Donnerstag, 26.11.2020 10:44 Uhr

Israels neue Relevanz im internationalen Flugverkehr

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 09.10.2020, 14:25 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Politik +++ Bericht 3643x gelesen

Jerusalem [ENA] Jahrzehntelang war Israel Endstation Sehnsucht. Man flog hin, aber nicht weiter. Nun mausert sich der kleine Staat am Mittelmeer zu einem unübersehbaren Drehkreuz. Jordanien unterzeichnete eben einen Vertrag mit Israel, womit Flugschneisen von Ost nach West und umgekehrt in 30’000 Fuss Höhe ab sofort freigelegt sind. Fernost, Europa, der indische Subkontinent, Nordamerika: die kürzesten Stränge führen über Israel!

Zu den eingangs erwähnten Zielen gesellen sich auch China, und dank jüngster Friedensabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Bahrein auch der Persische Golf. Selbst über feindlich gesinnte Länder wie Iran und Irak geführte Linien dürfen Israel überfliegen, hingegen keine aus letzteren Staaten gestartete Streckenflugzeuge. Höchste Sicherheitsstandards sind für Israel nach wie vor unumgänglich, doch die Vorteile kürzerer Distanzen, geringfügigeren Benzinverbrauchs und Einnahmen durch Lizenzgebühren wiegen beträchtlich. Im Sog des spürbaren regionalen Zusammenschlusses sind Kooperationsverträge im Verkehrswesen eine natürlich Folge, was das lange widerstrebende Königreich Jordanien schliesslich zum Einlenken bewogen hatte.

Zurück zur Normalität

Was sich für europäische Ohren normal anhört, ist für die nahöstliche Krisenregion bzw. dem lange als Paria abschätzig behandelten Israel eine überragende Neuerfahrung, da mit dem Wegfall wirtschaftlichen Boykotts durch nunmehr einige und sich bestimmt bald vermehrende arabische Regionalmächte die strategische Bedeutsamkeit gleichermassen wächst. Als das heutige Israel bis zum 1. Weltkrieg unter türkischer Herrschaft stand, später unter der Knute des britischen Mandatsgebiets für Palästina, war das Reisen zwischen den jetzigen Nationalstaaten rundherum noch gang und gäbe. So gab es z.B. die sogenannte Hedschasbahn zwischen dem syrischen Damaskus und Medina (Saudiarabien) mit einer Verzweigung zur heutigen israelischen Hafenstadt Haifa.

Zur Zukunftsmusik gehören Verknüpfungen mit jordanischen Eisenbahntrassees. Von der wieder ans Bahnnetz angeschlossenen nordostisraelischen Stadt Beth She’an aus, dem altrömischen Scythopolis, klafft bloss noch eine Lücke von ca. 200 km. Dann könnte der Traum einer rollenden Güterroute bis nach Saudiarabien Wirklichkeit werden. Ein Fährbetrieb zwischen dem südisraelischen Eilat am Roten Meer und Saudiarabien ist gleichfalls angedacht. Die israelische Verkehrsministerin, Miri Regev, bekräftigte in einem Statement, dass die Kooperationen einen Durchbruch auf dem Weg zur Vision eines regionalen Friedens bildeten. Wenig sibyllinisch fügte sie an: "Ich hoffe, bald über weitere Entwicklungen berichten zu können."

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