampf 2019 auf und präsentierte Möglichkeiten, wie denn die demokratische Öffentlichkeit darauf reagieren kann.

Vor der Europawahl 2019 wird wie nie zuvor Stimmung gegen die Europäische Union gemacht. So ergeben sich Fragen danach, welche Methoden die Euro-Kritiker in ihrer Meinungsmanipulation anwenden und warum solche Aussagen von vielen Bürgern unterstützt werden. Dem zufolge beschrieb Dr. Haller in seinem Vortrag generell die Produktion von Information und Meinung, Medienwirkungen und Desinformation.

Populismus und Desinformation

Darin ist Populismus ein wesentlicher Begriff, der prinzipiell jedem, also nicht nur einem einzigen politischen Lager zuzuordnen ist. Es handelt sich dabei um eine anbiedernde Politikform, die zu keiner konstruktiven Lösung der genannten Probleme beiträgt und die Interessen anderer negiert. Als geradezu dramatisches Beispiel für "populistische" Desinformation steht der Brexit, der über ein Referendum in UK lancierte Austritt aus der EU.

Fake News - Social Media Bots

Fake News werden über digitale Kanäle verbreitet, wobei fingierte Inhalte und satirische Beiträge durchaus im Stil seriöser Presseartikel und Agenturmeldungen verbreitet werden. Komplexe Informationen werden selektiv aufbereitet, generell kommen moderne Theorien der Medienwirkungsforschung zur Anwendung. Digitale Desinformation bzw. das Verbreiten von Fake News muss keineswegs nur politische Ziele verfolgen, sondern kann einfach nur rein ökonomisch motiviert sein.

Social Network Bots sind Programme, die menschliches Verhalten simulieren. Chatbots erlauben das Texten in dialogorientierten Systemen, worin auch Messenger-Dienste wie WhatsApp einbezogen sind. Im Rahmen einer Twitter-Auswertung zur Brexit-Kampagne wurden mehr als 50 Tweets als ein Bot charakterisiert. Die Wirkung von Bots bezieht sich auf aktuelle Themen und somit auf das Wissen, ist jedoch nur kurzfristig wirksam. Zu erkennen sind Bots an Merkmalen wie Profilbild bzw. Avatar, an Profilnamen und ihrer Repost-Rate.

Maßnahmen gegen digitale Desinformation

Facebook sieht bereits das Sperren von Nachrichteninhalten, sogar von Nutzern vor und verschärft nun auch die Regeln für Livestreaming. Davon abgesehen setzt Dr. Haller mit dem Begriff "Media Literacy" auf Erweiterung der Medienkompetenz bei den individuellen Internet-Nutzern. In der Medienpädagogik soll bereits in der Grundschule eine Einführung in Journalismus erfolgen. In weiterführenden Schulen werde die Produktion von Texten, also von Nachrichteninhalten geübt, die Erwachsenenbildung bietet entsprechende Seminare und Diskussionsrunden an. Für solche Maßnahmen muss die Politik entsprechende Geldmittel zur Verfügung stellen - jedoch gezielt für externes Lehrpersonal als für das Ausrüsten der Schulen allein mit Hardware.

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